Amtskette aus dem Baumarkt

Für Störtebeker-Aufführung wird allerlei Zubehör benötigt

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Die Hobby-Kostümbildnerinnen (von links) Elisabeth Ullmer, Corinna Liebler, Helene Löbig und Karin Liebler statten Günter Ullmer mit Kleidung und Accessoires aus. Rundes Bild: der Störtebeker-Kopf.

Das Große Welttheater will seinem Namen wieder alle Ehre machen und hat ein ambitioniertes Großprojekt in der Mache: Störtebeker steht auf dem Programm. Das Stück mit etwa 65 Mitwirkenden wird im August sechsmal gespielt.

Nieder-Roden – Etwa 70 passende Kostüme zu finden, ist allerdings auch kein Pappenstiel. Historische Gewänder aus dem 14. Jahrhundert hängen schließlich nicht einfach so im Schrank. Einen kleinen Fundus hat die Theatergruppe und doch muss Einiges geändert, genäht und neu beschafft werden. Dafür ist jede Menge Einfallsreichtum gefragt. Denn die Macher haben den Ehrgeiz, die Zeit so authentisch wie möglich abzubilden.

So ist im Partykeller von Karin Liebler ein Atelier entstanden, in dem die Nähmaschine heiß läuft. Im März ging es los. Von früheren Produktionen sind Stoffe und Gewänder vorrätig, die geändert werden. Unbedingt gebraucht werden 18 Hosen und 16 Hemden, die die Damen nähen müssen.

„Es klappt nur, wenn alle mitmachen“, ist Karin Liebler überzeugt. Tatsächlich ist die ganze Familie eingespannt. „Nur der Hund nicht“, wie Ehemann Klaus knochentrocken bemerkt. Denn der Gatte steht genauso auf der Bühne wie Tochter Corinna.

Bei Lieblers wird der Störtebeker also zur Familiensache: Schließlich geht jede Menge Zeit drauf, die man gemeinsam beim Proben und Werkeln verbringt. Doch so, wie sich alle reinhängen, ist klar, dass schon die Vorbereitungen für die Aufführung allen großen Spaß machen.

Zur Unterstützung der Näherin hat sich Elisabeth Ullmer eingefunden. Ihr Mann Günter spielt einen Kaufmann und schaut mal in der provisorischen Kostümwerkstatt vorbei, in der Hoffnung, etwas Passendes zum Anziehen zu finden: Mit Jacke und Gamaschen ist er ganz zufrieden. Ohne Unterschrift aber verlässt kein Kleidungsstück oder Zubehör den Lieblerschen Keller. Schließlich muss nachvollziehbar sein, wer was aus dem Fundus entliehen hat.

Längst nicht alle Accessoires können die Tüftlerinnen selbst machen. Manchmal werden sie auch im Internet fündig: So warten sie derzeit auf goldfarbene Ohrringe aus China. Die talergroßen Anhänger sollen umfunktioniert werden und eine güldene Kette aus dem Baumarkt in eine repräsentative Ratsherrenkette verwandeln. Ein historisch anmutendes Fernrohr wurde in England bestellt und „Gandalfs Stab“ aus Plastik wird zum unverzichtbaren Utensil der Friesenkönigin.

Kopfzerbrechen bereiten den Damen allerdings noch vier Herren, die Übergrößen tragen. „Für die Hosen in diesen Größen gibt es nicht mal Schnittmuster“, gibt Karin Liebler zu bedenken. Weil sich nicht für alle Probleme gleich Lösungen aufdrängen, radelt die Chef-Kostümbildnerin zwischendurch immer mal mit ihrem Hund durch den Wald, um abzuschalten und den Kopf klarzukriegen.

Kopf ist auch das richtige Stichwort für Helene Löbig: Sie hat ein Störtebeker-Puppenhaupt gefertigt, weil die Figur gleich zu Beginn des Stückes geköpft wird. Schließlich soll Stefan Schmidt, einer der Störtebeker-Darsteller, auch an den anderen Abenden noch unversehrt spielen können.

Die Puppenmacherin stellt ihr Werk zur Diskussion: „Was haltet ihr von dem Bart?“, will sie von den Damen wissen. „Vielleicht noch ein bisschen mehr Haar, auch bei den Augenbrauen“, befinden die anderen nach kritischer Begutachtung. Schließlich lassen viele der Männer bereits das echte Haar und Bärte für ihre Rollen sprießen. „Einen Friseurtermin habe ich nach den Aufführungen schon ausgemacht“, erzählt Klaus Liebler.

VON SIMONE WEIL

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