Zwei Geschäftsfrauen gießen Hundepfoten in Gips

Phantasievolle Rodgauer Andenken

Die 18 Jahre alte Hundedame Zara lässt die Prozedur gelassen über sich ergehen.
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Die 18 Jahre alte Hundedame Zara lässt die Prozedur gelassen über sich ergehen.

Spuren hatten Zara und Thaddäus zuletzt auch im Schnee hinterlassen. Doch Dauerhafteres hervorbringen sollen jene Abdrücke, die die 18 Jahre alte Hundedame und der sechsjährige Rüde aus Nieder-Roden im Salon von Sonja Zabolitzki abgeliefert haben. In ihrer Jügesheimer Gipswerkstatt arbeitet Tanja Lehmberg, gemeinsam mit Zabolitzki Gründerin des neuen Unternehmens „Main Hund“, jetzt an detailgetreuen Abbildern zweier rechter Vorderpfoten.

Rodgau - 16 Hundefreunde mit ihren Vierbeinern hat das Duo jetzt im Pet Stop, Sonja Zabolitzkis Geschäft an der Friedhofstraße, zum ersten Abdruck-Tag empfangen. „Ausgebucht“, sagt die Inhaberin, die ihren tierischen Kunden sonst entweder einen neuen Fellschnitt oder eine speziell auf Hunde abgestimmte physiotherapeutische Behandlung verpasst.

Dass sich Menschen für ihre annähernd lebensechten Nachbildungen von Händen oder Füßen begeistern, hat Lehmberg schon vielfach erlebt. Besonders Repliken von Kinder- oder Babyhänden fertigt die erfahrene Kunsthandwerkerin in ihrem Atelier Gips Art an der Vordergasse oft. Gefällig präsentiert in Bilderrahmen oder transparenten Würfeln, mit und ohne Schleifchen oder Foto, gelegentlich in Kombination mit Mamas oder Papas Hand sind das „einzigartige Andenken“. So denkt auch Sonja Zabolitzki, die im vergangen Herbst mit der Hunde-Idee auf ihre langjährige Bekannte zugekommen ist.

Für Tanja Lehmberg ist die Arbeit mit den Vierbeinern lediglich eine Variante der Prozedur, die sie sonst mit Menschen durchgeht: Während Frauchen Ruhe ausstrahlt und für vertraute Gesellschaft sorgt, spielt ihre Kollegin ihre zehnjährige Hundeerfahrung aus und taucht die Pfoten erst von Thaddäus, dann von Zara in Becher mit schnell bindender Abdruckmasse. Überstehendes Fell an den Krallen hat sie vorher sorgfältig gestutzt. Bis auf ein paar skeptische Blicke lassen die beiden Hunde alles willig und gelassen über sich ergehen. Zabolitzki ist nicht überrascht: „An den Pfoten lassen sich die meisten Hunde anfassen“, hat sie gelernt. „Sie empfinden das nicht als Zwang“. Und dann werden Langmut und Tapferkeit ja noch mit dem finalen Leckerli belohnt.

Bemerkenswert entspannt verläuft die erkennungsdienstliche Behandlung auch, weil sie nur wenige Sekunden dauert. Lehmberg verwendet als Abdruckmasse ein Alginat, das sonst der Zahnarzt für Gebissabdrücke benutzt. 30 Sekunden, maximal eine Minute benötige die quarkähnliche Substanz zum Aushärten, überdies sei sie absolut unschädlich und lebensmittelecht. „Daran kann der Hund dann auch mal lecken, und das tun sie gern“, sagt die Geschäftsfrau. Noch ein Vorteil: „Das Bild ist ungeheuer detailliert“, selbst feinste Linien und Hautfältchen seien zu sehen.

Eine lange Lebensdauer ist den so gewonnenen Formen freilich nicht beschieden. Daheim in der Werkstatt gießt Lehmberg sie mit Dentalgips aus, lässt ihn 24 Stunden trocknen und zerstört dann die Hülle, um die nun schon fast fertige Plastik zu bergen. Alginatreste entfernen, noch etwas nacharbeiten und lackieren – fertig ist das lebensechte Kunstwerk. Fehlt nur noch das gefällige Drumherum. Und warum nun „Main Hund“? In dem Firmennamen sehen die beiden Gründerinnen einen regionalen Anker. Anfragen hat Sonja Zabolitzki bisher aus rund 35 Kilometern Umkreis notiert. Im Kollegenkreis reicht der Impuls noch weiter: Unlängst habe sich sogar ein Hundefriseur aus Reutlingen für das Konzept interessiert - für den Neustart aus dem Corona-Loch.  zrk

Aus dem schneeweißen Werkstoff entstehen lebensnahe Plastiken.

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