Selbsthilfevereinigung

Mehr Zulauf dank Werbung: Pro Retina gibt Tipps in neuem Beratungsraum

Helga Johannes ist das Gesicht der Selbsthilfeorganisation Pro Retina. Foto: Karin Klemt
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Helga Johannes ist das Gesicht der Selbsthilfeorganisation Pro Retina.

Seit Jahren ist Helga Johannes in Rodgau das Gesicht der Selbsthilfevereinigung Pro Retina. Seit die sehbehinderte Frau auch die Regionalgruppe Offenbach übernommen hat, ist die Initiative im Aufwind. Die Zahl der Mitglieder stieg von Sommer 2018 von 66 auf aktuell 89.

Rodgau –  Vorwiegend aus Seligenstadt, Mainhausen und Dietzenbach stießen neue Gleichgesinnte hinzu. Helga Johannes führt den Zuwachs auf gezielte Werbung mit Flyern, Handzetteln (die auch bei Ärzten und dem VdK ausliegen) und auf der Homepage im Internet zurück. Vor allem aber habe der vergangenen Sommer neu eröffnete Beratungsraum am Alten Weg 25 großen Anteil am gestiegenen Interesse. Die gelernte Krankenschwester und ihr Mann Walter haben den Raum bei sich zuhause eingerichtet. „Da standen früher Gartengeräte drin“, erzählt die 58-Jährige. Dank Spenden konnten zu Demonstrationszwecken technische Hilfsmittel wie etwa sprechende Uhren und Waagen sowie Lesegeräte angeschafft werden. Und auch für frische Farbe reichte es auch noch. „Ein Tandem haben wir auch. “ Geöffnet ist der Raum jeden ersten Sonntag im Monat von 13 bis 16 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wer möchte, kann telefonisch einen Termin vereinbaren. Das Angebot ist kostenlos.

„In der Beratung ist immer Betrieb. Es kommen nicht nur Patienten, sondern auch Angehörige. Zentrale Fragen Betroffener seien: „Wer kann mir am besten helfen? Wo arbeiten die besten Ärzte? In welches Krankenhaus gehe ich? Helga und Walter Johannes leisten praktische und lebensnahe Hilfe und geben aus eigener und fremder Erfahrung unverbindliche Ratschläge. „Medizinische Untersuchungen oder Rechtsberatung sind für uns tabu. Aber wir vermitteln in Patientensprechstunden, geben die wichtigen Adressen und Ansprechpartner weiter und können Tipps geben, die kennen nicht mal Krankenkassen, noch Augenoptiker oder Ärzte.“ Zu diesen speziellen Tipps gehört zum Beispiel der Hinweis auf ein Adressenverzeichnis sämtlicher Behindertentoiletten in Europa, die mit einem einheitlichen Schlüssel kostenlos geöffnet werden können. „Wir wissen nicht nur von dem Verzeichnis, sondern wir sagen dann auch noch, wie man an den Schlüssel kommt.“

Im Beratungsraum werden auch Schulungen angeboten. Etwa für Krankenschwestern im Umgang mit Blinden und Sehbehinderten. Manchmal geht es dabei um verblüffend einfache Dinge: „Es reicht eben nicht, einem blinden Patienten zum Mittagessen den Teller hinzustellen. Man muss ihm auch sagen, wo das Fleisch, die Kartoffeln und das Gemüse liegen.“

Besonders intensiv sollen Information und Beratung am Alten Weg 25 am Sonntag, 5. Mai, sein. Das ist der bundesweite Tag der Inklusion. Die Selbsthilfevereinigung Pro Retina nutzt ihn in Jügesheim dazu, um Betroffenen zu Wort kommen zu lassen. Sie berichten ab 13 Uhr (bei offenem Ende) zum Tagesthema Inklusion über ihre Erfahrungen mit Sehenden in Schule und Sport. Vertreten sind Kegler, Torballspieler, Tandemfahrer und Tischtennisspieler. Überdies werden optische Hilfsmittel wie Lupen und Bildschirmlesegeräte vorgeführt. Und es gibt Speisen und Getränke.

VON BERNHARD PELKA

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