Fusion scheitert an Grunderwerbsteuer

SG und TG Nieder-Roden lassen Fusionsgespräche ruhen - bis sich Voraussetzungen verbessern

Die Sportflächen der beiden großen Sportvereine Nieder-Rodens ließen sich theoretisch zu einer Art „Sportcampus“ verbinden. Nur eine große Halle fehlt noch. Das Luftbild zeigt oben die Fußball- und Tennisplätze der SG an der Hainburgstraße, unten die Tennishalle und links einen Ausschnitt des TG-Geländes am Breitwiesenring.
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Die Sportflächen der beiden großen Sportvereine Nieder-Rodens ließen sich theoretisch zu einer Art „Sportcampus“ verbinden. Nur eine große Halle fehlt noch. Das Luftbild zeigt oben die Fußball- und Tennisplätze der SG an der Hainburgstraße, unten die Tennishalle und links einen Ausschnitt des TG-Geländes am Breitwiesenring.

Die Sportgemeinschaft (SG) und die Turngemeinde (TG) Nieder-Roden bleiben weiterhin selbstständig. Auch im dritten Anlauf ist eine Fusion nicht gelungen. Die formalen und finanziellen Hürden seien derzeit zu hoch, bedauern die Vorsitzenden Alfred Rausch (TG) und Karl-Heinz Kohls (SG).

Nieder-Roden – Als Hauptproblem nennen sie die steuerliche Rechtslage: Da beide Vereine über Grundvermögen verfügen, müssten sie bei einer Fusion Grunderwerbsteuer in sechsstelliger Höhe bezahlen.

Die beiden größten Sportvereine Nieder-Rodens hatten im November 2018 Gespräche über eine Fusion oder Kooperation aufgenommen, nachdem beide Mitgliederversammlungen grünes Licht gegeben hatten. Beide Seite formulierten die Zukunftsvision, dass der neue Verein mit dann 2 300 Mitgliedern auch ein neues Sportgelände brauche. Die Größenordnung: rund 40 000 Quadratmeter für zwei Sportplätze, Tennisplätze und eine Halle. „Darunter geht eigentlich nichts und da sind noch keine Parkplätze dabei“, erläutert Karl-Heinz Kohls.

Idee offenbar kurz- und mittelfristig nicht machbar

Die Idee: Beide Vereine könnten ihre Flächen aufgeben und gegen ein unbebautes Grundstück tauschen. Doch das ist offenbar kurz- und mittelfristig nicht machbar. Das zeigte sich in einem Gespräch mit den Verantwortlichen der Stadt, das die Vereinsvertreter als konstruktiv, offen und sachkundig würdigen. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass die Stadt Rodgau kein zusammenhängendes Gelände in der gewünschten Größenordnung besitzt, das sich als neue Sportfläche eignet.

Da ein neues gemeinsames Vereinsgelände nicht infrage kam, diskutierten die Vertreter der beiden Vereine über eine Verbindung ihrer bestehenden Flächen zu einer Art „Sportcampus“. Der große Fußballplatz der SG stößt mit einer Ecke beinahe an das Vereinsgelände der TG am Breitwiesenring. Dabei ergibt sich aber ein finanzielles Problem. Vereinfacht beschrieben wird Grunderwerbsteuer fällig, wenn fusionierende Vereine Grundvermögen in den neu zu gründenden Verein einbringen. Im Fall der beiden Nieder-Röder Vereine wäre das „ein deutlich sechsstelliger Betrag“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Eine genauere Zahl wollen die beiden Vorsitzenden auf Anfrage unserer Zeitung nicht nennen. Der Betrag sei so hoch, dass die Fusion wirtschaftlich sinnlos sei.

Fusionsgespräche werden vorerst nicht weiter geführt

Die Vereinsvertreter haben sich daher mit Bedauern dazu entschlossen, die Fusionsgespräche ruhen zu lassen. Wenn sich vor allem die steuerlichen Rahmenbedingungen zum Positiven verändern, wollen beide Seiten die Gespräche wieder aufnehmen. „Es ist im Moment eine vernünftige Entscheidung“, sagt SG-Präsident Kohls. Er betont: „Es gibt keinen Gewinner und keinen Verlierer bei der Aktion.“ TG-Vorsitzender Alfred Rausch sagt im Hinblick auf eine Fusion: „Wir sind überzeugt, sie wird kommen. Aber der richtige Zeitpunkt ist noch nicht da.“

Bis dahin wollen beide Vereine die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen ausbauen. Mögliche Berührungspunkte gibt es vor allem in den Sportarten Tennis und Turnen/Gymnastik.

Die beiden Sportvereine sind ungefähr gleich groß: Mal hat der eine 100 Mitglieder mehr, mal der andere. Die Sportgemeinschaft hat acht Abteilungen, die Turngemeinde neun. Große Unterschiede gibt es beim Grundvermögen: Das Gelände der SG ist fast doppelt so groß wie das der TG. Beide Vereine zusammen besitzen rund 49 500 Quadratmeter einschließlich Tennishalle. Der aktuelle Bodenrichtwert beträgt 150 Euro pro Quadratmeter.  

eh

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