Nichts geht über die Suche zu Fuß

Rehkitzretter bereiten sich auf den Beginn der Heuernte vor

+
Mit langen Stangen durchsuchen Helfer des Vereins „Aktion Rehkitz“ eine Wiese nach jungen Tieren. Das Foto stammt aus dem Jahr 2017.

Mitglieder des Vereins „Aktion Rehkitz“ wollen Landwirten auch in diesem Jahr helfen, ihre Wiesen vor der Heuernte nach Tieren abzusuchen. So wollen sie verhindern, dass Rehkitze beim Mähen getötet werden. Die Jungtiere haben noch keinen Fluchtreflex.

Rodgau – Wenn sie im hohen Gras liegen, sind sie für die Fahrer der Mähmaschinen nicht sichtbar. Der Verein setzt auch künftig ehrenamtliche Helfer, die die Wiesen in einer Reihe durchkämmen. Die Suchgruppe besteht aus 38 Freiwilligen, die per Whatsapp verständigt werden. Die „Aktion Rehkitz“ ist in Rodgau, Rödermark und Dreieich tätig. „Dort werden wir immer wieder gern gesehen“, berichtet der neue Vorsitzende Thomas Köthe. Zwischen dem Verein und den Landwirten habe sich ein vertrauensvolles Miteinander entwickelt.

Die Saison steht kurz bevor. Die Heuernte beginnt erfahrungsgemäß Anfang Juni. Im vergangenen Jahr brachten die Rehkitzretter lediglich drei oder vier Kitze in Sicherheit. „Wir haben aber viele Liegeplätze gefunden“, berichtet Köthe. Seine Erklärung: Viele Jungtiere hatten die Wiesen bereits verlassen, weil sie sich wegen des üppigen Nahrungsangebots im Frühjahr schneller als sonst entwickelt hatten.

Große Wiesen können zusätzlich aus der Luft mit Wärmebildkameras abgesucht werden. Dazu verfügt der Verein über zwei Multikopter, deren Software speziell für diesen Zweck verändert wurde. Fünf Piloten können die Fluggeräte steuern. Neue Leute üben zunächst an einem preiswerteren Gerät.

„Der vermehrte Einsatz von Technik allein wird auch zukünftig kein vollständiger Ersatz für engagiertes Suchen der Kitze durch Menschen sein“, betont der Verein in einer Pressemitteilung. „Die Technik der Wärmebildkameras ist noch nicht so weit“, erklärt Thomas Köthe. Die Kameras lieferten nur dann einigermaßen brauchbare Bilder, wenn der Boden deutlich kälter als die Körpertemperatur der Tiere sei.

Interesse an der Natur will der neue Vorstand der „Aktion Rehkitz“ wecken: stehend von links Angelika Schulz, Thomas Köthe, Brigitte Elsässer und Paul Heinke, vor ihnen Michail Gross und Tanja Nicole Köthe.

Vom Technikglauben der letzten Jahre hat sich die „Aktion Rehkitz“ verabschiedet. Das hängt auch mit dem personellen Wechsel an der Vereinsspitze zusammen. Der frühere Vorsitzende und die übrigen Vorstandsmitglieder hatten sich so weit voneinander entfernt, dass an eine Zusammenarbeit nicht mehr zu denken war – und auch in Zukunft nicht mehr möglich ist, wie beide Seiten betonen.

Der neue Vorstand um Thomas Köthe und Angelika Schulz betrieb im Winter und Frühjahr eine rege Mitgliederwerbung, die unter anderem vom Hessischen Rundfunk unterstützt wurde. Einige Neuzugänge nahmen bereits am Frühjahrsspaziergang teil. Der Verein hat rund 270 Mitglieder. Die Mitgliedschaft ist kostenlos.

„Wir versuchen, den Menschen die Natur näher zu bringen“, sagt Thomas Köthe über die neue Ausrichtung des Vereins. Die „Aktion Rehkitz“ strebe die Zusammenarbeit mit Imkern, Jägern und anderen Vereinen an. Sie stehe überregional in Kontakt mit Organisationen wie den „Kitzrettern im Odenwald“.

Infos: aktion-rehkitz.de

VON EKKEHARD WOLF

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare