Osterwasser macht schön

Diese Bräuche gibt es an Ostern

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Die Kinder bauten dem Osterhasen ein kleines Nest aus Stöckchen.

Gefärbte Eier ausgeblasen und schön verziert an zarten Zweigen aufhängen oder hart gekocht verzehren, Hefekranz und mit Puderzucker bestäubte Kuchen in Lämmchenform für die Kaffeetafel und freilich Schokolade-Osterhasen und Eier in großer Auswahl: Zum Osterfest gehören vielerlei Bräuche.

Rodgau – Im Laufe der Jahrzehnte aber haben sich Traditionen verändert, die an den Feiertagen gepflegt wurden.

Doch wo werden noch Osterkränze gebunden und andere alte Rituale ausgeübt? Von den befragten Kennern der Heimat- und Geschichtsvereine wusste keiner von solchen und ähnlichen Aktionen. Osterspaziergang, Osterfeuer, die bei Kindern beliebten Osternester und die Eiersuche gehören aber auch heute noch für viele Menschen zum Osterfest dazu.

Helmut Trageser vom Heimat- und Geschichtsverein Weiskirchen erinnert sich, dass in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Bürger in Weiskirchen vom Institut für deutsche Sprache befragt wurden: Die Aufzeichnung in Mundart liegt dem Verein noch als alte Bandaufnahme vor. Darunter gab es auch ein Zwiegespräch zwischen den Landwirten Christian Hermann Zilch und Johann Wendelin Zilch.

Beide berichteten auch von folgendem altem Osterbrauch: In der „Usdernacht“ in aller Frühe gingen die Mädchen an die Rodau um „Usderwasser“ zu schöpfen. Wichtig war, dass man nicht gesehen wurde und vor allem, dass kein Wort gesprochen werden durfte. Mit dem „Usderwasser“ wurde das Gesicht gewaschen und so sichergestellt, dass es nur schöne Mädchen und Frauen in Weiskirchen gab.

Helmut Trageser weiß auch noch Folgendes übers österliche Brauchtum zu berichten: „Bis ins 19. Jahrhundert brachte in unserer Gegend nicht der Osterhase, sondern der Storch die Eier.“ Sowohl für den Osterstorch wie auch für den Osterhasen wurde im Garten ein Nest gebaut. Dafür wurden Hölzchen in Kreisform in den Boden geklopft und das Nest mit Moos ausgelegt.

Wie diese selbst gebauten Nester aussahen, belegt das Foto, das der ehrenamtliche Heimatforscher auf der Homepage www.eichwaelder.de von Martin Weck gefunden hat. Der Schwarzwälder Privatmann hat unserer Zeitung freundlicherweise die Veröffentlichung der alten Aufnahme genehmigt.

Wichtig war bei dem Bau des Osternestes, dass man den Storch oder den Hasen nicht störte, da sonst der Eiersegen ausblieb. Einige Zeit bevor das gefüllte Nest besichtigt wurde, hat der Vater dem Osterhasen gepfiffen. Das war für den Osterhasen das Zeichen, dass die Luft rein war und er ungestört das Nest besuchen konnte. Für das Färben der Ostereier benutzte man damals noch den Sud von Zwiebelschalen und von Spinat.

Kinder, die nicht mehr an den Osterhasen glaubten und schon richtig Bescheid wussten, zitierten folgenden Spruch: „Ich was was ich was. Es Hinkel is den Haas. Die Mamme is de Färwersmann und häscht die Eier in die Pann.“ (siw)

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