Unwetter-Schäden

Rodgau hilft im Hochwassergebiet: Firmen und Privatleute zeigen große Spendenbereitschaft

Konserven, Süßigkeiten und weitere haltbare Nahrungsmittel stapeln sich zum Abtransport bereit. Viele helfende Hände unterstützen die Aktion des Gewerbevereins Rodgau.
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Konserven, Süßigkeiten und weitere haltbare Nahrungsmittel stapeln sich zum Abtransport bereit. Viele helfende Hände unterstützen die Aktion des Gewerbevereins Rodgau.

Die Not der Menschen in den Hochwassergebieten hat auch in Rodgau (Kreis Offenbach) eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Eine spontane Hilfsaktion fand ein unerwartet großes Echo.

Rodgau – Sieben Fahrzeuge mit knapp 15 Tonnen Hilfsgütern starteten am Samstagmorgen (17.07.2021) in Richtung Eifel. Tags zuvor hatte der Vorstand des Gewerbevereins zu Sach- und Geldspenden aufgerufen. Tobias Schott vom Eventwerk Rodgau nahm die Organisation in die Hand.

Groß- und Einzelhandel stellten haltbare Lebensmittel bereit. „Die Selgros-Gruppe hat uns unter anderem sechs Paletten Nudeln gegeben“, berichtet Schott. Auch bei Edeka-Ermel und im Rewe-Center Dudenhofen sei die Bitte auf offene Ohren gestoßen: „Binnen weniger Minuten haben sie reagiert und ihre Lager ausgeräumt.“

Flutkatastrophe: Viele Unternehmen und mehr als 200 private Spender aus Rodgau

Die Aktion sei „ein Beweis, wie ein Beitrag zur Solidarität realisiert wird“, schrieb Stefan Hammel von der Firma Harema, die Reinigungsmittel und -geräte beisteuerte. Auch das Unternehmen Omnident aus Nieder-Roden war unter den Unterstützern. Ein Bekleidungshersteller lieferte T-Shirts in riesiger Stückzahl.

Auch viele Privatpersonen folgten dem Aufruf, der über soziale Medien verbreitet wurde. Die Helfer des Eventwerks hatten alle Hände voll zu tun. „Mehr als 200 private Spender haben mit Autos Sachen angeliefert“, berichtet Tobias Schott: „Sie sind teilweise noch Einkaufen gefahren und haben ihre Einkäufe geliefert.“

Hilfsgüter im Wert von mehr als 100.000 Euro aus Rodgau in die Eifel gebracht

„Alleine an direkten Spenden hatten wir am ersten Tag einen Wert von 25 .000 Euro“, schätzt Schott. Der erste Hilfskonvoi am Samstag beförderte mehr als 60 Kubikmeter Ladung mit einem Gewicht von knapp 15 Tonnen. Weitere Fahrzeuge wurden am Sonntag auf dem Parkplatz des Großhandelsmarkts Selgros beladen. Der Warenwert betrage insgesamt mehr als 100 000 Euro, sagte Schott am Sonntagmittag. Auch Stromgeneratoren und andere technische Geräte würden gespendet.

Wohin mit all den Sachen? Neben Sammlung und Transport der Sachspenden muss ja auch die Verteilung vor Ort organisiert werden. Nach vielen Telefonaten fand der Gewerbeverein eine Annahmestelle für seine Spenden in der Eifel-Gemeinde Nettersheim im Kreis Euskirchen. Dort hatten Freiwillige am Freitag ein Depot eingerichtet. Dazu hatten sie das Dorfgemeinschaftshaus des Ortsteils Zingsheim (900 Einwohner) leer geräumt. Zwölf Stunden täglich sind die Ehrenamtlichen seither damit beschäftigt, Sachspenden anzunehmen und auszugeben. Vielen Menschen im Ort und der Umgebung fehlt es am Nötigsten: Kleidung, Decken, Bettwäsche, Schuhe.

„Bitte keine Sachspenden mehr bringen“, schrieb Bürgermeister Norbert Crump bereits am Freitag auf der Internetseite der Gemeinde. Die Hilfsbereitschaft sei überwältigend und das Spendendepot laufe schon über: „Alle Bedürftigen können gerne vorbeikommen und sich kostenlos bedienen.“

Bereit zur Abfahrt: Mit Kleinlastern, Transportern und Anhängern brachten Freiwillige am Samstag 15 Tonnen Hilfsgüter ins Katastrophengebiet.

Kreis Offenbach: Großes Dankeschön aus Nettersbach nach Rodgau

Die Fülle des Angebots ist nicht zuletzt dem Hilfskonvoi aus Rodgau zu verdanken. „Wir haben mit den Rodgauer Spenden ein wenig die Kapazität gesprengt“, meldete das Eventwerk Rodgau am Samstag via Facebook: „Wir sollen ganz liebe Grüße und ein großes Dankeschön (...) ausrichten. So viel Hilfe hätten sie niemals erwartet.“

Bereits am Donnerstag waren Einsatzkräfte der Feuerwehr Rodgau mit dem Hilfskontingent des Kreises Offenbach nach Nordrhein-Westfalen gestartet. Der Einsatzleitwagen aus Rodgau diente dabei als Führungsfahrzeug. Auch Stromerzeuger, Tauchpumpen und eine mobile Tankstelle aus Rodgau leisteten im Katastrophengebiet gute Dienste. (Ekkehard Wolf)

Aus dem Landkreis Offenbach sind zahlreiche Helfer bei der Flutkatastrophe vor Ort. Einer der Helfer berichtet von seinen Erlebnissen: etwas Vergleichbares hat er noch nie gesehen.

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