Landwirt Jürgen Klein testet seit zehn Jahren Saatgut

Rodgauer Maisfeld als Versuchslabor

Jürgen Klein (links) und Bayer-Vertriebsberater Albert Grein am Versuchsfeld an der Landesstraße. Aussaat war am 24. April, Ernte wird im November sein. Die Schilder dokumentieren die verschiedenen Saatgutsorten.
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Jürgen Klein (links) und Bayer-Vertriebsberater Albert Grein am Versuchsfeld an der Landesstraße. Aussaat war am 24. April, Ernte wird im November sein. Die Schilder dokumentieren die verschiedenen Saatgutsorten.

Landwirtschaft ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb geht Bauer Jürgen Klein aus Weiskirchen die Sache auch akribisch an. Seit zehn Jahren macht er auf seinem Feld zwischen Rodgau und Seligenstadt jedes Jahr einen Maisversuch mit verschiedenem Saatgut der Bayer-Tochterfirma Dekalb. Aktuell testet er 14 Sorten Silo- und Körnermais. Die Zusatzarbeit lohnt sich. Klein hat inzwischen die perfekte Maissorte für diesen Standort und Boden gefunden.

Rodgau - Ackerland in Rodgau hat es in sich. Es ist meist sandig und trocken. Auch an Mais stellt das höchste Anforderungen. Die Pflanzen müssen mit wenig Wasser auskommen. Dazu sollten sie in der Lage sein, möglichst schnell und viel Wurzelmasse zu bilden, um die Nährstoffe und das wenige Wasser schon in einem frühen Wachstumsstadium gut aufnehmen zu können. Um solche Probleme zu lösen, optimieren Saatgutproduzenten wie Bayer ihre Ware fortwährend und bieten Tests an. Bundesweit nehmen Hunderte Landwirte an Saatgutversuchen mit Dekalb-Produkten teil. Das geschieht im eigenen Interesse. Denn die Landwirtschaft ist wegen immer schärferer Auflagen gezwungen, mit immer weniger Pflanzenschutzmitteln und Dünger auszukommen.

Mit dem Dünger kommt Nitrat in den Boden – und gefährdet das Grundwasser. Deshalb beschränken Düngemittelverordnungen den Nitrateintrag immer mehr. Für die Pflanzen ist das problematisch. Sie müssen mit weniger Turbo-Nährstoffen auskommen. Dazu noch der Klimawandel. Und trotzdem sollen Preis und Ertrag stimmen. Die Saatguttests dienen dazu, Lösungen zu finden.

Klein erläutert: „Früher war es üblich, 200 Kilogramm Nitratsticksoffdünger auf einen Hektar Land auszubringen. Heute müssen wir mit 60 bis 80 Kilo stabilisiertem Dünger auskommen, der bei Regen nicht so leicht ausgewaschen wird.“ Kleins Versuchsfeld an der Landesstraße zwischen Rodgau und Seligenstadt mit den 14 Reihen unterschiedlichen Maises ist mit 70 Kilo pro Hektar gedüngt worden. Und die Pflanzen 1a da.

Die richtige Maissorte für einen bestimmten Standort zu finden, ist Detektivarbeit. Sind die Blätter breit genug zur Beschattung der Pflanze und der Aufnahme von morgendlichem Tau? Stehen die Blätter steil genug, damit noch ausreichend Sonnenlicht auf die Pflanze fällt, das sie so dringend braucht? Was ist der optimale Abstand zwischen den Pflanzreihen? Wie viele Körner Saatgut pro Quadratmeter muss ich säen, um ordentlich ernten zu können? Wie kommt die Pflanze mit Schädlingen und Wind zurecht? Das sind Fragen und Anforderungen, denen sich das Saatgut stellen muss.

Im Moment feilt Klein noch an seiner Aussaat- und Düngetechnik. Auch nach zehn Test-Jahren ist die Optimierungsphase für ihn also noch nicht vorbei.

Von Bernhard Pelka

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