Erstrebenswertes Miteinander

ADFC zieht erste Bilanz nach Einführung der Mindestabstandsregelung

Mindestens 1,50 Meter Abstand müssen Autofahrer halten, wenn sie Radler überholen.
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Mindestens 1,50 Meter Abstand müssen Autofahrer halten, wenn sie Radler überholen.

Vier Wochen nach Inkrafttreten des neuen Mindestabstandsgebots beim Überholen von einspurigen Fahrzeugen innerorts von anderthalb Meter und außerorts von zwei Metern lässt sich eine grundsätzliche Verhaltensänderung der Kfz-Fahrenden noch nicht erkennen.

Rodgau – „Der von Radfahrenden erhoffte und durch die Gesetzgebung beabsichtigte Sicherheitsgewinn für sie, bleibt bisher deutlich hinter den Erwartungen zurück“, stellt Hildegard Weidemann fest, Vorstandsmitglied im Rodgauer Ortsverbands des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC).

Auf zahlreichen Rodgauer Straßen, wie Alter Weg in Jügesheim (Bild(, die zu schmal sind, um ein Rad mit 1,5 Meter Abstand zu überholen, besteht jetzt ein Überholverbot, das noch viel zu selten beachtet wird. Auch auf zweispurigen Straßen wie die Nieuwpoorterstraße in Dudenhofen, ist es nicht möglich, ein Rad mit ausreichendem Abstand zu überholen, ohne auf die Gegenspur zu wechseln. Wenn diese durch Gegenverkehr belegt ist, muss das Kfz langsam hinter dem Rad herfahren.

Auch wenn Radschutzstreifen oder Radfahrstreifen den Eindruck einer eigenen Spur erwecken, muss dort ein ausreichender Seitenabstand eingehalten werden. „Radfahrende befinden sich in einer komplexen Problemlage“, erläutert Weidemann. „Einerseits führt das enge Überholen zu gefährlichen Situationen. Andererseits werden die Radfahrenden an den rechten Straßenrand gedrängt. Als Folge fahren viele im Türöffnungsbereich parkender Autos und begeben sich damit in eine weitere Unfallgefahr. Zudem sollten sie den äußerst rechten Fahrbahnbereich vermeiden, um Stürzen aufgrund von Unrat, Unebenheiten, Gullideckeln oder hohen Bordsteinen vorzubeugen.“ Manchmal treten auch Fußgänger unvermittelt auf die Fahrbahn.

Manche Straßen sind dafür zu schmal, wie Hildegard Weidemann demonstriert.

Damit das Radeln auf unseren Straßen nicht weiterhin ein Sicherheitsrisiko darstellt, müsse sich am häufig angespannten Verhältnis der Menschen im Straßenverkehr etwas verändern. „Wir müssen vom Gegen- zu einem Miteinander kommen“, erklärt Weidemann. Dazu sollten Autofahrende auf lieb gewonnene Privilegien verzichten und lernen, dass ihnen der Verkehrsraum nicht mehr, wie bisher angenommen, alleine zur Verfügung steht.

„Es ist anzunehmen, dass die Kenntnis über die neue Abstandsregelung bei vielen Menschen noch nicht wirklich angekommen ist“, so Weidemann. Geplant ist, wenn die Corona-Abstandsregeln es wieder zulassen, einen Austausch dazu mit der Rodgauer Verkehrsbehörde zu suchen.

siw

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