Wegwerfbecher müssen nicht sein

Internationaler Tag des Kaffees: Genuss schließt Nachhaltigkeit nicht aus

+
Nachhaltiger Genuss: Ines Illgau reicht im Bioladen Haller einer Kundin einen wiederbefüllbaren Kaffeebecher.

Wie das duftet! Und wie das schmeckt! Auch die Rodgauer lieben ihren Kaffee. Und sie produzieren dabei jede Menge Müll. 

Rodgau – Nicht nur entlang von Radwegen findet sich oft eine hässliche Parade weggeworfener Einwegbecher, sondern auch gern am Straßenrand, an Bushaltestellen und in Industriegebieten. Dabei gibt es Alternativen.

Die sind allerdings gar nicht so einfach durchsetzbar. Hygienevorschriften verbieten es zum Beispiel dem Bäckereipersonal, Kaffeebecher von Kunden über die Theke hinweg zum Befüllen anzunehmen. Die Beschäftigten des K & U-Bäckers bei Edeka Ermel umschiffen dieses Problem, indem sie im Fall der Fälle den frischen Kaffee hinter der Theke in ein Kännchen füllen. Das reichen sie dann dem Kunden, der den wohlriechenden Inhalt in seinen Becher umfüllt, den er von zuhause mitgebracht hat.

Ein anderes System bevorzugt der Bioladen Haller. Chefin Renate Haller hat sich für das Angebot der Münchener Firma Recup entschieden. Von Recup kaufte die Jügesheimer Unternehmerin Kunststoffkaffeebecher verschiedener Größen. Kunden zahlen für Becher samt Deckel einmalig 2,30 Euro. Renate Haller wiederum nimmt die Pfandbecher zurück und gibt im Tausch gespülte Exemplare befüllt wieder heraus.

Rodgau: Alternativen für Mehrwegbecher

Besteck aus Birkenholz, Teller aus Palmblättern: Bio kennt viele Varianten.

Seinen Deckel muss der Kunde immer wieder mitbringen und vorher zuhause spülen. „Das geht aus hygienischen Gründen nicht anders. Nur der Becher ist mietbar, der Deckel nicht, den müssen die Kunden kaufen.“
Eine App auf dem Handy zeigt an, welche Anbieter sich in welchen Städten diesem Mehrweg-Pfandsystem angeschlossen haben. Dafür, dass Renate Haller dort gelistet ist, zahlt sie eine monatliche Gebühr an Recup. Etwa 3 000 Städte machen bundesweit mit – und vielleicht bald sogar Tchibo. „Darüber wird verhandelt“, sagt Renate Haller.
Um Einweg-Becher-Berge zu verhindern, setzt die Bäckerei Schäfer in Hainhausen auf ein Tauschsystem. Kunden kaufen einen Keramik-Kaffeebecher, den das Bäckereipersonal geleert zurücknimmt, einen frisch gespülten im Tausch befüllt und über die Theke reicht.

Mehrweg muss nicht auf Becher beschränkt sein. Ein Blick in die Regale von Edeka Ermel zeigt: Es gibt nicht nur Mehrwegkaffeebecher aus nachwachsenden Rohstoffen (Bambus), sondern auch Teller (Palmblätter) und Messer und Gabeln aus Birkenholz. Plastikgeschirr zum Grillfest muss also nicht sein.

Bereits vor zwei Jahren versuchte die Stadt Offenbach, eine Koalition gegen Wegwerfbecher zu starten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare