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Revolutionäre Idee: Gibt es bald Pfand auf Döner und Schnitzel to go?

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Von: Ekkehard Wolf

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Einmal benutzt und dann in den Müll? Gaststätten, Lieferdienste und Metzger-Imbiss müssen ihre Speisen und Getränke ab Anfang 2023 auch in Mehrwegbehältern anbieten, um die Berge an Plastikmüll zu verkleinern.
Einmal benutzt und dann in den Müll? Gaststätten, Lieferdienste und Metzger-Imbiss müssen ihre Speisen und Getränke ab Anfang 2023 auch in Mehrwegbehältern anbieten, um die Berge an Plastikmüll zu verkleinern. © Robert Günther/dpa-tmn

Für die Außer-Haus-Gastronomie in Rodgau ist ein einheitliches Mehrwegsystem im Gespräch. Die Stadt legt derzeit die Grundlagen.

Rodgau – Für die Außer-Haus-Gastronomie in Rodgau gibt es möglicherweise in Zukunft ein einheitliches Mehrwegsystem. Die städtische Wirtschaftsförderung ist gerade dabei, die Grundlagen zu ermitteln. „Wir haben die Zeit vor dem Jahreswechsel dazu genutzt, uns mit einzelnen Gastronomen über dieses Thema zu unterhalten“, sagt Wirtschaftsförderer Bernhard Schanze. „Es nützt nichts, wenn sich die Stadt ein tolles System ausdenkt, das in der Branche keinen Rückhalt findet.“

Als Nächstes wolle er mit einem größeren Kreis an Anbietern ins Gespräch kommen, so Schanze weiter: „Es geht ja auch um Bäcker und Metzger, die tagesgastronomische Angebote machen.“

Rdogau (Kreis Offenbach): Idee von Mehrwegverpackungen ist Vorgriff auf Gesetzesänderung

Anlass für diese Überlegungen ist ein Beschluss des Stadtparlaments vom Juli 2021. Demnach soll der Magistrat prüfen, wie Gewerbetreibende und Gastronomie bei der Umstellung von Einweg- auf Mehrwegverpackungen unterstützt werden können. Nach der jüngsten Änderung des Verpackungsgesetzes müssen Anbieter von Speisen und Getränken ihren Kunden ab 2023 auch Mehrwegbehälter anbieten. Damit die Kunden frei auswählen können, darf es keinen Preisunterschied geben.

In Dieburg gibt es bereits wiederverwendbare Verpackungen. Dahinter steht der örtliche Gewerbeverein. Die Kunden bezahlen ein Pfand von drei Euro (Becher) oder fünf Euro (Behälter für Speisen). Den benutzten Behälter gibt man einfach bei der nächsten Bestellung zurück.

Rodgau (Kreis Offenbach): Behälter aus Dieburg als Vorbild – mindestens 200 Mal nutzbar

Die Dieburger Behälter stammen aus dem Odenwald. Nach Angaben des Herstellers Koziol (Erbach) sind sie mindestens 200 Mal nutzbar. Bereits nach der zehnten Nutzung sei die Klimabilanz besser als bei Einwegpackungen, schreibt die Stadt Dieburg auf ihrer Internetseite.

„So etwas könnte auch für Rodgau interessant sein“, meint Bernhard Schanze. Das Team der Wirtschaftsförderung hat sich bereits mit vielen Detailfragen beschäftigt. So müssen Form, Formate und Material für unterschiedliche Speisen geeignet sein: von der Suppe über den Hamburger bis zum Schnitzel mit Beilagen. Ein zentraler Gesichtspunkt ist die Hygiene. Schanze: „Es kann nur so sein, dass jeder Anbieter die zurückgegebenen Gefäße fachgerecht reinigt.“ Zudem soll der logistische Aufwand möglichst gering sein.

Rodgau: Akzeptanz der Gastronomie entscheidend für Umsetzung von Mehrwegsystem

„Entscheidend wird sein, wie stark die Akzeptanz der Gastronomie und der Kunden ist“, betont der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung. Man könne auch mit wenigen Betrieben starten und Erfahrungen sammeln.

Am besten für die Kunden wäre ein einheitliches Mehrwegsystem, an dem sich alle Gaststätten, Lieferdienste und Imbissbetriebe beteiligen. „Das wäre eine sinnvolle Sache“, sagt Christina Zimmermann von der Metzgerei Hiller (Jügesheim). Mit einer anderen Form der Mehrwegbehälter hat die Metzgerei bereits einige Jahre Erfahrung: Kunden konnten ihr Mittagessen in mitgebrachte Gefäße füllen lassen. „Vor Corona haben wir das oft gemacht“, sagt Christina Zimmermann. Während der Pandemie sei das aber aus hygienischen Gründen schwierig.

Rdogau: Auch Cocktails werden immer öfter in Mehrwegbehältern verkauft

Auch Jürgen Herr vom Bistro Journal (Jügesheim) ist für eine Gemeinschaftslösung. Wichtig sei, dass möglichst viele Betriebe mitmachen, damit die Kunden die leeren Gebinde an vielen Stellen zurückgeben können. Für die häufigsten fünf Gerichte müsse es geeignete Behälter geben: Schnitzel, Salat, Hamburger, Döner und Pizza. Dazu: Becher für kalte und für heiße Getränke. Gute Erfahrungen habe das „Journal“ mit Außer-Haus-Cocktails gesammelt: „Mindestens die Hälfte der Kunden bestellen ihre Cocktails in Mehrwegbehältern. Dafür haben wir spezielle Plastikbecher mit Deckel. Die werden bei uns desinfiziert und gereinigt.“

Bei Pfandverpackungen wäre auch eine Lösung für den ganzen Kreis Offenbach denkbar. Aber ob das möglich ist? Bernhard Schanze gibt zu bedenken, dass die Vorbereitungen zügig vorangehen müssen: „Wir haben nur noch ein Jahr Zeit.“ (Ekkehard Wolf)

Nach mehr als 300 Jahren schließt in Rodgau (Kreis Offenbach) eine Traditionsgaststätte.

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