Schönheitswettbewerb

Wahl zur Miss Germany: Lisa Schwab aus Rodgau unter den Top 40

Lisa Schwab für die Wettbewerbsteilnahme eingekleidet beim
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Lisa Schwab für die Wettbewerbsteilnahme eingekleidet

Persönlichkeit und Köpfchen sind stärker gefragt als lange Beine und ein attraktives Figürchen: Diese Erkenntnis hat sich selbst beim früheren Schönheitswettbewerb Miss Germany durchgesetzt. Engagement und pfiffige Ideen beeindrucken die Organisatoren heute mehr als die ehemals übliche halb nackte Präsentation im Bikini.

Nieder-Roden – Das kam Lisa Schwab gerade recht: Die junge Frau ist inzwischen unter den Top 40 beim Miss-Germany-Entscheid und will den Wirbel um den Wettbewerb bis zum Finale im Februar kommenden Jahres nutzen, um ihr frisch gegründetes Unternehmen vorzustellen. „Happyperiod“ nennt sie ihre Geschäftsidee. Dahinter verbirgt sich ein Blog (eine Art Tagebuch im Internet), ein Shop und eine Abo-Box.

Die 23-Jährige ist in Nieder-Roden aufgewachsen, hat nach der Gartenstadtschule die Heinrich-Böll-Schule besucht und ihr Abitur an der Claus-von-Stauffenberg-Schule abgelegt. In Mainz hat sie Publizistik studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen.

Im Januar wurde bei der Rodgauerin Endometriose diagnostiziert. Diese weitverbreitete Unterleibserkrankungen, die oft mit starken Schmerzen einhergeht, brachte Lisa Schwab auf den Gedanken, dass Betroffene viel mehr Wissen, den Austausch mit anderen und entsprechende Produkte rund um die Menstruation brauchen. „Jeder muss für sich selbst herauszufinden, was zu den eigenen Bedürfnissen passt“, sagt sie.

In einer Schachtel bietet die frisch gebackene Unternehmerin nun zum Beispiel Binden, Tampons und Menstruationstassen, aber auch Tees und Schokolade an, die eine krampflösende Wirkung haben. Dieses regelmäßig wechselnde Angebot können Kunden abonnieren und lernen dadurch viele verschiedene Hilfsmittel kennen.

Wenn es um die Periode geht, muss noch viel an Enttabuisierungsarbeit geleistet werden, glaubt die Wettbewerbsteilnehmerin. Schließlich ist alles, was mit der Regelblutung zu tun hat, jahrzehntelang verschämt unter dem Stichwort Monatshygiene beworben worden.

Diskretion war alles: Für drei Tampons gab es ein neutrales Täschchen und nur verlegen wurden die gepressten Watteteile weitergereicht. Doch inzwischen hat sich der Umgang mit dem Thema Monatsblutung geändert, das zeigt nicht zuletzt der Blick auf neue Binden oder Menstruationstassen, die schrill und bunt daherkommen und gar nicht mehr verschweigen wollen, wofür sie gedacht sind.

Lisa Schwab hat einen langen Leidensweg hinter sich. Viele verschiedene Ärztinnen hat sie aufgesucht, die ihre Beschwerden nicht ernst nahmen und sie mit Phrasen abspeisten. „Ich habe schon lange starke Schmerzen, bin sogar schon mal umgekippt“, erzählt sie. Oft werde unterstellt, dass Ratsuchende übertreiben.

Deswegen hält die junge Geschäftsfrau es für notwendig, darüber aufzuklären, wie der Körper funktioniert. Immerhin sei die Erkrankung weit verbreitet. Durch die eigene Erfahrung mit der Endometriose habe sie selbst angefangen, nach geeigneten Produkten zu schauen, berichtet Lisa Schwab.

Im März gründete sie ihr Unternehmen, im Juli hat sie die erste Box versandt. Das Konzept kommt gut an. „Die Resonanz ist gut, es macht Spaß und freut mich einfach“, erzählt die Gründerin.

In ihrer Freizeit singt die Wettbewerbsteilnehmerin übrigens gerne, nimmt sogar Gesangsunterricht und schreibt ihre eigenen Lieder. Außerdem häkelt sie zur Entspannung, zuletzt entstanden Schildkröten, die für einen guten Zweck verkauft wurden. Früher hat sie acht Jahre lang Fußball gespielt, sich beim Jugendelfer des damaligen TGMSV engagiert. Außerdem hatte sie eine Vorliebe für Modern-Jazz-Tanz und hat das Kinderturnen angeleitet. (Von Simone Weil)

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