Ein bisschen Stroh passt immer rein

Bissig-gescheiter Witz beim Kabarettprogramm „Ohne Hern is mer bleed“

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Klima- und Insektenschutz waren ebenfalls ein Thema. Fotos:

„Haben sie sich schon mal mit ihrem Gehirn beschäftigt?“ Der Kabarettabend mit „En Haufe Leut“ in der Aula der Georg-Büchner-Schule lohnt den Einsatz der 1,4 Kilogramm schweren Masse beim Mann.

Rodgau – Gut, bei der Frau sind’s 100 Gramm weniger, aber „es kommt nicht auf die Größe an!“, lernt das Publikum vom aktuellen Programm der Truppe des Jügesheimer Sport- und Kulturvereins „Ohne Hern is mer bleed“. Allein die Moderation von Claudia Wenhardt ist ein Kunstgenuss und von gescheitem Unterhaltungswert.

„Eben wusst’ ich’s noch!“ Es ist schon ein Kreuz mit dem Ultrakurzzeitgedächtnis, es kommt über zwei Sekunden Erinnerung nicht hinaus. Die Kurzzeit-Variante reicht von 15 Sekunden bis 20 Minuten, lehrt die wortgewandte Frau im Scheinwerferlicht. „Gehirn ist nicht wie Seife, wird nicht weniger, wenn man es benutzt!“, erfahren die Zuhörer. Doch „das Langzeitgedächtnis ist ein echtes Schwein“, klagt die beste Ehefrau: Die Handynummer ihres Mannes kann sie sich nicht merken. Aber dass er ihr zum sechsten Hochzeitstag keine Blumen mitgebracht hat, „das weiß ich noch ganz genau“.

Bedenkt man, dass die Funktionsweise des Nervensystems der des Darms ähnele, wundert man sich bei vielen Leuten nicht mehr, schüttelt Leiterin Wenhardt den Kopf über Präsidenten, die mal eben Grönland kaufen wollen oder den Regenwald abbrennen lassen. Moral: „Ist das Hirn auch noch so klein, ein bisschen Stroh passt immer rein.“ Oder, „Hirnlosigkeit ist immer nur für die anderen schlimm.“

Ein gutes Rezept gegen solche Ausfallerscheinungen liefert Harald Mahr, seit Valentinstag „staatlich geprüfter Neurentner“. So einer hat freilich einen vollen Terminkalender, Fitness trainieren, Boule spielen, schwimmen gehen, Gesangs- und Fastnachtsverein, zählt er auf. Allein ein „einfaches Beispiel“ zur Berechnung der Rente kann er im Dschungel aus Fachbegriffen und Kaugummi-Sätzen nicht finden. Erkenntnis: „Lieber gesund und reich als arm und krank“, bestätigt die Statistik.

Für die sozialen Bienenvölker und gegen die gefährliche Plastikflut kämpfen Tanja Rossbach, Elena Smoydzin und Texterin Katja Schweppe in Kostümen der Pollensammler. Da erfährt der unbedarfte Gast, dass die Landwirtschaftsministerin lautstark gegen Gift auf Feldern wettert, aber eben erst 18 neue Mittel zugelassen hat. „Greta Thunberg“ alias Carlotta Kawecki wäre mit ihrem „Skolstrejk“ an „Fridays for future“ kaum beachtet worden, würde sie samstags demonstrieren.

„Ich kann nächste Woche nicht dabei sein“, summt eine der Bienen, „ich fliege in die Karibik!“. Gretas Kritik klingt ernst: „Ihr stehlt den Kindern die Zukunft. Ich will, dass ihr Angst spürt und handelt, als würde euer Haus brennen, denn das tut es.“ Der gerade 13 Jahre alte Laurens Tauber verpackt das gemeinsame Haus Rodgau in Noten und Zahlen. In bester Kabarettisten-Manier begleitet er sich selbst an den Tasten und rechnet vor.

Selbstbewusst und sicher addiert und multipliziert das Talent Ortsteile, Fläche, Partnerstädte, Kindergärten, Schulen, Altenheime, Friedhöfe, Kirchen, Kinos, Vereine und Bahnhöfe mit 45.000 Einwohnern. Ergibt 75 000 Wimpel, die seine Mutter braucht, um eine Fähnchenkette von Rollwald nach Weiskirchen zu spannen. Die versperrt dem Bub schon den Zugang zu Zimmer und Keller …

Neurentner Harald Mahr.

„Langeweile ist das größte Geschenk fürs Gehirn“, vernimmt das aufmerksame Auditorium von Peter Otto. Er klagt, dass er in seiner freien Zeit keine Freizeit mehr habe. Er muss schließlich shoppen, kompostieren, Rasen mähen, Bundesliga gucken, ins Kino gehen und einen Absacker heben. Und soll noch acht Stunden schlafen! „Da ist man doch froh, wenn man sich nach dem Wochenende bei der Arbeit erholen kann“, seufzt er.

„Warum knallen wir die Freizeit mit Terminen so voll, als wären wir auf der Flucht?“ So was kann Depressionen erzeugen! Aber man könnte ja was verpassen, mahnt er die Rentner, die mehr zu tun haben als vorher. Dabei kommen Männer mit dem Nichtstun besser zurecht als Frauen. Sie dürfen jedoch nie „nix“ antworten, wenn sie gefragt werden, woran sie gerade denken. Besser: „An dich, mein Schatz!“

Nach der Pause regen noch Stefan Schmidt, Sven Johann Stripling und Leonie Löw, Nobi Goergen und Marcel Rupp zum Nachdenken an. Oder einfach zum Amüsieren. Wer das verpasst hat, bekommt die zweite Chance: am kommenden Samstag, 31. August, um 20 Uhr in der Büchner-Schule.(m)

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