Politiker in der Kita

Tag der Kinderbetreuung: Bildung fängt bei den Jüngsten an

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Wo wächst das Horn am Kopf? Zwei Jungen bei naturkundlichen Versuchen mit dem Ersten Stadtrat Michael Schüßler.

Zwei Politiker haben gestern einen halben Tag lang in der Kindertagesstätte Robert-Koch-Straße hospitiert. Anlass war der bundesweite Tag der Kinderbetreuung. Er findet seit 2012 am Montag nach dem Muttertag statt.

Hainhausen – Die frühkindliche Bildung haben sich beide auf die Fahnen geschrieben: Erster Stadtrat Michael Schüßler ist als Sozialdezernent für die Kindertagesstätten zuständig; sein Parteifreund, der FDP-Landtagsfraktionsvorsitzende René Rock, hatte die Bildung im letzten Jahr als zentrales Wahlkampfthema.

„Es ist spannend, mal den Alltag zu erleben“, freut sich Schüßler auf den Vormittag in der Kita Robert-Koch-Straße. Er kennt die Einrichtung nicht nur aus seiner beruflichen Warte als Vorgesetzter, sondern auch als Vater. Die Mitarbeit für einen Vormittag verspricht zusätzliche Einblicke.

Der Tag der Kinderbetreuung war ursprünglich als Aktionstag geplant, um den pädagogischen Fachkräften einmal Danke zu sagen. Für Schüßler ist dieser Tag mehr: „Wir wollen zeigen, dass Kindertagesstätten Bildungseinrichtungen sind.“ Die Arbeit der Erzieherinnen, betont er, sei für die gesamte Gesellschaft wichtig.

Auch für René Rock ist die Bildung im Kindesalter ein zentrales Thema. Obwohl die FDP in Hessen nicht mitregiert, versucht sie im Landtag mit Gesetzes-Initiativen Akzente zu setzen. Mehr als 100 Kitas in Hessen hat Rock seit Herbst 2017 besucht. Die erste Stunde reicht ihm, um einen positiven Eindruck von der Kita Robert-Koch-Straße zu gewinnen. Eltern seien gut beraten, ihre Kinder dort anzumelden, sagt der Politiker. Er macht das an zwei Beobachtungen fest: „Hier herrscht eine gute Grundruhe. Die Kinder wirken sehr selbstbewusst, sie sind offen.“

Ein Junge kramt in einer Kiste mit Muscheln, holt eine heraus und hält sie sich ans Ohr: „Ich hör’ da was!“ Dann bringt er das Horn eines Tieres an. „Das ist von einem Mammut“, behauptet er ernsthaft – und überlegt gemeinsam mit Michael Schüßler, wo das Mammut denn seine Hörner trägt. Am Kopf, das ist klar. Aber wo? An der Nase, an den Backen, neben den Ohren oder auf der Stirn?

Beim Malen und Basteln zeigt FDP-Landespolitiker René Rock großes Interesse.

Eine Viertelstunde später sitzt Schüßler mit einigen Kindern im Kreis und liest aus einem Buch vor. „Bücher sind doch viel schöner als Handygucken“, meint er. René Rock sitzt am Maltisch und spricht mit einem Mädchen über das, was sie gerade malt. Die Malrunde löst sich auf, die Kinder suchen sich andere Beschäftigungen oder ziehen ihre Jacke an und gehen zum Spielen ins Freie.

In Sekundenschnelle schaltet Rock auf die Politikerrolle um und äußert sich druckreif. Frühkindliche Bildung sei für die FDP ein wichtiges Thema, sagt der Fraktionsvorsitzender. „Für uns ist klar: Wir brauchen mehr Qualität, das heißt auch kleinere Gruppen und mehr Fachkräfte in den Einrichtungen. Im Endausbau brauchen wir doppelt so viel Personal. Da muss auch das Land mehr Verantwortung übernehmen.“ Konkret fordert er unter anderem: „Die Ausbildung der Erzieherinnen muss bezahlt werden.“ Weitere Themen auf seiner Liste sind ein Landeselternbeirat sowie zusätzliche Schritte zur Qualitätsentwicklung (mehr pädagogische Vorbereitungszeit, eine konsequente Freistellung für Leitungsaufgaben und einen gut gestalteten Übergang vom Kindergarten zur Schule). Wichtig ist ihm auch, dass in jeder Kita mindestens 80 Prozent der Kinder deutsche Muttersprachler sind. Sonst seien Bildungsnachteile für Kinder aus Einwandererfamilien zu befürchten. Rock: „Es muss ein Grundrecht auf Chancen für alle Kinder geben.“

VON EKKEHARD WOLF

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