Pandemiebeauftragte in Sportvereinen haben viel zu tun

Rodgau: Gutes Konzept reicht nicht

Transparente Kabinen in der Sporthalle – innovativer Coronaschutz beim JSK am Jügesheimer Ostring. In der Gruppe links die Hygienebeauftragte Angelika Stark, Zweiter von rechts Vereinschef Lothar Mark.
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Transparente Kabinen in der Sporthalle – innovativer Coronaschutz beim JSK am Jügesheimer Ostring. In der Gruppe links die Hygienebeauftragte Angelika Stark, Zweiter von rechts Vereinschef Lothar Mark.

Es hätte das Jahr des JSK werden können. Rodgauer Einzelsportler und Mannschaften fuhren in den ersten Wochen exzellente Ergebnisse ein, viele belegten Aufstiegsplätze. Die Mitgliederzahl wuchs so stark, dass der Vorstand einen Aufnahmestopp für Familien mit Kleinkindern verhängte. „Dann kam Corona und die Lichter gingen aus“, sagt Sportvorstand Angelika Stark. Seither hat die Pandemie Rodgaus größten Verein und seine Hygienebeauftragte fest im Griff.

Rodgau – Den Job als ehrenamtliche Covid-Krisenmanagerin hätte Angelika Stark nicht gebraucht, um vollauf beschäftigt zu sein. Seit 44 Jahren im Verein und seit zehn Jahren im Vorstand, ist sie in allen sportlichen Belangen Ansprechpartnerin für über 3000 Mitglieder, darunter 1400 Kinder und Jugendliche. In 20 Abteilungen beschäftigt der JSK 150 Trainer und Übungsleiter. Sie alle einzugleisen in ein vorschriftsmäßiges Hygienekonzept, hat die Beauftragte als Herausforderung erlebt – umso mehr, als ohne Einbahnwege, Maskenpflicht, Desinfektion und Lüftungsregeln keinerlei Hallensport möglich sei.

Die Tennisspieler waren zwar erst seit einigen Wochen in der Halle wieder aktiv, für Miriam Seib war die Aufrechterhaltung des Spiel- und Trainingsbetriebs bei der Tennis-Spielgemeinschaft (TSG) Rodgau nach dem Neustart im Mai trotzdem Tagesgeschäft. Auch sie ist bei ihrem Verein, der Anfang des Jahres aus den Tennisclubs Rodgau-Dudenhofen (TCR), Blau-Weiß Dudenhofen und der früheren TSG hervorging, für den Sportbetrieb verantwortlich und offizielle Pandemie-Beauftragte. Kontaktlos, mit Abstand und draußen gespielt, habe Tennis im Sommer gegenüber anderen Sportarten viele Vorteile, räumt sie ein.

So gab es laut Seib in der warmen Jahreszeit auch kaum Akzeptanzprobleme für ihr Hygiene-Konzept, das vor allem „neben dem Platz“ griff: Online-Reservierung vermeide Wartezeiten auf der Anlage und dokumentiere gleichzeitig die Anwesenheit, dazu Desinfektionsmittelspender, Personen-Obergrenzen in Umkleideräumen und Verzicht auf den obligatorischen Handshake nach dem Match. In der Tennishalle in Dudenhofen, wo neben den Mitgliedern auch Gäste den Schläger schwingen, hat die Beauftragte deutlich mehr zu tun: Nicht jeder sehe die Notwenigkeit von Einbahnwegen, Abstand, Personen-Limit und Zuschauerverbot, berichtet Seib. Immer wieder müsse sie Spieler ansprechen, bisher aber hätten sich alle Probleme – auch solche mit Datenschutzängsten bei der Online-Buchung – „spätestens im persönlichen Gespräch“ beheben lassen.

Und jetzt ist wieder alles anders: Die Halle ist geöffnet. „Es sieht so aus, als könnte gespielt werden“, sagt Seib. Zwei Personen dürfen spielen oder einer mit Trainer, vier Personen auf den 1400 Quadratmetern. Seib hat beim Konzept nachgebessert und lässt bei Kindern keine Begleitperson hinter die Eingangstür.

Kooperativ und vielfach engagiert ziehen laut Angelika Stark die meisten JSK-Sportler mit. Bei den Übungsleitern habe sich der anfangs beträchtliche zusätzliche Zeitaufwand für den Coronaschutz inzwischen bei zehn Prozent eingependelt. Der entscheidende Impuls, die „Schockstarre“ offensiv zu überwinden, kam nach ihren Worten von Lothar Mark: „Wir müssen jetzt Gas geben und den Menschen eine Stütze sein“, zitiert sie den Vorsitzenden. „Wenn wir jetzt den Kopf in den Sand stecken, werden wir unserem Auftrag nicht gerecht“.

Durchgestartet ist der zweitgrößte Verein im Sportkreis Offenbach nicht zuletzt mit Innovation: Beispiellos ist nach Informationen von Mark die Aufteilung der JSK-Sporthalle am Jügesheimer Ostring in Kabinen. Die transparenten Trennwände hat laut Angelika Stark ein Werbeunternehmen in Weiskirchen geliefert, aufgebaut wurden sie von einem JSK-Team um Bauleiter Wolfgang Fisch. Den Erfolg nennt der Vorsitzende durchschlagend: „Die Leute haben Spaß daran und fühlen sich sicher“.

Derlei Investitionen gerade bei wegbrechenden Einnahmen zu stemmen, war nach Worten der Beauftragten keine leichte Entscheidung. Der Vorstand rechne mit rund 60 000 Euro Verlust in diesem Jahr. Mut gemacht habe der Erfolg eines Spendenaufrufs, der 15 000 Euro erbracht habe. Eine bereits beschlossene Beitragserhöhung werde ohne Proteste akzeptiert. „Dieses Jahr wird der JSK sehr gut überstehen“, meint Stark. Die großen Ausfälle, etwa wegen der abgesagten Fastnacht, drohten erst nächstes Jahr, was nicht nur der Schatzmeister mit Sorge sehe: Ein großer Verein müsse auch Spaß und Geselligkeit bieten. Wie alternative Veranstaltungsformate aussehen könnten, habe die Kabarett-Truppe „En Haufe Leut“ im Sommer gezeigt.

Auf die Mitgliederentwicklung schlägt Corona in beiden Vereinen bislang nicht negativ durch. Miriam Seib beobachtet auf den Tennisplätzen wie in der Halle sogar einen leichten Zuwachs – wohl wegen der Vorteile, die die Einzelsportart gegenüber anderen Freizeitoptionen biete. Beim JSK ist die Mitgliederzahl laut Angelika Stark stabil, beim Gesundheitssport gab es mit derzeit 600 Teilnehmern in 30 Kursen sogar einen Boom.

Der neuerlichen Verschärfung der Corona-Lage steht sie mit Sorge gegenüber. In der Geschäftsstelle klingelten gestern die Telefone, es gab viele Anfragen zum Rehasport und Bedauern auf beiden Seiten, weil der nun ausfalle. „Wir geben Tipps, um Zuhaus weitermachen zu können“, sagt die Pandemie-Beauftragte. Außerdem solle das Online-Sportangebot erweitert werden. Doch Gedanken macht sich Angelika Stark hauptsächlich wegen der über 70-Jährigen, die damit schlecht zu erreichen seien. (zrk)

Über die Corona-Disziplin in der Dudenhöfer Tennishalle wacht Miriam Seib, Pandemiebeauftragte der TSG Rodgau.

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