Rodgau

Beratungszentrum ist eine wichtige Anlaufstelle bei Erziehungsfragen oder Schulden

Sybille Schilling zeigt die Holzfiguren, mit denen sie arbeitet.
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Sybille Schilling ist überzeugt, dass die Aufstellungs- und Spielearbeit mit Holzfiguren den Beteiligten oft hilft, klarer zu sehen, was im Miteinander schief läuft.

Als Sybille Schilling im Jahr 2015 die Leitung des Beratungszentrums (BZ) Ost übernahm, brachte sie neben jahrelanger Erfahrung in der Beratung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien auch ihren gut bestückten Methodenkoffer mit. Eine Methode ist ihr besonders ans Herz gewachsen: die sogenannte „Teilearbeit mit Holzfiguren“.

Nieder-Roden – „Ich habe diese Methode bei Alfons Aichinger gelernt und bin davon begeistert“, sagt Schilling. Die Begeisterung war ansteckend: Seit dem Jahr 2016 haben sich weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihres Teams in der Erziehungsberatung in dieser Methode erfolgreich ausbilden lassen. Besonders beliebt und zielführend sei die „Teilearbeit“ mit Kindern, aber auch Jugendliche und Erwachsene könnten in der Beratung davon profitieren, glaubt die Beraterin.

Die Methode hilft dabei, problematische Situationen mithilfe der Figuren plastisch und greifbar darstellen zu können. Dies eröffnet neue und andere Perspektiven auf alltägliche Probleme. In der Trennungs- und Scheidungsberatung können Eltern beispielsweise auf spielerische Weise den Blick der Kinder einnehmen, den die Jungen und Mädchen durch die Aufstellung der Figuren ausdrücken. Kinder stellen mit Hilfe der Tierfiguren ihre Gefühle und Bedürfnisse dar, ohne befürchten zu müssen, dadurch ein Elternteil zu verletzen.

Sie wählen beispielsweise eine Tierfigur stellvertretend für sich selbst: „Welches Tier wärst du, wenn du ein Tier wärst?“, lautet meist die einleitende Frage der Beraterin. Auch die Eltern und andere wichtige Personen im Leben des Kindes können vom Kind als Tiere dargestellt und in das Spiel einbezogen werden.

An einem Beispiel ist dies sehr schön erkennbar. Dort hat das Kind für sich den Hasen gewählt, für die Mutter den großen Hund, für den Vater den Löwen. Im Vordergrund sieht man die Anordnung nach der Intervention durch die Beraterin: Neben der Hasenfigur stehen nun beide Elternanteile – visualisiert durch eine junge Hündin und einen jungen Löwen. Dies verdeutlicht besser als viele Worte, dass das Kind auch nach der Trennung der Eltern für immer beide Anteile an seiner Seite hat. Dieses Bild können Kind und Eltern „als stärkende Ressource“ für ihre Beziehung mitnehmen.

Schilling berichtet: „Kinder werden in unserer Erziehungsberatung auch vorgestellt, weil sie durch ein bestimmtes Verhalten im Kindergarten oder in der Schule auffallen. Dann fragen wir beispielsweise: Wenn deine Wut zum Vorschein kommt, was ist das dann für ein Tier?“

Viele Kinder wählen den Drachen als Tier für ihre Wut. Schilling: „Wenn der Drache da steht, für die Wut und den Ärger, kann man mit dem Kind schauen: Wann erscheint der Drache? Was besänftigt ihn? Was ist seine gute Funktion? Er kann zum Beispiel beschützen, Respekt verschaffen und so weiter. Es ist wichtig, diese positiven Eigenschaften, für die der Drache auch steht, zu würdigen. So kann der Drache mit all seinen Persönlichkeitsfacetten integriert und seine wichtigen Botschaften können gehört werden.“

Es soll in dieser Arbeit nicht darum gehen, aggressive Gefühle und störendes Verhalten des Kindes einfach abzustellen. Sondern vielmehr darum, das auffällige Verhalten als für das Kind funktionell und wichtig wahrzunehmen. Die Rückmeldungen an die Eltern können ihnen die Augen dafür öffnen, wie es ihrem Kind geht und was es braucht.

Auch Jugendliche könne man durch die Aufstellungsarbeit mit den Figuren erreichen, meint Schilling. Erwachsenen, Eltern, Paaren und Einzelpersonen hilft es, Gefühle und innere Persönlichkeitsanteile als Tier darzustellen. Auch die Beziehung zueinander lasse sich mit den Figuren gut aufzeigen: „Wie stehen wir zueinander? Schauen wir in die gleiche oder in verschiedene Richtungen?“

Solche Fragen helfen, die Beziehung im wahrsten Sinne des Wortes, klarer zu sehen. Aufstellungen können sehr viel eindrücklicher die eigene Situation und Innenwelt darstellen als Beschreibungen. Ratsuchende berichten, dass sie durch die Aufstellungsarbeit oft sehr viel besser sehen und verstehen können, was im Miteinander schief läuft. Diese positiven Erfahrungen mit der Methode motivieren die Berater, die Holzfiguren weiterhin einzusetzen. (Von Simone Weil)

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