Bunte Steine bringen Freude

Drei kreative Aktionen erfreuen Spaziergänger in der Stadt und im Wald

Zuversicht und gute Laune verbreiten die bunten Kieselsteine am Wegrand im Lutherpark.
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Zuversicht und gute Laune verbreiten die bunten Kieselsteine am Wegrand im Lutherpark.

Beim Spaziergang kann man sie entdecken: Am Wegrand liegen bemalte Kieselsteine und im Wald findet man aus Holz geschnitzte Gesichter. Die kleinen Kunstwerke zaubern den Betrachtern ein Lächeln ins Gesicht. Einige Exemplare regen auch zum Nachdenken an.

Rodgau – Die Corona-Krise setzt Fantasie frei. Das zeigt sich auch bei der Kunst am Wegrand. Mindestens drei Aktionen laufen gleichzeitig. Dahinter stehen unterschiedliche Akteure: eine Facebook-Gruppe mit mehr als 1400 Mitgliedern, vier junge Erwachsene und ein Einzelkünstler.

Gude Steine

Die Aktion „Gude Steine Rodgau“ organisiert sich über die Internetplattform Facebook. Vor mehreren Wochen entstand dort die Idee, Steine zu bemalen und in der Öffentlichkeit auszulegen, um gute Laune zu verbreiten. „Das Schöne in der Gruppe ist, dass jeder mitmachen kann und alle Kunstwerke von den anderen gewürdigt werden“, schreibt Patricia Ostmann, die sich dieser Gruppe angeschlossen hat: „Es malen von Kindern bis Erwachsene, alle, die Spaß haben. Jeder Stein ist etwas Besonderes.“

Die Idee zieht Kreise. Das kann man im Lutherpark in Dudenhofen beobachten. An der Einhardstraße beginnt eine lange Reihe bemalter Steine, die seit Tagen ständig ergänzt wird. Das Ziel sind 1000 Steine. Am Ostermontag wurde bereits die Zahl 750 überschritten.

In einer Zeit der notwendigen Distanz will die Aktion den Zusammenhalt der Menschen in Rodgau stärken. „Das Malen hilft einem auch, wenn man allein daheim ist“, erzählt eine Frau, die bereits rund 40 bunte Steine beigesteuert hat.

Die Exponate sind so einzigartig wie die Menschen, die sie bemalt haben. Ein Punktmuster von Kinderhand liegt neben einem Motiv, das an Hundertwasser erinnert. Eine ganze Serie an Steinen zeigt eine Ameisenfamilie. An die Herr-der-Ringe-Filme erinnert der Gnom Gollum mit einer Rolle Klopapier in der Hand.

Auf manchen Steinen stehen aufmunternde Sprüche wie „Mut tut gut“ oder „Engel kann man nicht sehen, aber man kann ihnen begegnen“. Ein Künstler hat einen winzigen Grasfrosch auf seinen Stein modelliert. Der Text dazu passt zu den aktuellen Corona-Regeln: „Bleib‘ allein wie der Frosch auf dem Stein.“

Die Veganer

Mit freundlichen Textbotschaften zum Thema Tierschutz wollen vier junge Rodgauer ihre Mitbürger zum Nachdenken anregen. Mehr als 100 Steine mit Sprüchen und Zeichnungen haben sie bereits ausgelegt: am Feldrand, neben einer Laterne oder neben einem Baum – überall dort, wo Menschen spazieren gehen.

Für Fabian Schelsky (21), Christian Stanke (22), Hanna Steeg (21) und Paula Lopez (22) ist es ein Herzensanliegen, unnötiges Leid von Tieren zu vermeiden. Deshalb leben sie so, dass für sie kein Tier leiden oder sterben muss. Als Veganer werben sie für eine Welt ohne Massentierhaltung, Großschlachtereien und Tierversuche. „Wir wollen keinen dazu drängen, vegan zu leben“, sagt eine Sprecherin der Gruppe: „Das soll jeder für sich entscheiden, wie weit er mitgeht.“

Anstöße zum Nachdenken geben vier junge Veganer. Mehr als 100 Steine haben sie schon beschriftet.

„Mein Herz schlägt für Tiere“, steht auf einem ihrer Steine. Auf einem anderen: „Solange der Mensch denkt, dass Tiere nicht fühlen können, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken können.“

Mindestens einen bemalten Stein pro Tag legen die vier Aktivisten in die Stadt oder die Landschaft. Sie begleiten ihre Aktion als „Go_VGN_Team“ auf der Internetplattform Instagram. Wer einen Stein findet, darf ihn mitnehmen und an eine andere Stelle versetzen. Das macht vielen Leuten Spaß, wie Reaktionen der Instagram-Nutzer zeigen.

Zu Ostern haben die vier kreativen Veganer einen Vierzeiler gereimt: „Rodgau, meine liebe Stadt, wir sind das Eiersuchen satt! Ein neuer Trend muss jetzt mal her: Das Steine-Suchen fällt nicht schwer.“

Der Schnitzer

Geschnitzte Gesichter tauchen seit Ende März in den Wäldern rund um Rodgau auf. Mal stehen sie auf einer Parkbank, mal hängen sie an einem Baum. Die Machart deutet auf einen einzelnen Urheber hin. Er zersägt einen Ast in gleich lange Stücke und schnitzt aus der Rinde immer die gleiche Physiognomie: viereckige Augen und Brauen, dreieckige Nase, lachender Mund.

Lachende Gesichter grüßen Spaziergänger am Waldrand bei Jügesheim.

Solche Gesichter wurden unter anderem im Wald bei Rembrücken, am Waldrand bei Jügesheim und auf einer Sitzbank im Zahorka-Wäldchen östlich von Dudenhofen gesichtet. Auch sie verbreiten gute Laune, wie man in der Facebook-Gruppe „Rodgau erleben“ lesen kann: „Vielen Dank dem Künstler für dieses schöne Ostergeschenk.“

VON EKKEHARD WOLF

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