Bürger beschenken sich selbst

Die ersten 15 Ersatzbäume wurden im Rodau-Park gepflanzt

Großes Welttheater, Grüne, Nachhaltigkeitsinitiative und viele Bürger mehr setzen sich für ihre Stadt ein. FotoS: Weil
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Großes Welttheater, Grüne, Nachhaltigkeitsinitiative und viele Bürger mehr setzen sich für ihre Stadt ein.

Mit heißem Tee und Schoko-Weihnachtsmännern feierten Bürger gestern im Rodau-Park die ersten neuen Bäume, die nach dem schweren Sturm vom 18. August gepflanzt wurden, eine gute Idee und ein bisschen auch sich selbst.

Rodgau – Noch kurz vor den Weihnachtsfeiertagen waren zunächst 15 Gehölze aus der Spendenaktion „Town Baum – 10fürEinen“ in der Anlage angepflanzt worden. Ins Leben gerufen hatte Ute Stark von Sportaktiv in Jügesheim die Initiative mit Bürgerbeteiligung (wir berichteten). Weil beim Sturm am 18. August im ganzen Stadtgebiet etwa 300 Bäume so schwer beschädigt wurden, dass sie umgefallen waren oder gefällt werden mussten, kam die Geschäftsfrau auf die Idee, Bürger bei der Aufforstung mit ins Boot zu holen.

Für 300 Euro (Mittelwert für einen Baum mit einem Stammumfang von 20 bis 25 Zentimetern, einem Alter von 12-15 Jahren und einer Höhe von rund fünf Metern) oder Anteilen von jeweils 30 Euro können sich Menschen an der Wiederbegrünung ihrer Stadt beteiligen. Die Verwaltung übernimmt die Organisation und die Pflege der Gehölze.

Gestern nun stand das mehr als stolze Ergebnis fest: Insgesamt 104 Bäume sind finanziert, über 30 000 Euro haben Unternehmen, Initiativen, Schulen und Privatleute bislang aufgebracht. Bürgermeister Jürgen Hoffmann freute sich angesichts der großen Solidarität über das Engagement: „Wir können zusammen etwas erreichen“, lobte der Stadtchef. Die Stadtverwaltung würdigte die Initiative als eine großartige Leistung der Bürgerschaft und von Unternehmen. Spenden von außerhalb kommen aus Frankfurt und sogar Berlin. Die Aktion läuft noch bis zum Ende des Jahres.

Initiatorin Ute Stark freute sich, dass ihre Idee offensichtlich auf offene Ohren und große Spendenbereitschaft gestoßen war. Gerade die Möglichkeit, sich mit einem kleineren Beitrag zu beteiligen, war bei vielen Menschen gut angekommen, ist die Erfahrung, die sie gemacht hat. Ute Stark denkt inzwischen über eine Wiederauflage der Aktion im kommenden Jahr nach.

Zu diesen ersten Pflanzungen hatte die Stadt eingeladen, damit alle Beteiligten auch sehen konnten, was sie gemeinsam geleistet haben. Eine Fachfirma hatte bereits in den vergangenen Tagen die Löcher im Rodau-Park ausgehoben und die neuen Bäume gepflanzt. Diesmal sind es unter anderem Spitzahorn, Linde, Eisenholzbaum, Amberbaum und Kornelkirsche, die Vorgänger wie Erle, Rosskastanie und Platane ersetzen. Klimawandel und entsprechende Schädlinge wurden bei der Auswahl der neuen Sorten berücksichtigt, die nun widerstandsfähiger sein sollen.

Im Park eingefunden hatte sich auch Jürgen Kratz aus Nieder-Roden. Mit einer Spende von 150 Euro beteiligt sich seine Familie aktuell an der Aufforstung. „Wir haben jedes Jahr gespendet, diesmal eben dafür“, sagt er. Den Bürger sieht Kratz als Teil der Stadtgesellschaft: „Ohne Engagement geht gar nichts“, findet der Rodgauer.

Weil es bei der Stadtverwaltung keinerlei Erfahrungen mit Aktionen dieser Art gibt und sich deswegen alle schwer taten, einzuschätzen, welche Spendensumme zusammenkommt, wurde sogar gewettet. Mit seiner Schätzung von 7000 Euro lag Fachdienstleiter Peter Kämmerling vor Bürgermeister Jürgen Hoffmann und Stadtsprecherin Sabine Hooke näher am Endergebnis. Deswegen muss er die anderen nun zum Essen einladen.  

siw

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