Nicht nur an Kosten denken

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Bürgermeister Jürgen Hoffmann (links) und IGEMO-Chef Harald Deichmann (rechts) sprachen mit Redaktionsleiter Bernhard Pelka (Mitte).

Rodgau ‐ Wie sieht die Zukunft der Bürgerhäuser aus? Sind sie noch bezahlbar? Das Fest zum 30. Geburtstag des Bürgerhauses Dudenhofen war Anlass für unsere Zeitung zum Gespräch mit Bürgermeister Jürgen Hoffmann und dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO), Harald Deichmann. Von Bernhard Pelka

Herr Hoffmann, Rodgau hat 30 Millionen Euro Schulden. Kann sich die Stadt drei Bürgerhäuser leisten?

Wir haben nicht nur Schulden, sondern auch erhebliches Kapital - zum Beispiel unsere Bürgerhäuser. Es geht nicht darum, über den Bestand der Bürgerhäuser nachzudenken, sondern um die Frage, wie wir die Instandhaltung sichern.

Gleichwohl sind die Bürgerhäuser ein Kostenfaktor. Die Debatte darüber ist ein politisches Minenfeld. Wie kommen Sie da heil heraus?

Das ist weniger eine politische Frage als eine Frage des Umgangs miteinander in unserer Stadt. Wir alle haben einen Nutzen von den Bürgerhäusern, die Vereine, die Bürger, die ganze Gemeinschaft. Wir müssen partnerschaftlich und wertfrei nach Lösungen suchen. Und wir müssen die Realität erkennen, dass wir erhebliche Defizite im Haushalt haben.

Zum Thema gehört der Sanierungsstau in den Bürgerhäusern. Wie groß ist er?

Eine konkrete Zahl ist noch nicht bekannt. Wir haben in den zurückliegenden Jahrzehnten fast kein Geld in diese Immobilien gesteckt. Mit dem Aufbau des Facilitymanagements werden wir ein Szenario entwickeln, wie wir das am besten lösen.

Es gibt Bestrebungen, die Bürgerhauskosten zu ermitteln und auf die Nutzer umzulegen. Wie ist hier der Sachstand und welche Position vertreten Sie?

Wir tragen derzeit Daten zusammen, die es uns erlauben, jedes Objekt gesondert zu beurteilen. Das ist die Grundlage, um darzustellen, welche Kosten ein Objekt verursacht und welchen Nutzen wir davon haben. Erst dann können wir darüber reden, wie wir damit gemeinsam umgehen. Ich möchte auf keinen Fall von vornherein sagen, dass gewisse Kosten umgelegt werden. Nur müssen wir einen Weg entwickeln, wie wir in unserer Stadt partnerschaftlich damit umgehen.

Herr Deichmann, haben Sie Bauchschmerzen, wenn Sie Kostenumlegung hören?

Nein. Ich weiß ja noch nicht, welche Kosten auf uns zukommen. Ich erwarte aber, dass wir irgend etwas werden tragen müssen, denn der Schuldenberg der Kommune ist enorm. Die Vereine rechnen damit, dass sie sich für die Nutzung von Immobilien einbringen müssen. Es kann der Kommune allerdings nicht daran gelegen sein, die Vereine finanziell an die Wand zu drücken, dass sie ihre Existenz verlieren.

Sie haben ja jetzt ein großes Fest vor sich. Damit könnte die IGEMO sich doch ein finanzielles Polster schaffen.

Die IGEMO vertritt die Interessen der Vereine, sie hat kein monetäres Ziel. Sie verwaltet städtisches Eigentum, zum Beispiel die Waldfreizeitanlagen, sie koordiniert Veranstaltungstermine und ist überall in Rodgau vertreten und soll mit der Verwaltung mit einer gemeinschaftlichen Zielsetzung zusammenarbeiten. Die Einnahmen der IGEMO bei diesem Fest sollen voll und ganz in irgend ein notwendiges Bürgerhausprojekt investiert werden, damit die Bürger sich dort wohl fühlen und wir mithelfen, dieses Objekt zu erhalten. Das soll ein Fest sein, von dem die Bürger sagen: „Das ist unser Fest.“ Nochmal zum Bürgerhaus: In den letzten Wochen habe ich oft gehört, die Vereine wollten alles kostenlos. Das ist Quatsch. Die Vereine erbringen kostenlose Leistungen - so sieht es aus.

Die Projektzusage der IGEMO hat mit der eigentlichen Sanierung des Bürgerhauses allerdings noch nichts zu tun. Herr Hoffmann, sieht sich dann die Stadt hier in der Pflicht?

Selbstverständlich. Wir werden die notwendigen Schritte gehen und haben zum Beispiel kurzfristig unsere Aufgaben hinsichtlich der Gaststätte zu lösen. Wir müssen zusehen, dass wir das, was nicht in einem technisch einwandfreien Zustand ist, in Ordnung bringen.

Herr Deichmann, Sie haben die große Bedeutung der IGEMO hervorgehoben. Fakt ist aber auch, dass die Mitgliederzahlen in vielen Vereinen zurückgehen und viele schon von einer Überfrachtung des Ehrenamts reden.

In Deutschland sind 26 Millionen Menschen über 14 Jahre in Vereinen organisiert - die kleinen Kinder nicht mitgezählt. Da ist mir um das Vereinswesen nicht bange. Die IGEMO besteht seit über 30 Jahren. So positiv wird es weitergehen. Es gibt einen weisen Spruch von Perikles aus dem alten Athen: „Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger.“ Insofern ist Ehrenamt für mich immer noch Ehre. Das kommt in unserer modernen Zeit aber manchmal zu wenig heraus.

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