Was in anderen Ländern zum Silvesterabend gehört

Silvester in der Corona-Pandemie: Rodgau guckt sich etwas ab

Ein Bündel Feuerwerksraketen.
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Vielleicht helfen Bräuche aus anderen Ländern, auch ohne Feuerwerk an Silvester Spaß zu haben.

Das Neue Jahr dürften in Rodgau und anderswo im Kreis Offenbach diesmal die meisten sehnlichst erwarten. Gefeiert werden kann es aber ganz unterschiedlich.

Rodgau - Gibt es typische Speisen oder Spiele, die in anderen Ländern traditionell zu Silvester gehören? Können wir uns irgendetwas bei anderen Kulturen abschauen und ausprobieren, weil in diesem Jahr unser klassisches Feuerwerk gestrichen ist? Wie die anderen feiern, wollten wir von Rodgauer Bürgern mit ausländischen Wurzeln wissen. Bleigießen, Horoskope lesen oder eine große Party geben? Die Traditionen sind zum Teil recht unterschiedlich.

Arslan, Vorsitzender des Ausländerbeirats, erinnert sich an seine Kindheit im kleinen Dorf in der Osttürkei. „Die jungen Leute haben sich zusammengetan und zusammengesessen. Bei uns wurden häufig Rollenspiele gespielt.“ Darüber hinaus werde zu Silvester eine Art Rosinenkuchen gebacken, in dem ein Geldstück versteckt ist. Wer das gefunden habe, dem sei viel Glück fürs neue Jahr versprochen worden.

Trommelwirbel an Silvester in der Türkei: Wer zieht das große Los

Ausländerbeirats-Kollegin Jasemin Sevin – ebenfalls aus der Türkei – ergänzt: Bis vor etwa 20 Jahren hätten Familien zusammen ein gutes Essen genossen, Bingo gespielt, Kastanien gekocht und auf die Ziehung der staatlichen Lotterie gewartet. Etwa seit der Jahrtausendwende habe es sich durchgesetzt, dass insbesondere junge Leute Freiluftkonzerte besuchen, Partys auf den Plätzen der großen Städte feiern und sich das Feuerwerk ansehen würden. Jasemin Sevin: „Wichtig ist, dass wir die letzten Sekunden herunterzählen und das neue Jahr mit Begeisterung begrüßen. Wir lassen das alte Jahr hinter uns und das neue mit allen Hoffnungen herein.“

Der aus Indien stammende Pater John Peter erzählt von seinem Heimatland: In dem weitgehend katholischen Dorf, in dem er aufgewachsen ist, gehört der Gang zum Gottesdienst um 23.30 Uhr an Silvester zur Tradition. Genau um 24 Uhr komme es zur Verwandlung: „Das neue Jahr beginnt mit dem Leib Christi“, erzählt er.

Silvester in Indien: Sportliche Wettkämpfe statt Feuerwerk

Doch bereits der relativ weite Weg zur Kirche sei von einem Ritual geprägt: Jeder Vater trägt eine Laterne und die anderen folgen ihm. Das sei durchaus doppeldeutig. „Es geht darum, mit dem Licht nach Hause zu kommen, aber auch den Weg zu finden.“

Nach dem Gottesdienst wird keineswegs geschlafen, sondern gefeiert. Die Männer schlachten eine Ziege, es gibt sportliche Wettkämpfe. Die Sieger bekommen Geschenke, die sie an Neujahr am Christbaum in der Kirche finden. „Das ganze Dorf ist unterwegs, es ist sehr familiär und lebendig.“

Dichterin erinnert sich: Geschenke an Silvester statt Weihnachten

Dana Tobaji, ist vor dem Krieg aus Syrien geflüchtet. Sie erzählt, dass sich in ihrer Heimat Familien und Freunde treffen. „Es gibt Partys und Konzerte und es wird getanzt“, sagt sie. Wer sich privat trifft, macht meistens ein Buffet, zu dem alle etwas beisteuern. „Jeder bringt eine Kleinigkeit mit, es gibt meistens Fingerfood“, erzählt Dana Tobaji. Häufig vertreibt man sich mit Kartenspielen, Shisha-Rauchen, aber auch mit Horoskopen und den Deutungen von Astrologen die Zeit.

Die Hobby-Dichterin Ljubica Perkman aus Bosnien-Herzegowina erinnert sich, dass in ihrer Heimat Silvester immer groß und auch sehr festlich gefeiert wurde. „Bekannte kamen und Verwandte, man hat sich unterhalten und gesungen“, erzählt sie. Es habe Spanferkel am Spieß und Kartoffel- und Krautsalat gegeben sowie Wein und Sliwowitz. Geschenke wurden an Silvester ausgetauscht und nicht an Weihnachten. (Simone Weil)

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