Stadtumbau in Rodgau: Zuschüsse für private Bauherren geplant

Ortsbild Dudenhofens für die Zukunft bewahren

Typisch für das Ortsbild ist diese Häuserzeile an der Nieuwpoorter Straße. Elemente wie Dach-, Fassaden- und Fenstergestaltung sollen in das Gestaltungsleitbild einfließen. Die modernen Wohn- und Geschäftshäuser am Ludwig-Erhard-Platz bilden einen architektonischen Kontrast.
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Typisch für das Ortsbild ist diese Häuserzeile an der Nieuwpoorter Straße. Elemente wie Dach-, Fassaden- und Fenstergestaltung sollen in das Gestaltungsleitbild einfließen. Die modernen Wohn- und Geschäftshäuser am Ludwig-Erhard-Platz bilden einen architektonischen Kontrast.

Ein Leitbild für die Gestaltung der Häuser und Höfe soll helfen, das historische Ortsbild des Rodgauer Stadtteils Dudenhofen zu erhalten. Zuschüsse sollen einen Anreiz bilden, diese Vorgaben in die Tat umzusetzen.

Rodgau - Bei der Auftaktveranstaltung zum Gestaltungsleitbild formulierten etwa 50 Einwohner ihre Ideen und Vorschläge. Ein Ergebnis war der Wunsch, das Gebiet des Förderprogramms „Stadtumbau“ über die Friedberger Straße hinaus nach Südwesten zu erweitern. So soll der gesamte alte Ortskern abgedeckt werden.

Die Corona-Pandemie hat den Stadtumbauprozess ausgebremst. So sollte die Auftaktveranstaltung eigentlich schon vor eineinhalb Jahren sein – im April 2020. „Wir hatten schon alles eingepackt und wollten nach Rodgau fahren, eine halbe Stunde vorher kam die Absage“, berichtet Alexandra Franzke vom Büro „Schirmer Architekten und Stadtplaner“ (Würzburg).

Wie intensiv die Architekten die Zeit seither genutzt haben, zeigte der Vortrag von Alexandra Franzke bei der Veranstaltung in Dudenhofen. Sie erklärte ortstypische Gebäudeformen und Gestaltungselemente wie Dächer, Fassaden, Fenster und Türen.

Auf der Suche nach dem, was Dudenhofen prägt, ging die Architektin bis zum Urkataster von 1854 zurück. Damals war Dudenhofen ein Straßendorf mit giebelständigen Häusern. Typisch waren Hofreiten auf schmalen Parzellen, die bis zu 80 Meter lang waren. Am hinteren Ende der Höfe stand eine quer gestellte Scheune, dahinter reichte ein Garten bis zum Bach. Einen Teil dieses Scheunenkranzes kann man heute noch sehen, wenn man an der Rodau spazieren geht.

Ein Kranz an Scheunen bildet den Rand des alten Ortskerns in Richtung Rodau. Viele ehemalige Scheunen sind bereits zu Wohnhäusern umgebaut.

Drei Hoftypen bilden das, was Planer die „Grammatik“ des Orts nennen. Neben der lang gestreckten Hofreite mit Scheune gibt es noch den Dreiseithof und einen jüngeren Hoftyp mit Torbau. Als erhaltenswert bezeichnet Architektin Franzke auch den Anblick der Ortsdurchfahrt, die von dicht stehenden Häusern gesäumt ist: „Es ist wichtig, diesen früheren Straßenraum zu sichern. Dass die Gebäude nicht zurückspringen, dass keine Lücken entstehen.“

Die Architekten haben auch viele Details zusammengetragen, die typisch für den alten Ortskern Dudenhofens sind. Dazu zählen traditionelle Fensterformen, Klappläden und die großen Hoftore aus Holz. Ziegelmauerwerk gibt es vor allem an Nebengebäuden, aber in Einzelfällen auch als Schaufassade am Haupthaus. „Genau darum geht es, diesen Schatz für die nachfolgenden Generationen zu bewahren“, sagt Alexandra Franzke. Was das bedeutet, erklärt sie am Beispiel der Fenster: Wenn man kleinteilige Fenster durch große Einflügelfenster ersetze, gehe ein Stück „Lebendigkeit“ verloren.

Alt und Neu verbindet die Sanierung dieses Fachwerkhauses an der Dr.-Weinholz-Straße.

„Hier ist eine Gestaltung in einem guten Sinn gefragt“, sagt Michael Stoll von der DSK-Stadtentwicklung (Wiesbaden), die das Stadtumbauprogramm für Rodgau betreut. Geplant ist ein sogenanntes Anreizprogramm mit Zuschüssen an private Bauherren, zum Beispiel zur Gebäudemodernisierung, Begrünung und Klimafolgenanpassung. Auch die Umgestaltung von Ladenlokalen oder kleinen Gewerbebetrieben soll förderfähig sein.

Wofür genau es Zuschüsse geben soll, legt die Stadt in einer Förderrichtlinie fest. Erst wenn sie beschlossen ist, kann man Anträge stellen. Michael Stoll rechnet damit, dass es im ersten Halbjahr 2022 so weit sein könnte.

Während die Förderrichtlinie das Finanzielle regelt, geht es im Gestaltungsleitbild um die inhaltlichen Details. Einen ersten Entwurf will das Würzburger Planungsbüro noch in diesem Jahr der städtischen Lenkungsgruppe vorstellen. Darin sollen auch Ideen aus der Bürgerbeteiligung berücksichtigt sein. Dabei geht es unter anderem um angemessene Gebäudehöhen, den Rückbau von Eternit-Fassaden und die Frage, ob Solaranlagen auf den Dächern gestalterisch vertretbar sind.

Stadtumbau Dudenhofen: Das läuft schon

Der Ludwig-Erhard-Platz wird im nächsten Jahr umgebaut - und zwar von der Ortsdurchfahrt bis fast zum Bürgerhaus. Dabei fließen auch Ideen aus der Bürgerbeteiligung ein.

Die Neuordnung der Parkplätze und eine Fahrradstraße sind beschlossen und werden voraussichtlich Anfang 2022 in die Tat umgesetzt.

Für das Quartier Hegelstraße gibt es ein Plankonzept, das mehr Einkaufsmöglichkeiten, ein Medienzentrum, eine neue Kita und einen kleinen Park vorsieht. Es basiert auf den Ergebnissen einer Umfrage, an der sich rund 750 Personen beteiligten.

Weitere Informationen zum Stadtumbau in Dudenhofen gibt es auf einer speziellen Internetseite der Stadt. (Ekkehard Wolf)

In der Ortsmitte stehen die Häuser dicht an dicht. Die Gärten der lang gestreckten Hofreiten reichen bis zur Rodau.

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