Plötzlich zu sechst

Rodgauer Familienzuwachs im Dreierpack: Mit Drillingen wird es nie langweilig 

Melanie Becker mit den Drillingen Marcus, Marcel und Moritz und deren großem Bruder Maximilian.
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Melanie Becker mit den Drillingen Marcus, Marcel und Moritz und deren großem Bruder Maximilian.

In Rodgau im Kreis Offenbach sind die Becker seit September 2020 sechsköpfig. Schnell wurde der Familie klar: Mit Drillingen ist man auf viel Hilfe angewiesen.

Rodgau – „Wir sind die sechs ,Ms“, sagt Melanie Becker strahlend. Und hält dabei zwei der „Ms“ in ihren Armen: Marcus und Marcel. Brüderchen Moritz sitzt derweil wohlbehütet auf dem Schoß seines großen Bruders Maximilian, während Vater Michael im Homeoffice in einer Telefonkonferenz steckt. Marcus und Marcel sind eineiige Zwillinge, Moritz gesellte sich als Dritter im Bunde dazu.

Rodgaus einzige Drillinge des vergangenen Jahres kamen am 25. September per Kaiserschnitt im Frankfurter Bürgerhospital zur Welt. Seither wünschte Mutter Melanie, der Tag hätte 48 Stunden und sie viel mehr als nur ihre zwei Hände. Drei auf einen Streich sind eben eine immense Herausforderung.

Drillinge in Rodgau im Kreis Offenbach: Familienzuwachs war Überraschung

Die operationstechnische Assistentin am Offenbacher Ketteler Krankenhaus und der studierte Maschinenbauer hatten sich nach Sohn Maximilian (3) zwar durchaus weiteren Nachwuchs gewünscht. Aber dass der Familienzuwachs dann gleich so groß ausfallen sollte, war schon eine Überraschung. Und selten obendrein, denn die Kinder sind auf natürlichem Wege entstanden.

„Beim ersten Ultraschall hieß es noch: Ein Kind – plus möglicherweise ein weiteres. Eine Woche später dann: Gratulation. Es sind Drillinge“, erinnert sich die 38-Jährige an den glücklichen Moment.

In Rodgau leben jetzt Drillinge – Komplizierte Schwangerschaft, störrische Krankenkasse

Gerne hätte sie in Offenbach am Ketteler bei ihrem Arbeitgeber entbunden. Die schwierige Schwangerschaft führte die gebürtige Weiskircherin letztlich aber ans Bürgerhospital zu Spezialisten für Mehrlingsgeburten, denn es deuteten sich Probleme an. Dort wurden Marcus, Marcel und Moritz dann – acht Wochen zu früh – per Kaiserschnitt geholt. Dem folgten Tage und Wochen voller Sorge. Denn die Kleinen mussten sofort auf die Intensivstation. Per Magensonde wurden sie im Brutkasten ernährt. Nach acht Tagen wechselten die Drillinge dann auf die Frühchenstation des Clementine Kinderhospitals.

In dieser schwierigen Zeit lernte Melanie Becker zum einen die prima Betreuung im Clementine Hospital auf Station C2 kennen. Zum Anderen aber auch, wie weltfremd Krankenkassen mit solch ungewöhnlichen Geburten umgehen. „Als es zum Beispiel um einen Fahrtkostenzuschuss ging, wurde ich allen Ernstes gefragt, ob es denn tatsächlich sein müsste, dass ich jeden Tag nach Frankfurt fahre, um den Kindern Muttermilch zu bringen. Die könnten doch auch Pulvermilch trinken“, ist die junge Mehrfachmutter aus Rodgau im Kreis Offenbach immer noch empört über den Vorschlag der Kasse.

Viele Kinder, viel Arbeit: Fläschchen-Parade in der Küche.

Nach Geburt von Drillingen: Stadt Rodgau reagiert nicht, andere zeigen sich hilfsbereit

Es sei durchaus nicht so, „dass alle Juhu rufen und einen zu den Drillingen beglückwünschen.“ Auch von der Stadt Rodgau habe sie bis heute kein Wort gehört. Die Emmausgemeinde hingegen habe sofort mit einem „Willkommensbrief und Söckchen an die Drei“ sehr herzlich reagiert. „Man fühlt sich am Anfang ziemlich alleine gelassen. Ohne unsere Familien und die Freunde könnten wir es nicht stemmen.“

Ein bisschen fremde Hilfe hat aber dann doch geklappt: Nachdem seit September etliche Hürden genommen wurden, hatten Melanie und Michael Becker Unterstützung von einer Kinderkrankenschwester in Rente, die für das Caritasprojekt „Wellcome“ arbeitet. Und Familienhilfe für zunächst vier Wochen kommt vom Langener Zentrum für Jung und Alt „ZenJa“.

Wer Drillinge hat, weiß um die viele Arbeit – und hilft anderen Eltern in Hessen

Kraft geben der jungen Frau auch die Mitglieder eine WhatsApp-Gruppe mit Drillingseltern aus Offenbach, Frankfurt und Aschaffenburg. „Da gibt es wertvolle Praxistipps, eine Tauschbörse und einen Basar.“ So etwa kann bei Mehrlingsgeburten tatsächlich hilfreich sein. Denn für Vielfacheltern heißt es nach der markanten Nachricht meist: umplanen und aufrüsten. Auch die Beckers mussten ein größeres Auto kaufen (einen Siebensitzer), einen speziellen Drillingskinderwagen, jede Menge Strampler und weitere Bobby-Cars anschaffen. „Für ein weiteres Kind wäre ja alles da gewesen, aber nicht für drei!“

Zum Glück ist wenigstens im Hause Becker an der Rathenaustraße in Jügesheim (Rodgau) genug Platz. Die Dachgeschosswohnung über der jungen Familie ist frei geworden. „Die renovieren wir und nehmen sie dazu“, sagt Melanie Becker zuversichtlich. Und freut sich auf bewegte Zeiten mit ihren vier Jungs. (Bernhard Pelka)

Aufregung herrscht derzeit nicht nur bei den Beckers, sondern auch bei anderen Eltern: Obwohl Nachmittagsbetreuung in Rodgau derzeit kaum stattfindet, werden häufig trotztdem die vollen Beiträge fällig.

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