Frischluft für den Theatersaal

Neue Lüftungsanlage des Bürgerhauses Nieder-Roden kühlt auch ein bisschen

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Millimetergenau landet die Lüftungsanlage neben dem Glasdach des Foyers.

Handwerker und Facharbeiter steigen dem Bürgerhaus aufs Dach. Der städtische Saalbau in Nieder-Roden bekommt ein neues Dach und drei neue Lüftungsanlagen.

Nieder-Roden – Die letzte umfassende Sanierung des Bürgerhauses liegt 29 Jahre zurück. Die wellenförmigen Dachplatten aus Eternit hatten nun das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Auch die Lüftungstechnik war nicht mehr zu retten. In den letzten Monaten konnte die Lüftung nur noch von Hand bedient werden. „Für die alte Steuerung gab es keine Ersatzteile mehr“, berichtet Martin Schnurpfeil vom Fachbereich technische Gebäudewirtschaft der Stadtverwaltung.

Nun bekommt der Gebäudekomplex ein beschiefertes Bitumendach. Nur der Spitzgiebel über dem Eingang wird mit Blech verkleidet. Er ist der einzige Teil des Dachs, den man von unten sieht.

Den spektakulärsten Teil der Arbeiten konnte man am Montag beobachten. Ein Autokran hob zwei der drei Lüftungsanlagen aufs Dach – riesige Kästen mit Gebläse, Filter, Heizregister und dergleichen mehr. Allein das Gerät fürs Foyer wiegt 4,5 Tonnen, also so viel wie vier Autos. Für den großen Autokran aus Frankfurt war das ein Leichtgewicht: Er kann bis zu 90 Tonnen heben.

Der größte Kasten steht schon seit zwei Wochen. Er ist etwa drei Meter hoch, zehn Meter lang und soll den Theatersaal mit Frischluft versorgen. 15 000 Kubikmeter Luft pro Stunde kann das starke Gebläse in den großen Saal pumpen. Dann dürfte es nicht mehr vorkommen, dass ein Zuschauer wegen schlechter Luft umkippt, wie das im April 2017 passierte.

Auch eine dezente Kühlung ist künftig möglich. Die neue Anlage enthält ein sogenanntes Kühlregister, das die einströmende Luft abkühlt. Es handele sich nicht um eine Klimaanlage, betont Martin Schnurpfeil. Ein paar Grad dürften aber schon erreichbar sein, „damit wir nicht die Hitze von außen in den Saal bringen“.

In der kalten Jahreszeit verspricht die neue Anlage einen Kostenvorteil durch Wärmerückgewinnung: Die verbrauchte Luft aus dem Saal heizt die Frischluft auf.

910 000 Euro stehen im städtischen Haushaltsplan für Lüftung (460 000 Euro) und Dach bereit. Zwei Drittel davon kommen als Zuschuss aus dem kommunalen Investitionsprogramm des Landes, den Rest bezahlt die Stadt.

Die Arbeiter müssen sich nach den Schulferien richten. Eine Woche vor den Sommerferien hatten sie angefangen. Am Dienstag, 13. August, muss der Saal wieder benutzbar sein. Dann feiert die Schule am Bürgerhaus die Einschulung der Erstklässler. Ihre volle Leistungsfähigkeit kann die neue Lüftungsanlage vom 25. bis 27. Oktober beweisen. Dann findet die große Kunstausstellung „Rodgau-Art“ statt. Bereits eine Woche zuvor ist die erste Vorstellung der städtischen Kleinkunst- und Theatersaison.

VON EKKEHARD WOLF

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