„Augenlust und Denkanstöße“

Kunstausstellung „Rodgau-Art“ bot viel Raum für Entdeckungen

Ein Bürgerhaus als Kunsthalle: Bei der „Rodgau-Art“ präsentierten 82 Künstler eine große Vielfalt an Arbeiten. Fotos: Wolf
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Ein Bürgerhaus als Kunsthalle: Bei der „Rodgau-Art“ präsentierten 82 Künstler eine große Vielfalt an Arbeiten.

Viel Neues fürs Auge bot die Kunstausstellung „Rodgau-Art“ am Wochenende im Bürgerhaus Nieder-Roden. Fast die Hälfte der 82 Künstler war erstmals dabei. Aber auch alte Bekannte lockten die Betrachter mit einer neuen Sicht auf die Welt.

Nieder-Roden – „Augenlust und Denkanstöße“ sah Kulturdezernent Winno Sahm in der Ausstellung. Ein Gang durch die Räume biete „einen beeindruckenden Querschnitt künstlerischer Ausdrucksweisen, menschlicher Kreativität und Vielfalt der Weltbezüge“. In der bildenden Kunst drücke sich Freiheit aus. Bei der Eröffnung ermunterte Sahm die Besucher, miteinander und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Über Kunst zu sprechen, sei zwar eine Herausforderung für die eigene Formulierungs- und Artikulationsfähigkeit, aber auch „eine ganz prägnante Form der Selbst- und Weltverständigung“.

In der Sporthalle am Bürgerhaus konnte man sogar einer Künstlerin bei der Arbeit zusehen. Esther Keller (Hainburg) erschafft bei der Körperbemalung temporäre Bilder, die sich mit jeder Bewegung ändern und nur wenige Stunden existieren. „Das ist gelebtes Aquarell“, erklärte eine junge Frau, die sich gerade per Pinsel und Schwamm in einen bunten Schmetterling verwandeln ließ.

Leichtigkeit drückt Nadja Recknagel in ihren Skulpturen aus. Netze aus Glas sind für sie das ideale Material.

Ein Blickfang war auch die raumgreifende Installation auf der Bürgerhaus-Bühne. Nicole Jänes (Hanau) hatte das Werk aus bunten Polyamid-Strumpfhosen auf Holz- und Plastikreifen bereits im März bei der Ausstellung „Menschwerk“ in Aschaffenburg gezeigt. Dort war Gabriele Ziegler von der Kulturagentur der Stadt Rodgau auch auf Nadja Recknagel (Bad Homburg) aufmerksam geworden. Ihr Thema ist die Leichtigkeit: Sie verbindet farbiges Glas zu Netzen in organischen Formen, die leicht und luftig wirken, aber gar nicht so zerbrechlich sind, wie sie aussehen. Vor jeder Skulptur steht zunächst wochenlange Arbeit, in denen sie das Glas in hauchdünne Stäbe zieht.

Die Frage „Wie haben Sie das gemacht?“ hörte auch Fotokünstler Manfred Markiewicz (Rödermark) häufig. Seine Blumenbilder vor sattschwarzem Hintergrund zogen die Blicke durch ihre Tiefenwirkung an – und sind doch mit einer normalen Digitalkamera und ohne Studiolicht entstanden: „Ein halbes Jahr haben wir getüftelt, wie es funktioniert.“

Holzstelen und Tuschezeichnungen setzt Lothar Steckenreiter miteinander in Beziehung.

Als „konstruktivistische Illusion“ bezeichnet Lothar Steckenreiter (Rodgau) seine hölzernen Stelen: Sie sehen aus, als seien sie aus Klötzchen zusammengefügt, sind aber aus einem Stück gearbeitet. Die gleiche Formensprache fand sich auf Tuschezeichnungen an der Wand wieder – ein reizvoller Dialog.

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