Staatlich anerkanntes Prüflabor des ZWO sichert Qualität

Spezialisten für sauberes Wasser

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Blick ins Labor: Hier werden mehr als 3 000 Wasserproben pro Jahr untersucht.

Klein, aber leistungsfähig: Im Jügesheimer Wasserwerk gibt es ein staatlich zugelassenes Labor für Trinkwasseruntersuchungen. Sechs Mitarbeiter untersuchen dort 3 000 bis 3 500 Proben pro Jahr.

Rodgau – Nicht jeder Wasserversorger leistet sich ein eigenes Labor – der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) aber schon. Es wurde im Januar zum dritten Mal seit 2004 als Prüflaboratorium akkreditiert.

Dort werden nicht nur eigene Wasserproben analysiert. Das ZWO-Labor arbeitet auch für andere Versorger und sonstige Auftraggeber. Die Auftragsanalytik macht etwa 20 Prozent aus, wie Michael Jung vom ZWO sagt.

Aus 113 Brunnen fördert der Zweckverband das Wasser für rund 350.000 Menschen. Das Grundwasser wird aus einer Tiefe von 25 bis 75 Metern heraufgepumpt.

Jeder Förderbrunnen wird mindestens einmal pro Jahr auf 89 verschiedene Parameter untersucht. Dazu zählen einfache Dinge wie pH-Wert und Sauerstoffgehalt, aber auch Analysen auf zahlreiche Spurenelemente. Es dauert zwei bis drei Wochen, bis alle Parameter untersucht sind. Die längste Zeit benötigt die sogenannte Spurenanalytik. Ein Beispiel: Bevor Analysegeräte den Gehalt an Pflanzenschutzmitteln bestimmen können, müssen die Proben in mehreren Arbeitsschritten aufbereitet werden.

Mitten im Wald liegt die Zentrale des Zweckverbandes Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach in Jügesheim. Unter dem Hügel in der Mitte verbergen sich die Wasserbehälter. In den Gebäuden links sind unter anderem Steuerzentrale und Wasseraufbereitung untergebracht, im modernen Gebäude rechts befinden sich Büros und Labor.

Nicht nur das sogenannte Rohwasser aus den Brunnen landet im Labor. Die beiden Probennehmer sind ständig unterwegs, um Wasserproben zu ziehen. Sie fahren unter anderem zu Grundwassermessstellen, die in einiger Entfernung von den Förderbrunnen angelegt sind. Dadurch ist es möglich, eventuelle Schadstoffe frühzeitig zu erkennen. Auch Trinkwasserspeicher, Übergabestationen zu den Städten und Gemeinden und das Trinkwassernetz in Offenbach werden regelmäßig beprobt.

Kontrollen in den sechs Wasserwerken dienen dazu, eine optimale Steuerung der Anlagen zu gewährleisten. Das betrifft unter anderem die Entsäuerung des Rohwassers.

Durch physikalische, chemische und mikrobiologische Untersuchungen stellt das ZWO-Labor sicher, dass das Trinkwasser immer in bester Qualität abgegeben wird. Der Leiter des Labors, Dr. Harald Partscht: „Das akkreditierte Labor des ZWO kann eine hervorragende Trinkwasserqualität attestieren. Das Trinkwasser beinhaltet weder irgendwelche Zusätze noch muss es aus hygienischen Gründen gechlort werden. Die Messergebnisse gemäß Trinkwasserverordnung liegen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten.“

Die größten Sorgen bereiten dem Wasserversorger zwei Stoffgruppen: Chlorkohlenwasserstoffe (CKW) aus der Industrie und Nitrat aus der Landwirtschaft. Beide sind Beispiele dafür, dass sich Belastungen des Grundwassers über viele Jahre hinziehen.

Vor drei Jahrzehnten gelangten CKW-Lösemittel durch Industriebetriebe ins Grundwasser. Noch heute sind einige Brunnen in der Nähe des Wasserwerks Lange Schneise damit belastet. Sogenannte Strippanlagen laufen Tag und Nacht, um das Wasser von den Lösemitteln befreien.

Auch der erhöhte Nitratgehalt im Grundwasser lässt sich nicht von heute auf morgen verringern. Seit den 90er-Jahren besteht eine Arbeitsgruppe von Landwirten und dem Wasserzweckverband, um das Problem gemeinsam zu lösen. Der ZWO berät die Landwirte. Dazu gehören Bodenproben und Düngeempfehlungen sowie Anbauversuche mit bestimmten Pflanzensorten. Wer niedrige Nitratwerte erreicht und dafür Ernteeinbußen hinnehmen muss, kann einen finanziellen Ausgleich erhalten. Dennoch bleibt Nitrat ein Sorgenkind: Mit 12 bis 33 Milligramm pro Liter (mg/l) lag der Nitratgehalt im Trinkwasser im vierten Quartal nicht weit vom gesetzlichen Grenzwert (50 mg/l) entfernt.

Von Ekkehard Wolf

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