Filigranes auf sprödem Kalk

Ostermarkt bietet (Kunst)-Handwerk mit Naturbezug

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Holzschnitt: Handarbeiten mit der Säge gab es beim Ostermarkt im Bürgerhaus Nieder-Roden zu bestaunen und zu erwerben.

Vom handverzierten Ei bis zum höchst aromatischen Eierlikör und vom Naturkranz für die Haustür bis zum Laubsäge-Osterbaum und zu handschmeichelnden Holzschalen aller Größen: Der Ostermarkt machte fünf Wochen vor dem Fest der Auferstehung Christi richtig Lust auf Ostern.

Nieder-Roden – Direkt am Eingang empfing ein ganz besonderer Stand die Besucher. Winzige Kunstwerke auf Ostereiern – Muster, Sprüche und Abbildungen liebevoll mit der Nadel aus der Farbe heraus gekratzt. Dabei war die Liebe der 88-jährigen Emmi Kolb zu ihren Raritäten, die sie immer noch mit ruhiger Hand gestaltet, gleich zu Beginn auf eine harte Probe gestellt worden: Mit 22 hatte sie ihrer ersten großen Liebe am Karsamstag drei dieser Kostbarkeiten geschenkt, und als der junge Mann sich am Ostersonntag nicht dazu äußerte, fragte sie ihn, wie sie ihm denn gefallen hätten, und bekam die Antwort: „Oh ja, guad war’s!“ Hatte er sie doch einfach aufgegessen – „der war’s net wert, und ich war sehr enttäuscht damals!“ Glücklicherweise hat sie den Verehrer und nicht ihr Hobby aufgegeben. „Ich hab viel Schlimmes erlebt, doch diese Arbeit hat mich immer am Leben erhalten. Sie beschert mir zwar nicht viel Geld, aber dafür sehr viel Spaß!“

Gleich neben ihrem Stand zeigte der Naturschutzbund (NABU) den Weg des Apfels von einer Rodgauer Streuobstwiese bis hin zum fertigen „Stöffche“. Die Helfer Dagmar Eberhard und Alwin Kröck erläuterten aber auch die Bauweise von Insektenhotels oder Vogelhäuschen und die Notwendigkeit des Bienenerhalts. Außerdem überzeugten regionale Schlemmereien wie „Latwersch“, „Abbel-Holler-Schillee“ oder Quittenbrand sogar Ostermuffel von diesem Markt.

Liebesgaben: Mit 22 Jahren hatte Emmi Kolb verzierte Ostereier ihrem damaligen Verehrer geschenkt. Der hat sie nicht gewürdigt und war"s nicht wert gewesen, doch alle anderen Betrachter schätzen ihre Kunst sehr.

Natur war Trumpf – kaum ein Stand, der nicht Naturprodukte seinen kleinen oder größeren Kunstwerken zugrunde legte, allen voran Türkränze oder österliche Gestecke frisch aus Gottes grünender Natur. Mit Pflanzen und Blumen können sich die Besucher seit Jahren schon bei den „MosaikSteinen“, der Selbsthilfegruppe der Multiple-Sklerose-Erkrankten, eindecken: Sie bepflanzen Schalen und Osterkörbchen, oft schon seit Jahren für feste Abnehmerkreise und unterstützt von regionalen Gärtnereien und Blumenläden.

Umrahmt wurde das Marktgeschehen der 49 Anbieter von einem kleinen Kulturprogramm, das von Kindergarten-Tänzen über Zumba-Vorführungen und Chorgesang bis zu den zarten Melodien des Zupforchesters des Wanderclubs Edelweiß reichte. Die Organisation lag in Händen von Silke Ott.

Strahlend stand bei all dem Treiben wieder Helga Hoffmann am Rand und freute sich über den Erfolg. Denn die heute 82-Jährige arbeitet seit 1957, also seit 52 Jahren, beim SOS-Helferkreis Nieder-Roden fast pausenlos zugunsten von SOS-Kinderdörfern. Auch in diesem Jahr betrieb der Helferkreis den Verpflegungsstand mit Kaffee und unzähligen Torten und Kuchen, mit Bratwurst und Heringsbrötchen und lockte damit vor allem ostermarktmüde Männer auch mal zu einer längeren Pause.

„Ich bin Gott sehr dankbar, dass ich immer noch alles machen kann“, freute sich Helga Hoffmann, als sie bei der Eröffnung von der Bühne herab gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen vom Kulturdezernenten Winno Sahm gewürdigt wurde.

Den Ostermarkt haben die Rodgauer und ihre Gäste dem früheren Volkshochschulleiter Helmut Krämer zu verdanken, der natürlich vorbeischaute: Er hatte quasi die Veranstaltung „erfunden“ und zunächst in Jügesheim ins Leben gerufen; später war sie aus organisatorischen Gründen ins Bürgerhaus Nieder-Roden verlegt worden.

Helmut Krämer besuchte am Samstag natürlich auch den Stand seiner Tochter: die Frankfurterin Meike Junge rundete den bodenständigen Markt ab mit einem Stand, an dem sie unter anderem ihre selbst entworfenen und gehäkelten „Bembel-Topflappen“ verkauft: vom klassischen Grau-Blau bis hin zum Regenbogenbembel, alles aus festen Maschen handgemacht und ausgesprochen attraktiv als kleines Ostergeschenk.

Von Christine Ziesecke

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