Expressionistische Züge sind einzigartig

Jügesheimer Wasserturm mit grandioser Aussicht

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Wer bis zur Frankfurter Skyline schauen wollte, musste zunächst 170 Stufen im Turm hinaufsteigen. 

Die Aussicht vom Jügesheimer Wasserturm ist einzigartig - wenn da nicht die vielen Treppen wären

Jügesheim – Wer jedoch bis zur Frankfurter Skyline schauen wollte, musste zunächst 170 Stufen im Turm hinaufsteigen. Doch die Anstrengung lohnte sich: Oben angekommen hat man nicht nur einen hervorragenden Ausblick in die Ferne und in den Wasserbehälter des Turms, auch die ein oder andere Geschichte über den „Wassertorm“ konnte man von Walter Koser, Vereinsmitglied der „Freunde des Wasserturms 1986 e. V. “ erfahren.

Auch wenn der Turm schon seit 41 Jahren nicht mehr in Betrieb ist, dient er immer noch als Treffpunkt für gesellige Feste. Gruppenführungen für Kindergärten, Schulklassen oder Vereine werden ebenfalls gerne angeboten. Laut Koser gibt es bei jeder Turmöffnung wieder neue Besucher, die interessiert in die Turmstube hineinschauen möchten. Auch gebe es immer wieder Gäste, die zwar schon seit Jahrzehnten in Rodgau leben, aber noch nie das Innere des Turms besichtigt haben. Vor allem Familien machten an diesem Tag gerne einen kleinen Ausflug zum Jügesheimer Wasserturm.

Ab 1936 wurde das bis zur Dachspitze 43,5 Meter hohe Bauwerk, das mit seinem 400 Kubikmeter fassenden Hochbehälter für eine sichere Trinkwasserversorgung in Jügesheim, Hainhausen und Weiskirchen sorgen sollte, errichtet. Drei Jahre lang hatten die Ingenieure geplant. 1938 wurde er in Betrieb genommen.

Imposantes Treppenhaus: 1938 wurde der Turm in Betrieb genommen – und 40 Jahre später stillgelegt. 

1978 verlor das heutige Baudenkmal seine ursprüngliche Funktion. Seither sorgt ein Verbund aus Wasserwerken wie in Froschhausen und Harreshausen mit starken Pumpen dafür, dass in Rodgau und der Ostkreisregion immer frisches Trinkwasser aus den Hähnen kommt. 1988 ist ein weiteres markantes Datum in der Wasserbehältergeschichte: Damals ging der Wasserturm aus dem Besitz des Zweckverbandes Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach an die Stadt Rodgau über.

Jedes Jahr interessieren sich genug Menschen für ihn, um rund 30 Führungen der Freiwilligen vom Förderverein zu rechtfertigen. Kulturhistorikern gilt er als ein bemerkenswertes Stück Architekturgeschichte. Zeitgleich mit den Wassertürmen in Seligenstadt und Steinheim geplant und errichtet, ist er dennoch einzigartig: Nur der Jügesheimer Turm trägt die expressionistischen Züge aus den 1920er Jahren. Im Stil orientierte sich der Architekt am Kirchturm von St. Nikolaus in Jügesheim.

Die nächste Gelegenheit die Turmstube zu erklimmen ist am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September. (zvj)

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