Rapunzel lässt ihr Haar herunter

Alter Trafo-Turm in Rodgau wird zum Blickfang – Rapunzel am Fenster

Ein Blickfang zwischen Karolingerstraße und Rodau ist der Garten der Familie Bergmann, auch wenn die Pflanzen jetzt nicht mehr ganz so üppig blühen wie im Sommer. Rosi Bergmann steckt viel Zeit in die liebevolle Dekoration.
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Ein Blickfang zwischen Karolingerstraße und Rodau ist der Garten der Familie Bergmann, auch wenn die Pflanzen jetzt nicht mehr ganz so üppig blühen wie im Sommer. Rosi Bergmann steckt viel Zeit in die liebevolle Dekoration.

Rapunzel wohnt im Trafohäuschen: In Rodgau ist das Wirklichkeit. Früher führten von dort Stromleitungen in alle Richtungen. Jetzt hängt vom obersten Fenster Rapunzels Zopf herab und wer ganz genau hinsieht, kann hinter dem Fenster auch ihr Gesicht erkennen. Der Trafo-Turm im Stadtteil Nieder-Roden ist ein Beispiel dafür, wie ein überflüssig gewordenes Gebäude einen neuen Sinn bekommen kann

Rodgau - Rosi und Erich Bergmann sind seit zwei Jahren Eigentümer des kleinen Gebäudes. Die Stadt hatte es ihnen zum Kauf angeboten – mitsamt den 30 Quadratmetern drumherum. Das Ehepaar konnte sich so den Wunsch erfüllen, eine zweite Grundstückszufahrt anzulegen. Der Trafo-Turm war nur die Zugabe zu diesem Grundstücksgeschäft. Sein Abriss hätte die Stadt mehr als 17 000 Euro gekostet.

Neues Leben für alten Trafo-Turm in Rodgau

Aber was macht man mit einem alten Trafo-Turm? Da gibt es viele Ideen: Technikmuseum, Kunstgalerie, Kletterturm oder Spielhaus für Kinder. Es soll sogar Leute geben, die so ein Türmchen als Wohnung herrichten. Auf drei mal drei Metern lässt sich aber nicht viel Wohnfläche unterbringen – schließlich muss auch noch eine Treppe hineinpassen.

Halb im Scherz hatte Rosi Bergmann vor mehreren Jahren die Absicht geäußert, im Turm ein kleines Café einzurichten, „Rosis Gartencafé“. Die tatsächliche Nutzung ist unspektakulär: „ein erweitertes Gartenhäuschen, mehr ist es nicht“. Dort bewahrt sie unter anderem die Deko-Gegenstände auf, mit denen sie ihren Garten passend zu den Jahreszeiten schmückt. Außerdem lagern dort Samen und Blumenzwiebeln.

Bei der Renovierung und beim Innenausbau hat Erich Bergmann das meiste selbst gemacht. Dabei kam ihm seine handwerkliche Erfahrung zugute. Als Elektroinstallateur kennt er auch viele andere Tätigkeiten auf dem Bau. Er versetzte die Eingangstür, baute zwei Fenster ein, zimmerte eine Treppe und vieles mehr. Zwei Lampen an den neu verputzten Wänden tauchen den Turm nachts in ein geheimnisvolles Licht.

Von Turm zu Turm: Rapunzel blickt aus ihrem Turmstübchen direkt zur Kirche St. Matthias.

Die Arbeiten am Trafo-Turm beflügelten die Phantasie der Mitbürger. Viele Passanten blieben stehen, erkundigten sich nach dem Baufortschritt – „und jeder hatte eine Idee, was man mit dem Turm machen kann“.

Wie kam es zur Märchenfigur? „Rapunzel am Fenster war eine Idee meiner Schwester“, erzählt Erich Bergmann. Er selbst hatte eine Zeit lang damit geliebäugelt, den Turm zu bemalen. Zumindest eine Sonnenuhr hätte er gern gehabt. Daraus wurde bisher nichts. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Von Ekkehard Wolf

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