Wenn die Schranken unten bleiben

Ärger am Bahnübergang Krümmlingsweg - warum bleiben die Schranken unten?

+
Trotz Rotlicht und geschlossener Schranken überqueren manche Autofahrer die Gleise am Krümmlingsweg. 

Was ist mit den Bahnschranken am Krümmlingsweg los? In letzter Zeit häufen sich die technischen Störungen, wie ein Anwohner berichtet. Die Schranken bleiben unten, wenn die S-Bahn durchgefahren ist.

Nieder-Roden – Was ist mit den Bahnschranken am Krümmlingsweg los? In letzter Zeit häufen sich die technischen Störungen, wie ein Anwohner berichtet. Die Schranken bleiben unten, wenn die S-Bahn durchgefahren ist. Dann muss ein Techniker kommen, um die Anlage wieder in Gang zu setzen.

Seit eineinhalb Jahren wohnt Fabian Elgner neben dem Bahnübergang. Er beobachtet zunehmende Störungen: anfangs vielleicht einmal im Monat, dann bis zu einmal pro Woche. Anfang Juni blieben die Schranken sogar eine Woche lang zu, wie er berichtet. Die Telefonnummer der Technik-Hotline (EVZS, Region Mitte) hat er in seinem Handy gespeichert: „Da rufe ich regelmäßig an.“

Die wiederholten Störungen verleiten manche Verkehrsteilnehmer zu lebensgefährlichem Verhalten: Sie umfahren die Halbschranken und überqueren die Gleise. „Dies gilt als gefährlicher Eingriff in den Schienenverkehr“, heißt es in der Enzyklopädie Wikipedia. Falls ein Gericht dieser Einschätzung folgt, kann man dafür ins Gefängnis kommen.

Die Betriebstechnik der Bahn ist so ausgelegt, dass sie im Fall einer Störung auf den sichersten Zustand zurückfällt. Im Zweifelsfall bleiben die Schranken unten und die Signale auf Rot. Für den Bahnübergang am Krümmlingsweg bedeutet das: „Jede S-Bahn, die vorbeifahren will, hält an und gibt einen Signalton“, wie Fabian Elgner berichtet. Das laute Hupen dient zwar der Sicherheit, nervt aber auch die Anwohner. Elgner: „Bei uns im Haus wohnen auch zwei Babys. Sie wachen nachts auf.“

Die Deutsche Bahn (DB) ist auf Anfrage unserer Zeitung seit Mittwoch nicht in der Lage, die Häufigkeit, Ursachen und Dauer der Störungen zu benennen. Damit hängt auch die Frage zusammen, wie sich weitere Pannen vermeiden lassen. Oder wäre es sinnvoll, die Anlage komplett zu erneuern? Sobald die Antworten vorliegen, wird unsere Zeitung darüber berichten.

Die DB betreibt nach eigenen Angaben noch 16 541 Bahnübergänge (Stand: Ende 2017), davon rund 38 Prozent ohne technische Sicherung. Mitte der 1990-er Jahre seien es noch 28 000 Bahnübergänge gewesen.

Der Bau der Rodgau-S-Bahn in den Jahren 2001 bis 2003 verringerte die Anzahl der Bahnübergänge im Stadtgebiet von neun auf drei. In der Planungsphase hatte die Bahn intensiv dafür geworben, auf schienengleiche Querungen zu verzichten. Ein Argument waren damals auch mögliche technische Störungen: Jede Verzögerung gefährde die Pünktlichkeit der S-Bahnen und damit den Taktverkehr im RMV-Gebiet.

Mit einer Informationskampagne unter dem Motto „sicher drüber“ machen Deutsche Bahn, ADAC und andere Organisationen auf die Gefahren an Bahnübergängen aufmerksam. Mehr als 90 Prozent der Unfälle passierten aus Leichtsinn, Ungeduld und Unkenntnis, berichtet die DB.

Züge haben am Bahnübergang immer Vorrang vor dem Straßenverkehr. Aus gutem Grund: Schienenfahrzeuge können nicht ausweichen. Ein Zug mit Tempo 100 braucht selbst bei einer Vollbremsung bis zu 1000 Meter, bis er endlich steht.

VON EKKEHARD WOLF

Das könnte Sie auch interessieren:

Taschendiebe am Badesee Nieder-Roden erwischt

Am Donnerstagabend kommt es am Badesee Nieder-Roden zu mehreren Taschendiebstählen. Die Polizei ermittelt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare