Zwiegespräch in großer Vorfreude

Helga Hoffmann und Lothar Mark erhalten die Bürgermedaille in Gold

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Freuen sich auf Freitag und waren beim Kaffeeplausch im Hoffmannschen Garten gut drauf: Helga Hoffmann und Lothar Mark. 

Helga Hoffmann und Lothar Mark erhalten am nächsten Freitag mit der Bürgermedaille der Stadt in Gold die zweithöchste Auszeichnung – nach der Ehrenbürgerwürde – die von der Stadt vergeben wird. Sie würdigt Personen, die sich große Verdienste um Rodgau erworben haben.

Rodgau – Lothar Mark engagiert sich unter anderem für den Hospizneubau in Jügesheim, Helga Hoffmann steckt ihre.

Kraft seit 52 Jahren in die Arbeit für SOS-Kinderdörfer. Wir haben die Preisträger zu einem morgendlichen Kaffeeplausch über die anstehende Ehrung animiert.

Mark: Helga, bist du schon aufgeregt.

Hoffmann: Sogar sehr.

Mark: Ist deine Rede denn schon fertig?

Hoffmann: Ja. Ich habe etwas aufgeschrieben und hoffe, dass das in Ordnung sein wird. Ich denke, ich bin so nach zwei, drei Minuten fertig. Damit alles glatt geht, werde ich mir den Text sicher noch ein paarmal vorlesen.

Hoffmann: Sag mal, Lothar: Wie geehrt fühlst du dich eigentlich?

Mark: Ich fühle mich dabei ein bisschen so, wie die Stadtverordneten, die ja entschieden haben, dass Du und ich die Medaille auf Vorschlag von anderen Leuten bekommen. Die Stadtverordneten versuchen im Parlament bei vielen Entscheidungen und Projekten auch immer, das Richtige zu machen und bekommen dafür meist ganz wenig Lob.

Mark: Und wie fühlst du dich?

Ich fühle mit sehr geehrt für die 52 Jahre SOS-Helferkreis und bin Gott dankbar, dass wir für die ehrenamtliche Arbeit immer genug Helferinnen und Helfer hatten. Letztlich sind es diese Frauen und Männer, die auch die Auszeichnung verdient haben. Sie haben mit mir zusammen die Arbeit gemacht beim SOS-Basar, Babybeat, bei Straßenfesten und mehr.

Mark: Hast du schon was Passendes zum Anziehen ausgesucht?

Hoffmann: Ich habe etwas im Kleiderschrank hängen, aber eine SOS-Frau mit einem guten Geschmack hat mir geraten, doch noch mal einkaufen zu gehen. Mal sehen, was draus wird.

Hoffmann: Und du trägst bestimmt den Klassiker: Anzug mit Krawatte.

Mark: Es führt kein Weg daran vorbei, auch wenn man heute bei immer mehr Anlässen die Herren oben ohne sieht.

Hoffmann: Wen hast du alles eingeladen?

Mark: Wir haben ja nur ein beschränktes Kontingent an Einladungen bekommen. Deshalb konnte ich leider immer nur die Vorstände von den Institutionen, mit denen ich eng zusammenarbeite, einladen – allen voran JSK, Tante Emma, Rotary, Hospizstiftung, Wertestiftung, Liebighausstiftung, Gemeinsam mit Behinderten.

Mark: Und wer kommt von dir?

Hoffmann: Ich habe 50 SOS-Frauen- und Männer eingeladen. Und den Pfarrer.

Hoffmann: Warum hast du dich in all den Jahren überhaupt so stark engagiert?

Mark: Ich hatte in meinem Leben bisher sehr viel Glück. Aber es gab auch Schicksalsschläge. Ich hatte einen beruflichen Total-Crash und gesundheitlich eine sehr klare Ansage. Diese Erlebnisse haben mich dazu befähigt, überhaupt zu erkennen, wie zerbrechlich das Leben ist und wie verletzlich wir sind. Das hat mir gezeigt, wie glücklich und dankbar wir täglich sein können über das, was wir leisten können – auch und gerade für andere.

Mark: Und was hat dich bewogen, so viel zu tun?

Das ist wie immer im Leben. Ich habe vier schwere Schicksalsschläge erlebt. Unter anderem haben mein Mann und ich – wir haben ein Kind verloren. Das war der Auslöser, sich noch mehr mit Kindern zu befassen. Wir haben dann ein Kind adoptiert. Das hat uns, meinen Mann, meine Familie und die zehn SOS-Frauen, die wir damals waren, 1967 auf die Idee gebracht, für SOS-Kinderdörfer zu arbeiten, in denen Kinder aus Problemfamilien leben. Ich danke Gott, dass ich immer noch genug Kraft und Freude dafür habe.

Hoffmann: Würdest du alles noch mal genau so machen?

Mark: Aus meiner Erfahrung heraus, die ich heute habe, würde ich alles noch mal genau so machen und wundere mich rückblickend, dass ich intuitiv so oft das Richtige getan habe.

Mark: Was war dein schönstes Erlebnis in den vielen Jahren?

Hoffmann: Das schönste Erlebnis ist noch immer, dass ich immer wieder Kraft finde, weiterzumachen. Und, dass sich Freiwillige finden, die so viel helfen dabei. Es macht Freude, mit Frauen und Männern zusammenzuarbeiten, die die gleiche Vision haben.

Hoffmann: Und bei dir?

Mark. Es gibt keins. Es ist die Vielzahl kleiner und schöner Erlebnisse, die Kraft spendet.

Hoffmann: Und was ist, wenn du mal aufhörst?

Mark: Ich bin 66 Jahre. Da fängt das Leben an.

Hoffmann: Ich bin zwar schon 82 – habe damit aber absolut kein Problem.

Das Gespräch moderierte Bernhard Pelka

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