„Irgendwo ist immer Sommer“

Online-Shop für Motorradbekleidung beendet Leerstand am Puiseauxplatz

Mit Helm und Jacke für Motorradfahrer: Martin Stuwe (links) und Hermann Betz (rechts) vor ihrem Ladengeschäft am Puiseauxplatz. Eröffnung ist am 13. April. Foto: WOlf
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Mit Helm und Jacke für Motorradfahrer: Martin Stuwe (links) und Hermann Betz (rechts) vor ihrem Ladengeschäft am Puiseauxplatz. Eröffnung ist am 13. April.

Nieder-Roden – In das größte Ladenlokal am Puiseauxplatz zieht wieder Leben ein. Ein Geschäft für Motorradbekleidung eröffnet demnächst im ehemaligen „Kik“. Seit mehr als fünf Jahren standen die Räume leer. Von Ekkehard Wolf

Doch rund um den „Brunnen der Jugend“ zeichnen sich weitere Veränderungen ab. Lederkombis, Integralhelme, Nierengurte und vieles mehr bieten Hermann Betz und Martin Stuwe am Puiseauxplatz an. Dort haben sie 1050 Quadratmeter angemietet. Zum Markt „Rodgau erleben“ am 13. April wollen die beiden Rodgauer ihr Fachgeschäft eröffnen.

Der Laden ist eigentlich Nebensache. Den größten Teil ihres Umsatzes macht „Best Moto Style“ per Internet. Der Grund: Motorradbekleidung ist ein Saisongeschäft. Nur im Online-Shop lässt es sich das ganze Jahr über betreiben. Hermann Betz: „Wir verkaufen weltweit. Irgendwo ist immer Sommer.“

Der Online-Shop ist seit sechs Jahren am Markt – und dank permanenter Suchmaschinenoptimierung auch zunehmend erfolgreich. „Es war ein harter Weg bis hierher. Anfangs haben wir 16 Stunden am Tag gearbeitet“, erzählt Betz. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen zwei weitere Mitarbeiter. Wenn sich das Ladengeschäft gut entwickelt, könnten es auch mehr werden.

„Best Moto Styles“

Die letzten drei Jahre saß „Best Moto Styles“ im ehemaligen Jeansladen an der Rochusstraße in Hainhausen. Dann musste der Versandhändler raus: Das Gebäude wird abgerissen und macht einer Wohnanlage Platz. Am Puiseauxplatz hat sich das Unternehmen nun für fünf Jahre eingemietet. Der Ladeneingang wird an die andere Gebäudeseite verlegt. Dann können die Kunden das Geschäft direkt vom Parkplatz aus betreten. Hermann Betz weist jedoch auf einen Unterschied zum klassischen Einzelhandel hin: „Die Lage ist nicht ganz so wichtig, die Leute finden uns auch online.“

Die Kombination von Online- und Offline-Handel ist auch das Geschäftsmodell von „Sport Rodgau“ nebenan im ehemaligen Schlecker-Markt. Ivana Tolusic verspricht „Top-Marken zu reduzierten Preisen“: Schuhe, Trikots, Funktionskleidung und dergleichen. Früher bestand ihr Sortiment aus Schuhen, Uhren und Parfüms, damals unter dem Namen „Topmarken Vita“. Der Online-Versandhändler hatte sich 2015 dort eingemietet – drei Jahre nach der Schlecker-Pleite.

Das ehemalige Ladenlokal des Textildiscounters „Kik“ stand noch länger leer. Auch Kunstwerke hinter den Schaufenstern konnten über den Leerstand nicht hinwegtäuschen. Mindestens vier Immobilienmakler versuchten sich daran, einen neuen Mieter zu finden. Textilien, Lebensmittel, Spielhalle und Shisha-Bar waren im Gespräch. Ein Fitnessstudio hätte den Puiseauxplatz in den Abendstunden beleben können. Manche Hausbewohner befürchteten jedoch eine Lärmbelästigung.

Die neue Motorradfahrer-Boutique löst ein Problem an diesem Standort, aber nicht das einzige. Es gibt weitere leere Ladenlokale, die auf neue Nutzer warten. Spätestens im nächsten Jahr will die Postbank zumachen, obwohl sie mehr Kunden anlockt als die meisten anderen Geschäfte. Die Post sucht bereits nach einem anderen Partner, der weiterhin Briefmarken verkauft und Pakete annimmt.

„Abgesehen von der aktuellen Post-Fragestellung können wir eigentlich zufrieden sein“, sagt der städtische Wirtschaftsförderer Bernhard Schanze. Optimismus zu verbreiten ist sein Beruf. Als positives Zeichen nennt er unter anderem den Erhalt der Eisdiele Werner unter Regie des MP-Cafés. Auch in Sachen Post gibt er die Hoffnung nicht auf, sondern hilft bei der Suche nach einem neuen Standort.

Chancen sieht Schanze gerade auch für Läden wie „Sport Rodgau“ und „Best Moto Style“: „Der Online-Handel gibt auch Lagen eine Chance, die zunächst über Jahre hinweg tot zu sein schienen. Es eröffnet neue Perspektiven im Einzelhandel, wenn die Inhaber offen fürs Internet sind.“ Ob das funktioniere, hänge nicht nur vom Sortiment ab. Das Beispiel der Jügesheimer „Dampfstubb“ zeige, dass auch der entgegengesetzte Weg möglich sei: weg von online und hin zum Ladengeschäft.

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