Kerb bringt Leben in den Altort

Stimmung in den Scheunen

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Stimmungsvolles Ambiente im Hof von Dieter Mergenthal – vielleicht zum letzten Mal?

Nieder-Roden - Zwei Scheunen, zwei Zelte und eine kleine Kerbmeile vor der Kirche boten am Wochenende viel Platz zum Feiern. „Wir sind zufrieden“, zog Ralf Weyland vom Kerbverein gestern ein erstes Fazit. Von Ekkehard Wolf 

Die 17 Kerbburschen und -mädchen verbrachten das Wochenende nicht nur Bier trinkend und auf den Bänken tanzend, sondern sie sammelten auch Spenden für einen guten Zweck. Das Geld geht an den Verein „Paulinchen“, der sich für eine gute medizinische Versorgung brandverletzter Kinder einsetzt.

Das stimmungsvolle Ambiente in Hof und Scheune von Dieter Mergenthal ist von der Kerb nicht mehr wegzudenken. Dort feiert der Musikverein Nieder-Roden seit 2003. Die Kerblounge mit hochkarätiger Jazzbesetzung am Samstag und mehrere Blasorchester am Sonntag garantieren für ein volles Haus. Mit den Einnahmen aus der Bewirtung finanziert der Musikverein seine Jugendarbeit.

„Mir macht es Spaß, ich finde es dieses quirlige Leben klasse“, sagt Dieter Mergenthal. Dennoch ist er nicht sicher, wie es im nächsten Jahr mit der Musikerkerb weitergeht. Er begründet das mit der Trennung von seinem langjährigen Lebenspartner. Das Anwesen gehört beiden gemeinsam. Eine mehrtägige Party bedarf der Zustimmung beider Eigentümer.

Als Alternative komme möglicherweise ein Nachbargrundstück in Frage, das Mergenthal allein gehört. Dort gibt es ebenfalls eine ausgebaute Partyscheune, allerdings ist der Hof viel enger. Naheliegend ist auch der Gedanke an ein Zelt auf der Straße, ähnlich wie am Gasthaus „Zum Engel“, wenn es die Stadt erlaubt.

Kerbburschen und -mädchen singen beim Bieranstich lauthals das Kerblied.

Böhmische Blasmusik erklingt im Partyzelt im Garten von Wolfgang Schrod an der Ober-Rodener Straße. Wer es etwas ruhiger mag, sitzt in der Scheune. Das Ambiente ist einfach und herzlich. Seit die Kerb wieder im Altort gefeiert wird, sind Hof und Scheune am Kerbwochenende für Gäste offen. „Damit Leben im Ort ist“, wie Wolfgang Schrod sagt. Gemeinsam mit seinem Bruder Andreas und gut 20 Helfern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sorgt er dafür, dass andere Leute feiern können. Einige der Helfer kommen vom Gesangverein Sonntagverein, in dem Andreas Schrod als Sänger aktiv ist. Dafür helfen die Schrod-Brüder bei Veranstaltungen des Sonntagvereins. Es ist ein Geben und Nehmen. Den Kerb-Erlös spenden die Schrods an das Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen (Pfalz).

Die elf Musikanten im Partyzelt kommen aus der Gegend von Lich. Dass sie seit ein paar Jahren in Nieder-Roden spielen, ist verwandtschaftlichen Beziehungen zu verdanken. „Die wilde Truppe“, wie sie sich nennt, besteht aus Musikern mehrerer Vereinsorchester. „Alle zusammen haben wir Lust an der Blasmusik“, sagt Sascha Beutler, der die Bläser vor jedem Auftritt zusammentrommelt. Wer gerade Zeit hat, kommt mit. Gespielt werden Standards wie „Sakvicka“ und die „Kuschelpolka“, die alle drauf haben.

Bilder: Kerb in Nieder-Roden lockt zahlreiche Besucher an

Drei Tage Kerb bedeuten drei Wochen Arbeit. „Wir haben letzte Woche begonnen, das Zelt aufzubauen“, berichtet Andreas Schrod. Es gibt viel aufzuräumen und sauber zu machen, bis Hof und Scheune für die Gäste bereit sind. Im Lauf der Jahre hat die Familie eine gute Infrastruktur geschaffen. Dazu zählen separate WCs („Dixi-Häuschen mag ich nicht“), eine Küche mit Profi-Geräten und sogar ein eigenes Kühlhaus.

Über dem Eingang zum Schrod-Hof thront erstmals ein Pärchen aus Strohpuppen. „Giselle und Edmond“ haben die Schrods die beiden Puppen genannt. Heute gegen 20.30 Uhr wollen sie sie verbrennen, wie das früher am Ende der Kerb so Brauch war.

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