Ergebnis der Kommunalwahl steht fest: hauchdünne Mehrheit für bisherige Kooperation

Neun Fraktionen im Rodgau-Rathaus

Briefwahl am Küchentisch: Genau 12 345 Wahlberechtigte in Rodgau machten ihre Kreuzchen in aller Ruhe.
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Briefwahl am Küchentisch: Genau 12 345 Wahlberechtigte in Rodgau machten ihre Kreuzchen in aller Ruhe.

Die Grünen sind die zweitstärkste Partei in Rodgau, die SPD stürzt auf den dritten Platz ab. Die Kommunalwahl hat die Kräfteverhältnisse in der Stadtverordnetenversammlung verändert. Dennoch reicht es rechnerisch für eine Fortsetzung der regierenden Kooperation, die mit kurzen Unterbrechungen seit 2007 regiert. Das Bündnis hätte dann allerdings nur noch eine Stimme Mehrheit.

Rodgau - Die CDU baut ihre Stellung als größter Fraktion aus und stellt künftig 14 Stadtverordnete – einen mehr als bisher. Die Union hat ihr Ergebnis erneut leicht verbessert, den Absturz vor zehn Jahren aber noch nicht aufgeholt. Damals hatte sie fast 19 Prozentpunkte eingebüßt, vorwiegend an den Wahlverein „Zusammen mit Bürgern“.

Zur Wahl war die CDU mit dem Ziel angetreten, nach 14 Jahren in der Opposition wieder mitzuregieren. Für eine Zweierkoalition reicht es allerdings nicht. Sowohl eine Große Koalition mit der SPD als auch ein schwarz-grünes Bündnis kämen nur auf 22 der 45 Sitze im Stadtparlament – ein Sitz zu wenig für eine sichere Mehrheit.

Trotz Corona lief die Stimmenauszählung im Rathaus ebenso zügig wie vor fünf Jahren. Gestern um 12.30 Uhr stand das vorläufige Endergebnis fest. Die 140 städtischen Bediensteten waren damit aber noch nicht fertig. Sie mussten auch die Stimmen der Kreistags- und der Ausländerbeiratswahl erfassen.

CDU Rodgau profitiert vom Kumulieren und Panaschieren

Vom Kumulieren und Panaschieren profitierte vor allem die CDU. Gegenüber dem Trendergebnis vom Wahlabend schnitt sie um 3,8 Prozentpunkte besser ab und gewann zwei Sitze dazu. Die Grünen verzeichneten die größten Einbußen bei der Auszählung der Einzelstimmen: Hatte es zunächst so ausgesehen, als hätten sie volle zehn Prozentpunkte mehr als 2016, beträgt ihr tatsächliches Plus nun „nur“ 7,4 Prozentpunkte.

FDP Rodgau legt prozentual zu, verliert aber einen Sitz - warum?

Eine spezielle Betrachtung verdienen die Ergebnisse von FDP und ZmB. Die FDP hat zwar gegenüber 2016 um einen Parlamentssitz zugelegt, tatsächlich aber einen Sitz verloren. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Sieben Monate nach der Wahl waren zwei ZmB-Stadtverordnete (Martina Sertic, Karlheinz Hackel) in die FDP-Fraktion übergetreten und hatten damit für eine stabile Mehrheit aus SPD, Grünen, FDP und Rodgauer Liste gesorgt.

Die Koalitionsverhandlungen werden für die seitherige Mehrheit schwierig. Denn „eine Rodgauer Liste wird es nicht mehr geben“, sagt Karl-Heinz Dauth von den Freien Wählern Rodgau. Mit Heiko Stenzel von der Linken hatte er als Rodgauer Liste der Kooperation zuletzt zwei Sitze verschafft. Nun rückt für die Linke aber Ines Nickolai ins Parlament. Also werden die Karten neu gemischt.

Schon gestern Abend fanden Gespräche der Kooperation statt. Bis auf Karl-Heinz Dauth („Keine Vorfestlegung vor den Gesprächen.“) und Ines Nickolai signalisierten gestern alle bisherigen Bündnispartner gegenüber unserer Zeitung, dass sie weiter miteinander arbeiten möchten. Ines Nickolai betonte dogmatisch, Gebührenerhöhungen oder gar die Einführung von Kitagebühren seien mit ihr nicht zu machen.

SPD Rodgau enttäuscht über Verlust

Enttäuscht vom Ergebnis war besonders der SPD-Parteivorsitzende Jürgen Kaiser. Er habe sich einen solchen Absturz nicht vorstellen können. Über eine „große Leistung“ freute sich hingegen CDU-Parteichef Lars Neumann. Es werde für die stärker gewordene CDU aber leider trotzdem schwierig, eine Mehrheit zu bilden. „Mit der AfD reden wir erst gar nicht.“

Sich noch stärker in die Kooperation einzubringen als bisher sei jetzt das Ziel der Grünen, formulierte Spitzenkandidatin Karin Wagner selbstbewusst. Der Schwerpunkt liege auf der Reduzierung des Autoverkehrs und dem Klimaschutz. Parteichefin Martina Sertic war für die FDP hocherfreut über den kreisweit stärksten Zuwachs unter den Liberalen. Die FDP wolle in der Kooperation bleiben und sei bereit, darüber hinaus mit weiteren demokratischen Kräften zusammenzuarbeiten.

Von Ekkehard Wolf und Bernhard Pelka

So wählte Rodgau: Ergebnisse auf einen Blick

ParteiErgebnis+/-Sitze+/- Sitze
CDU30,6 %- 1,3 %14+1
Grüne18,3 %+ 7,4 %8+3
SPD17,2 %- 9,9 %8-4
AfD6,9 %-3,1 %3-2
FDP9,6 %+ 3,9 %4+1
Die Linke3,6 %+ 0,3 %1unverändert
Zusammen mit Bürgern6,1 %- 4,3 %3-2
Freie Wähler Rodgau4,0 %+0,7 %2+1
Tierschutzpartei3,8 %+ 3,8 %2+2

Mehr Details zu den Ergebnissen gibt es hier.

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