Kommunalwahl wird zum Hygiene-Problem - vor allem bei der Auszählung

Rekord an Briefwählern in Rodgau

So locker wie 2011 wird es bei der Auszählung nicht zugehen: Auch Wahlhelfer müssen Abstand halten und Masken tragen. Archivfoto: Wolf
+
So locker wie 2011 wird es bei der Auszählung nicht zugehen: Auch Wahlhelfer müssen Abstand halten und Masken tragen.

Bei der Kommunalwahl am 14. März steuert Rodgau auf einen Rekord an Briefwählern zu. Mehr als 10.000 der rund 33.000 Wahlberechtigten wollen ihre Stimmen per Briefwahl abgeben. Für alle anderen heißt es: Masken, Abstand, Plexiglas und lüften, lüften, lüften. Für die Wahlhelfer ist eine zentrale Frage noch ungeklärt: Wie soll die Auszählung vonstattengehen?

Rodgau - Am Wahlabend werden nur die unkomplizierten Stimmen ausgezählt – also alle Stimmzettel, auf denen ausschließlich eine Liste angekreuzt ist. Die große Arbeit geht am nächsten Morgen los. Dann gilt es, die kumulierten und panaschierten Stimmen im Computer zu erfassen. Allein bei der Wahl der Stadtverordnetenversammlung kann jeder Wähler 45 Kreuzchen machen, bei der Kreistagswahl sogar 87. Knapp die Hälfte der Rodgauer Wähler nutzte vor fünf Jahren diese Möglichkeit.

Vier-Augen-Prinzip bei der Auszählung: Wie soll das mit Abstand gehen?

Vier Personen sitzen in jedem Zählbüro. Eine liest die Nummern der angekreuzten Kandidaten und die Anzahl der Stimmen ab, eine tippt die Daten in den Computer. Neben beiden sitzt jeweils eine weitere Person, die aufpasst, dass kein Fehler passiert. Das Vier-Augen-Prinzip garantiert ein zuverlässiges Ergebnis. In der Pandemie wirft es aber ein hygienisches Problem auf: Wie sollen zwei Mitarbeiter gleichzeitig auf einen Stimmzettel sehen und dabei den notwendigen Abstand halten? Selbst mit Plexiglasscheiben dürfte das schwierig sein.

Auch ohne dieses Problem ist absehbar, dass die Auszählung diesmal länger dauert. Vor fünf Jahren lag das Ergebnis schon am Montagnachmittag vor. Diesmal könnte es durchaus Dienstag werden. „Wir werden viel mehr Zeit brauchen, um Pausen zu machen und zu lüften“, sagt ein leitender Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Rodgau: Nur 14 Wahllokale wegen Infektionsschutz

Schon bei der Auswahl der Wahllokale stand der Infektionsschutz an oberster Stelle. Die Stadt suchte große Räume aus, die sich gut lüften lassen, ohne dass die Wahlhelfer frieren müssen. Plexiglasscheiben und FFP-2-Masken sollen das Ansteckungsrisiko gering halten. Die Stadt stellt Gratis-Masken bereit.

Die Hygienemaßnahmen werden der weiteren Corona-Entwicklung angepasst, wie die Stadtverwaltung ankündigt. Bisher ist unter anderem geplant, die Räume regelmäßig zu lüften sowie Gegenstände und Flächen regelmäßig zu desinfizieren. Wer den bereitliegenden Stift in der Wahlkabine nicht anfassen möchte, kann einen eigenen Stift verwenden.

Rodgaus Bürgermeister ruft zur Briefwahl auf

Noch weniger Ansteckungsrisiko bietet die Briefwahl. Bürgermeister Jürgen Hoffmann ruft die Bürger auf, diese Möglichkeit zu nutzen: „Wir sind jedem dankbar, der das tut. Es ist die hygienischste Lösung.“ Gemeinsam mit mehreren Bürgermeisterkollegen aus der Region hatte Hoffmann angeregt, die Kommunalwahl zu einer reinen Briefwahl zu machen. Die Landesregierung lehnte das jedoch ab.

Die Wahlberechtigten nehmen sich Hoffmanns Aufruf offenbar zu Herzen: Mehr als 10.000 haben bereits einen Wahlschein beantragt. Das geht auch online ganz einfach. Der städtische Fachdienst Wahlen hat alle Personalreserven mobilisiert, um die Briefwahlunterlagen zusammenzustellen und einzutüten. Zum Vergleich: Bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren gab es lediglich 4.800 Briefwähler.

Wegen der Pandemie entfällt die übliche Präsentation der einlaufenden Ergebnisse am Wahlabend auf einer Leinwand im Rathaus. Wer den Fortschritt der Auszählung verfolgen will, kann das auf der städtischen Homepage tun. Die ersten Zahlen sind aber nur begrenzt aussagefähig.

Die 252 Wahlhelfer für den 14. März sind gefunden, die Wahlvorstände besetzt. Das war nicht einfach. Viele langjährige Wahlhelfer stehen wegen der Corona-Pandemie nicht zur Verfügung, weil sie wegen ihres Alters zur Risikogruppe gehören. Als kleinen Anreiz hat der Magistrat die Aufwandsentschädigung auf 60 Euro verdoppelt.

Die meisten Wähler können am 14. März nicht in ihrem gewohnten Wahllokal ihre Stimmen abgeben. Wegen der Pandemie gibt es diesmal nur 14 Wahllokale. Für viele wird der Weg zur Abstimmung dadurch länger. Gemeindewahlleiterin Elfi Ziebold rät: Erst die Wahlberichtigung lesen, dann aus dem Haus gehen.

Von Ekkehard Wolf

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare