Leichter Deutsch lernen

Pfarrer erfindet neue Lautschrift mit arabischen Schriftzeichen

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Benjamin Graf (links) beim Sprachunterricht für Flüchtlinge im Verein für multinationale Verständigung in Nieder-Roden. Die von ihm entwickelte Lautschrift soll Menschen aus dem arabischen Raum helfen, die deutsche Aussprache zu erlernen 

Nieder-Roden - Menschen aus arabischen Ländern können in Zukunft leichter die deutsche Sprache erlernen. Dabei hilft eine spezielle Lautschrift, die Pfarrer Benjamin Graf aus Nieder-Roden entwickelt hat. Von Ekkehard Wolf

Mit dem Thema Deutschlernen beschäftigte sich der evangelische Theologe, bevor er seine erste Pfarrstelle antrat. „Während der letzten Jahre habe ich in Begegnungen mit Flüchtlingen gemerkt, wie schwer ihnen die deutsche Aussprache fällt“, berichtet Benjamin Graf. Daraus entstand die Idee einer speziellen Lautschrift: „Ich schreibe auf Arabisch, was sie auf Deutsch sprechen sollen.“

Dass das funktioniert, hat Graf in Kursen mit Geflüchteten ausprobiert. Mit der Lautschrift gelingt es arabischen Muttersprachlern, ganze Sätze korrekt auszusprechen.

„88 Prozent der deutschen Laute sind im Arabischen bekannt“, weiß der Pfarrer. Dennoch ist es kein Kinderspiel, deutsche Begriffe korrekt auszusprechen. Das liegt an den vielen Ausspracheregeln. Ein Beispiel ist der Buchstabe H: Mal spricht man ihn aus, mal dehnt er nur einen Vokal. Noch schwieriger ist das „ch“: Es gibt mindestens vier verschiedene Sprachweisen (Bach, Ochse, Champagner, Couch). Das internationale phonetische Alphabet (IPA), das viele Schüler aus dem Fremdsprachenunterricht kennen, hilft Menschen aus dem arabischen Sprachraum wenig, weil es auf lateinischen Buchstaben basiert.

Gemeinsam mit zwei Sprachwissenschaftlern von der Uni Bamberg und aus Saudi-Arabien konstruierte Benjamin Graf eine Lautschrift aus arabischen Schriftzeichen. Nach Art einer Ampel ordnete er die deutschen Laute in drei Kategorien: Grün für Laute, die man 1 : 1 auf Arabisch schreiben kann; Gelb, wenn es dafür nur Schriftzeichen in der Umgangssprache gibt; Rot für die wenigen Laute, die dem Arabischen fremd sind.

Die arabische Sprache hatte Graf im Zivildienst gelernt, als er für 15 Monate in einem Gehörlosen- und Blindeninternat in Jordanien arbeitete.

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Als Leitfaden für Lehrende und Lernende ist ein 36-Seiten-Heft entstanden. Die evangelische Landeskirche bezahlte den Druck. Nun liegen 4 000 Exemplare bereit, die kostenlos an Interessierte verteilt werden. Zusätzlich gibt es digitale Versionen mit Erklärungen zum Anhören und Anschauen. „Meine Hoffnung ist, dass die Lautschrift auch in bereits vorhandenen Lehrheften verwendet wird“, sagt der Pfarrer. Mit dem Langenscheidt-Verlag ist er deshalb im Gespräch.

Beim Verein für multinationale Verständigung in Rodgau (Munavero) hat der Autor sein Heft bereits getestet. Auch die Integrationsbeauftragte der Stadt Rödermark möchte das Material in der Integrationsarbeit nutzen.

Infos unter elischara.de

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