Rodgau will Umstieg auf Strom beschleunigen

Erst 30 Autos fahren abgasfrei

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Elektroautos stehen an vier Stellen im Stadtgebiet zum Ausleihen bereit (grün markiert). Die roten Punkte kennzeichnen die Standorte der 15 Stromtankstellen.

Beim Umstieg auf Elektroautos sieht sich Rodgau als Vorreiter im Kreis Offenbach. Im Stadtgebiet gibt es mehr Stromtankstellen als in jeder anderen Stadt des Kreises: 15 Ladesäulen von Weiskirchen bis Nieder-Roden. VON EKKEHARD WOLF

Rodgau – Wer elektrisch fahren will, muss kein neues Auto kaufen: Vier E-Fahrzeuge stehen für Carsharing-Kunden bereit.

Der Anteil der E-Autos an den Neuzulassungen sei höher als im Bundesdurchschnitt, freut sich Bürgermeister Jürgen Hoffmann: 1,0 statt 0,66 Prozent. Auch die absoluten Zahlen sind überschaubar. Nach Angaben des Bürgermeisters sind in Rodgau derzeit 30 Elektroautos und 270 Hybridfahrzeuge zugelassen.

Die halb städtische Energieversorgung Rodau GmbH (EVR) verkündet es als Erfolg, dass sie seit Herbst 2017 bereits 15 Ladesäulen für Elektroautos aufgestellt hat. Damit liegt sie gegenüber ihrem ursprünglichen Zeitplan um ein Jahr zurück. Eigentlich sollten längst 20 Stromtankstellen stehen. Bürgermeister Hoffmann findet das nicht schlimm: Es sei sinnvoll, die letzten fünf Standorte mit Bedacht zu wählen. So sei man derzeit in Rollwald auf der Suche nach einer geeigneten Stelle. Dabei gehe es nicht um irgendeinen Standort, sondern um den besten.

Alle Stromtankstellen zusammen verbuchten bisher knapp 1 000 Ladevorgänge. Das sind etwa zwei pro Tag. Dennoch betonen Stadt und EVR in einer Pressemitteilung, „dass die Ladesäulen großen Anklang finden“.

Mit einem Netz an Stromtankstellen will Rodgau einen Anreiz schaffen, auf Elektroautos umzusteigen – wohl wissend, dass E-Autos „nur eine Zwischentechnologie sind“, wie der Bürgermeister sagt.

„Wir wollten in Rodgau zuerst in die Infrastruktur investieren und nicht warten, bis es genug Elektroautos gibt“, sagt Markus Ebel-Waldmann, einer der beiden EVR-Geschäftsführer. „Wir können mit diesen Maßnahmen in Rodgau das Weltklima nicht retten, aber wir können Vorreiter sein und Begeisterung wecken“, ergänzt sein Kollege Dirk Schneider.

Das Wort „Fahrspaß“ führen alle drei Männer im Mund. Dazu zählen typische Fahreigenschaften von E-Autos wie das sanfte, nahezu geräuschlose Anfahren und die Möglichkeit zu starker Beschleunigung.

Als Einstiegsdroge fürs abgasfreie Autofahren eignet sich das Carsharing-Angebot der EVR in Rodgau. Die Anmeldung ist eine Sache von zehn Minuten. Die Preisgestaltung ist einfach: 4,99 Euro pro angefangene Stunde, für EVR-Stromkunden nur 99 Cent. „Ein sehr transparentes System, das sehr gut angenommen wird“, sagt Dirk Schneider.

Seit dem Start des ersten Carsharing-Autos im Januar 2018 haben 240 Nutzer in mehr als 1600 Fahrten rund 100 000 Kilometer elektrisch zurückgelegt. Dadurch wurde laut EVR ein Kohlendioxid-Ausstoß von 15 Tonnen vermieden. Vier E-Autos können stundenweise angemietet werden. „Die Fahrzeuge sind ständig unterwegs“, freut sich Bürgermeister Hoffmann. Die Kehrseite der hohen Auslastung: Nutzer finden nur mit Glück tagsüber ein freies Auto. Manchmal ist ein Auto auch tagelang von der EVR blockiert.

Ein weiterer Ausbau der Fahrzeugflotte ist derzeit nicht geplant, wie EVR-Geschäftsführer Dirk Schneider auf Anfrage sagt. Der Energieversorger wolle das Angebot aber auch weiterhin an der Nachfrage ausrichten. Zunächst gehe es darum, die Buchungs- und Nutzungsdisziplin zu orientieren. „Eine Stornobuchung ist nicht problematisch, wenn sie rechtzeitig erfolgt und das Fahrzeug für andere Nutzer frei wird“, erklärt Schneider. Ärgerlicher ist es, wenn jemand ein Auto reserviert und dann nicht damit fährt. Solche Blindbuchungen machen laut Schneider rund fünf Prozent aus.

Eine unangekündigte Preiserhöhung auf 250 Prozent sorgte im Oktober für Ärger bei etlichen Carsharing-Kunden. Der anfängliche Einheitstarif von 1,99 Euro pro Stunde galt fortan nur noch für Stromkunden der EVR. Seither hat das Unternehmen die Preisschere noch stärker geöffnet. Stromkunden zahlen fürs Elektrofahren nur noch ein Fünftel des normalen Preises. So wird Carsharing zur Werbeaktion. „Uns ist wichtig, den Bestandskunden einen Mehrwert zu bieten“, sagt Geschäftsführer Schneider. Große Preisunterschiede gibt es auch beim Autostrom: An rund 7 000 Ladesäulen in Deutschland zahlt man mit der EVR-Chipkarte rund 50 oder 30 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, ob man auch seinen Haushaltsstrom bei dem Unternehmen bezieht.

Auch mit Stromtankstellen für zuhause, sogenannten Wallboxen, will der regionale Energieversorger den Umstieg aufs Elektroauto beschleunigen. Bisher wurden allerdings erst weniger als zehn Geräte verkauft.

An den gängigen Ladesäulen braucht ein Auto mehrere Stunden, um seine Akkus zu füllen. Ob die EVR auch eine Schnellladestation errichtet, ist noch nicht entschieden. Auf der Suche nach einem Kooperationspartner steht das Unternehmen noch ganz am Anfang.

Die Stadtverwaltung will auch beim Umstieg auf E-Autos ein Vorbild sein. Sechs Dienstautos fahren bereits elektrisch, zwei davon bei der Ordnungsbehörde. Für kürzere Dienstfahrten will die Stadt in diesem Jahr außerdem zwei Elektrofahrräder (Pedelecs) anschaffen.

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