Umfrage

Schule in Rodgau: Nicht jeder Schüler besitzt einen PC

Bruchrechnen auf dem iPad: Für die iPad-Klassen der Georg-Büchner-Schule ist die Arbeit auf dem Tablet-Computer selbstverständlich. Nicht alle Schüler sind so gut ausgestattet, wie eine Umfrage gezeigt hat.  
Archivbild: Wolf
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Bruchrechnen auf dem iPad: Für die iPad-Klassen der Georg-Büchner-Schule ist die Arbeit auf dem Tablet-Computer selbstverständlich. Nicht alle Schüler sind so gut ausgestattet, wie eine Umfrage gezeigt hat. Archivbild: Wolf

Die Coronakrise hat dem Online-Lernen an den Schulen einen kräftigen Schub verpasst. Aber nicht alle Schüler haben geeignete Geräte. Auch bei der Fortbildung der Lehrkräfte gibt es Nachholbedarf.

Rodgau / Jügesheim - Die Georg-Büchner-Schule (GBS), die größte Schule in Rodgau, hat in den letzten Wochen ihre Schüler, Eltern und Lehrkräfte befragt. Dabei ging es um die technische Ausstattung und um die Erfahrungen im Frühjahr. Erste Ergebnisse liegen vor. Mit dem Zeugnis bekamen alle GBS-Schüler Anfang Juli einen Zugangscode für die Online-Befragung. Schon in der ersten Woche füllten etwa 150 Eltern und 200 Schüler den Fragebogen aus. „Viele Eltern haben sehr differenziert geantwortet“, berichtet der stellvertretende Schulleiter Volker Hildebrandt.

Rodgau: Jeder Vierte muss sich PC oder Tablet mit anderen teilen

Fast drei Viertel (73,5 Prozent) der Schüler, die an der Umfrage teilnahmen, besitzen einen eigenen Computer (PC oder Tablet). 24,5 Prozent müssen sich ein Gerät mit anderen teilen. Aber nicht für alle ist ein Computer in der Familie selbstverständlich. „In einer fünften Realschulklasse gibt es sechs Schüler, die haben gar nichts zu Hause“, so Hildebrandt.

„Wenn man es nach Schulzweigen betrachtet, merkt man, dass die Gymnasialklassen besser ausgestattet sind“, berichtet Volker Hildebrandt: „Dass sie gar nichts haben, kommt selten vor.“ Das betrifft auch die Möglichkeit, Übungsblätter auszudrucken: Viele Schüler des Haupt- und Realschulzweigs haben laut Umfrage keinen Zugang zu einem Drucker.

Smartphone taugt nicht als Werkzeug zum Lernen

Und wie ist das mit dem Smartphone? Allein schon wegen ihrer kleinen Bildschirme sind diese Geräte zum Lernen ziemlich ungeeignet. Ein weiteres Problem: Viele Schüler besitzen zwar ein Handy, haben aber kein Online-Guthaben.

Digitales Lernen ist nicht nur eine Sache der Technik, sondern vor allem auch der Inhalte. Es geht nicht nur darum, herkömmliche Aufgabenblätter im PDF-Format zu speichern. Die Lehrkräfte müssen neue Unterrichtsmethoden entwickeln. Die GBS ist in dieser Hinsicht schon relativ weit. Seit drei Jahren sammelt sie Erfahrungen mit sogenannten iPad-Klassen – als erste Schule im Kreis Offenbach. Die Schüler verwenden ihre Tablet-Computer in fast allen Fächern. Auch im kommenden Schuljahr fangen zwei neue iPad-Klassen an. Das erfordert einige Anstrengungen: Die Eltern müssen die Geräte selbst bezahlen und die Lehrerfortbildung bringt das Schulbudget an seine Grenzen.

Ab 16. März verordnete die hessische Landesregierung eine Vollbremsung an den Schulen. Kultusminister Ralph Alexander Lorz forderte die Schulleiter, wo möglich, zum Umstieg auf „digitales Lernen“ auf – wohl wissend, „dass noch nicht an allen Schulen die technischen und pädagogischen Voraussetzungen für den digitalen Unterricht gegeben sind“. Plötzlich war sogenannter „Distanzunterricht“ angesagt: ohne Konzept, aber mit viel Fantasie und Engagement der Lehrkräfte. Die Notlage setzte Kreativität frei.

Unterricht per Videokonferenz ist an Rodgauer Schule noch Zukunftsmusik

„Noch nie war die Dynamik so hoch“, sagt Volker Hildebrandt in der Georg-Büchner-Schule. Diese Aussage bezieht sich auch auf die technische Ausstattung: „Wir haben jetzt WLAN in allen Unterrichtsräumen.“ Das sei aber schon vor der Corona-Pandemie geplant gewesen: „Was noch fehlt, ist Präsentationstechnik in den Klassenräumen: fest installierte Beamer oder Displays.“ Die leistungsfähigere Internetverbindung erlaube jetzt auch Videokonferenzen, so Hildebrandt.

Die GBS will zunächst ein Klassenzimmer für Online-Unterricht einrichten. Der Kreis Offenbach stellt den Schulen die Videokonferenz-Software „Microsoft Teams“ zur Verfügung. Doch damit ist es noch nicht getan. Die Schule braucht auch jemanden, der sich mit dem Programm auskennt und der die Lehrkräfte schult. Von Ekkehard Wolf

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