Feuer im Hochhaus

Großbrand in der „Chinamauer“: Mutter flieht mit Kinder vor Flammen – mehrere Wohnungen unbewohnbar

Schwarz vor Ruß sind Wände, Decken und Fassade nicht nur in der Brandwohnung.
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Schwarz vor Ruß sind Wände, Decken und Fassade nicht nur in der Brandwohnung.

Nach dem Brand in einem Hochhaus in Rodgau bei Offenbach sind mehrere Wohnungen unbewohnbar. Der Schaden könnte bis zu einer Million betragen.

Nieder-Roden - Nach dem Brand vom Dienstagabend in einem Hochhaus der „Chinamauer“ in Rodgau in der Nähe von Offenbach sind elf Wohnungen unbewohnbar. Den Schaden kann die Polizei noch nicht beziffern. Nach ersten Schätzungen könnte er zwischen 600 000 Euro und einer Million liegen.

Eine Wohnung auf der zweiten Ebene (4. bis 6. Obergeschoss) ist ausgebrannt. Die Nachbarwohnungen müssen ebenfalls renoviert werden: Rauch und Ruß haben sich durch den Hausflur in alle Räume verteilt. Auch zwei Treppenhäuser sind in Mitleidenschaft gezogen.

Brand in Rodgau: Vier Feuerwehrleute und ein Kind im Krankenhaus

Durch die enorme Hitze wurden vier Feuerwehrleute verletzt. Als sie die Tür der Brandwohnung öffneten, kam ihnen von der abwärts führenden Treppe schlagartig eine Hitzewelle entgegen. Trotz Schutzkleidung trugen die vier Einsatzkräfte schmerzhafte Brandblasen davon. Sie kamen ins Krankenhaus und waren am Abend wieder daheim.

Ein Kind wurde ins Krankenhaus gebracht, nachdem es giftige Rauchgase eingeatmet hatte. Mehrere weitere Hausbewohner wurden vom Rettungsdienst versorgt.

Feuer in Rodgau bei Offenbach: Mutter mit drei Kindern flieht vor den Flammen

„Die Bewohner einer gesamten Ebene wurden in Hotels umquartiert, da ein Betreten der Wohnungen nicht mehr möglich war“, schreibt die Feuerwehr Rodgau auf ihrer Internetseite. Es soll sich um 18 Personen handeln. Die meisten sind laut Stadtverwaltung inzwischen bei Verwandten und Bekannten untergekommen. Zwei weitere Betroffene versuchte die Stadt gestern telefonisch zu erreichen, um ihnen Hotelzimmer anzubieten.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei brach das Feuer in einer Küche aus. Auf dem Herd sei Essen in Brand geraten, berichtet ein Pressesprecher der Polizei auf Anfrage. Die Bewohnerin habe mit ihren drei Kindern die Wohnung verlassen und die Feuerwehr alarmiert.

Brand in Rodgau: Dichter Qualm in Hausflur und Treppenhaus

Eine ganze Serie an Notrufen traf in der Leitstelle ein. Der erste Alarm kam um 18.23 Uhr von der automatischen Brandmeldeanlage. Nach dem Hinweis „Menschenleben in Gefahr“ setzten sich Feuerwehren und Rettungsdienste aus dem ganzen Kreis Offenbach in Bewegung. Insgesamt waren rund 180 Einsatzkräfte vor Ort. Allein die Feuerwehr Rodgau war mit 20 Fahrzeugen an der „Chinamauer“. Die Rodgau-Ringstraße diente als Aufstellfläche und war für den Verkehr gesperrt.

Zahlreiche Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten bekämpften den Brand und kontrollierten die weitläufigen Stockwerke. Mehrere Bewohner wurden mit sogenannten Fluchtmasken aus ihren Wohnungen gerettet. Der Qualm in den Fluren war so dicht, dass sie sich nicht mehr allein ins Freie retten konnten.

Auch von der Drehleiter aus bekämpfte die Feuerwehr den Brand. Einsatzkräfte aus dem ganzen Kreis Offenbach arbeiteten in Nieder-Roden mit.

Feuer im Hochhaus in Rodgau: Spezialisten im Einsatz

Auch eine Etage tiefer breitete sich Rauch aus. Das erlebten Feuerwehrleute, die dort in Bereitschaft standen. Die Luft wurde so schlecht, dass die Kohlendioxid-Warngeräte Alarm gaben.

Zum Schutz der Einsatzkräfte zog Stadtbrandinspektor Andreas Winter die Atemschutz-Notfallstaffel (ANTS) aus Langen hinzu. Die Spezialisten sind darauf trainiert, Kollegen im Unglücksfall aus der Gefahrenzone zu retten. Zwar gibt es eine solche Einheit auch in Rodgau, die ortskundigen Kräfte wurden aber zur Brandbekämpfung und Menschenrettung gebraucht. Einige Stunden später war die ANTS Rodgau beim Brand eines Mehrfamilienhauses in Mühlheim gefragt. Zu diesem Zeitpunkt war das Feuer in der „Chinamauer“ bereits gelöscht.

Großbrand in der Nähe von Offenbach: Ermittlungen in Rodgau dauern an

Etwa zwei Stunden nach dem Beginn der Löscharbeiten konnten die Feuerwehrleute ihre Schläuche einrollen. Doch auch danach gab es noch viel Arbeit für die Einsatzkräfte. Die letzten konnten erst gegen 1 Uhr nachts nach Hause fahren. Nicht zuletzt die Belüftung der Gebäude nahm viel Zeit in Anspruch. Neben dem Brandort in der Frankfurter Straße 86 war auch das Nachbarhaus Nummer 84 verraucht.

Obwohl der Brand nach dem ersten Anschein von angebranntem Essen ausging, muss die Kriminalpolizei die Ursache untersuchen – „sobald die Wohnung betretbar ist“, wie ein Polizeisprecher sagt. Gestern früh konnten die Brandermittler wegen der Resthitze noch nicht hinein.

Noch nicht eindeutig geklärt ist, wodurch die vier Feuerwehrleute verletzt wurden. Nach ersten Vermutungen soll es einen sogenannten Flash-over gegeben haben. Dabei zünden die bei der Verbrennung entstandenen Gase in Form einer Stichflamme, sobald Luft zugeführt wird. Das kann durch ein berstendes Fenster oder das Öffnen einer Tür entstehen. Beim Türöffnen sei es zu einem Heißluftüberschlag gekommen, vermutet ein Mitarbeiter der Feuerwehr: „Der Flash-over scheint vorher stattgefunden zu haben.“

Flammen schlugen aus der Wohnung an der Südseite.

Brand in der „Chinamauer“ in Rodgau: Wie sicher lebt es sich im Hochhaus?

Damit sich Brände in den Hochhäusern nicht ausbreiten, sind die Gebäude in Brandabschnitte unterteilt. Zur Sicherheit trägt auch die automatische Brandmeldeanlage bei. Sie löst auch bei kleinen Anlässen aus. In den meisten Fällen, in denen die Feuerwehr zur „Chinamauer“ ausrückt, handelt es sich um einen Fehlalarm. Diesmal nicht. Die Bewohner nehmen die Alarmsignale ernst. Auch am Dienstagabend eilten viele ins Freie – bis die Polizei sie per Lautsprecher aufforderte, drinnen zu bleiben. (Ekkehard Wolf)

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