Wohnen

Mieter erheben schwere Vorwürfe: Streit über Pflege von Wohnhaus der Stadt entfacht

Hinter der Fassade hat sich Ärger angestaut: die städtische Wohnanlage Pommernstraße 14 in Weiskirchen.
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Hinter der Fassade hat sich Ärger angestaut: die städtische Wohnanlage Pommernstraße 14 in Weiskirchen.

Riesiger Frust in einem Wohnhaus der Stadt Rodgau (Kreis Offenbach). Reparaturen dauern Monate, Ratten plagen die Bewohner. Nun soll noch der Mietpreis steigen.

Rodgau - Seit dreieinhalb Monaten ist der Aufzug kaputt, einen Hausmeister gibt es schon seit Jahren nicht mehr und im November wird die Miete erhöht: Bei einigen Mietern einer städtischen Wohnanlage in Rodgau hat sich viel Ärger aufgestaut.

Etwa 10. 000 Euro im Jahr kostet die Wartung des Lifts in dem sechsstöckigen Haus Pommernstraße 14 – umso ärgerlicher, wenn er nicht funktioniert. Besonders betroffen ist Marina Maier, deren behinderte Tochter auf den Aufzug angewiesen ist. Sie weiß auch von einem älteren Hausbewohner, der nicht mehr Treppe steigen kann. Er werde von einer Angehörigen versorgt und sei seit Mitte Juni nicht mehr ins Freie gekommen.

Rodgau (Kreis Offenbach): Aushang klingt für Mieter wie Hohn

Der Zettel an der Fahrstuhltür klingt für die Betroffenen wie Hohn: „Wir arbeiten daran – für Ihre Sicherheit und ihren Komfort. Die Anlage ist in Kürze wieder betriebsbereit.“ Der Aufzug ist seit 17. Juni außer Betrieb. Von den angekündigten Arbeiten haben die Bewohner bis vor wenigen Tagen nichts gesehen.

„Die Fachabteilung hatte das Thema permanent auf dem Schirm“, sagt Gregor Eberhard von der städtischen Pressestelle. Zunächst sei nicht klar gewesen, ob eine Reparatur möglich ist oder ob der Aufzug erneuert werden muss. Nun werde zunächst die defekte Tür beim Hersteller instand gesetzt. Erst danach könne man feststellen, ob weitere Arbeiten erforderlich sind.

„In Kürze betriebsbereit“ heißt es seit Juni an einem kaputten Aufzug in einem Wohnhaus der Stadt in Rodgau..

Wohnhaus in Rodgau (Kreis Offenbach): Heizung fällt aus – Skepsis bei Nebenkosten

Seit einem Rettungseinsatz vom 17. Juni ist der Lift außer Betrieb. Damals befreite die Feuerwehr eine Jugendliche, die knapp unterhalb des fünften Stockwerks in der Kabine eingeschlossen war. Der kaputte Aufzug ist nicht das einzige Problem. Seit Anfang 2016 gibt es keinen Hausmeister mehr. Mit jedem Anliegen müssen sich die Bewohner an die Stadtverwaltung wenden. „Für Notfälle gibt es keinen Ansprechpartner“, sagt eine Mieterin, die ihren Namen nicht nennen will.

Sie berichtet unter anderem von einem mehrtägigen Heizungsausfall im Winter und einem Wasserschaden, dessen Reparatur sich über sechs Monate hingezogen habe. Ein anderer Mieter vermutet, dass er seit Jahren zu viel an Nebenkosten zahle. Auch er will nicht in der Zeitung erscheinen. Ein weiterer Vorwurf an die Stadt: „Aber mit Mieterhöhungen sind sie schnell.“

Rodgau (Kreis Offenbach): Stadt wehrt sich gegen Kritik an Mieterhöhung

Das Gebäude wurde 1975 errichtet, ist also 46 Jahre alt. Laut Stadtverwaltung liegt die Kaltmiete zwischen 6,32 und acht Euro pro Quadratmeter. Ab 1. November verlangt die Vermieterin mindestens sieben Euro. Die Mieterhöhung betreffe nur einige der 20 Wohnungen und liege unter dem gesetzlichen Spielraum, sagt die städtische Pressesprecherin Sabine Hooke. Sie bestätigt auch, dass es 2017 eine Korrektur der Nebenkostenabrechnung gab. Der Grund: Bei der Verbrauchsablesung durch eine Fremdfirma waren Fehler passiert.

Ungebetener Gast: Eine Ratte hat sich in einer Biotonne niedergelassen.

Ein ständiges Ärgernis für beide Seiten sind Verschmutzungen im Treppenhaus. „Das war so ein wunderschönes Haus, als wir eingezogen sind, so sauber“, blickt Marina Maier zurück. Heute müsse man sich vor Gästen beinahe schämen. Weil nicht alle Parteien die Kehrwoche gleichermaßen ernst nehmen, hat die Stadt seit November 2018 einen externen Hausmeisterdienst beauftragt, alle zwei Wochen das Treppenhaus zu putzen. Das reicht aber nicht.

Rodgau (Kreis Offenbach): Mieter klagen über Ratten auf Mülltonnenplatz

„Schon wenige Tage nach erfolgter Reinigung ist das Treppenhaus bereits wieder massiv verdreckt“, ermahnte die Stadt am 7. September ihre Mieter. Wenn einmal versehentlich etwas herunterfalle, könne man es doch schnell wegputzen: „So viel Anstand scheinen die Verursacher der Verunreinigung allerdings nicht zu haben und ein derart verdrecktes Umfeld wird offenbar auch nicht als störend empfunden.“

Der letzte Halbsatz stößt ordnungsliebenden Mietern sauer auf. Sie fühlen sich zu Unrecht angegangen. Die Stadt wisse doch genau, wer für Saftpfützen und anderen Schmutz verantwortlich sei, meint eine Mieterin. Der Brief sei nicht als Kollektivschelte gemeint, besänftigt Stadt-Sprecherin Sabine Hooke: „Wenn uns ein Verursacher benannt wird, erfolgt eine direkte Kontaktaufnahme.“ Dann müssten Zeugen der Verschmutzung aber auch mit ihrem Namen dazu stehen.

Eingezäunter Mülltonnenplatz an einem Wohnhaus der Stadt in Rodgau: laut Zettel am Tor ein „Bereich der vorbildlichen Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit und Disziplin“.

Auch auf dem Mülltonnenplatz der Wohnanlage gab es ein unangenehmes Problem: Ratten. Eines der Tiere hatte sogar ein Loch in die Wand einer Biotonne genagt, um an Nahrung zu kommen. Die Stadt beauftragte mehrmals eine Fachfirma zur Schädlingsbekämpfung. Sabine Hooke: „Die Bekämpfung konnte im Juli 2020 abgeschlossen werden.“ (Ekkehard Wolf)

Nach einem Brand im Mai 2021 sind die Wohnungen in einem Hochhaus in Rodgau unbewohnbar.

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