Temperaturen eine Herausforderung

Hitze setzt auch dem Kompost auf der Kompostanlage in Dudenhofen zu

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Mit einem Thermometer, das einer Lanze gleicht, misst Anlagenleiter Sören Buchheim die Temperatur im Innern der Rottemiete. 

Die Hitzewelle stellt die Stadtwerke-Mannschaft auf der Kompostanlage in Dudenhofen vor eine große Herausforderung. Der Verrottungsprozess könnte wegen zu großer Trockenheit stoppen.

Rodgau – Deshalb arbeiten Anlagenleiter Sören Buchheim und seine Männer mit einem Trick. Sie haben in einen alten Feuerwehrschlauch Löcher gestochen, aus denen Wasser in die Biomasse eindringt. Der etwa 30 Meter lange Schlauch wird auf die rund fünf Meter hohen Verrottungsberge (Kompostmieten) gelegt, dann heißt es: Wasser marsch! Aus einem Tiefenbrunnen rieselt das kühle Nass dorthin, wo es zur Verrottung des zuvor geschredderten Grünschnitts gebraucht wird: mitten rein in die Miete. 

So grobschlächtig das Handwerk mit Tieflader und Mega-Schredder auf dem Platz in der Blumenau auch aussehen mag: Der Reifeprozess ist filigran und basiert auf einem ausgeklügelten Zusammenspiel von Sauerstoffzufuhr, Wasserzugabe und rechtzeitigem Umsetzen der Ware. Bis die Rodgauer ihren Fertigkompost mit Gütesiegel bekommen, dauert es acht bis zwölf Wochen. 

Beim Schreddern des Grünschnitts geht’s rustikal zur Sache.

In denen durchläuft der Kompost – je nach Reifegrad – auf dem Platz mehrere Stationen. Bis er endlich gesiebt werden kann. Optimal sind Temperaturen in der Rottemiete von 70 bis 80 Grad. Aktuell kommen aber auch schon mal 90 Grad vor. Von denen kühlt der begehrte Dünger im Lauf der Wochen auf 25 Grad runter. Dann können die Kunden den Bodenverbesserer problemlos ins Auto laden. 

Man muss nicht fürchten, sich damit Unkraut in den Garten zu holen. „So bei ungefähr 75 Grad gehen alle Samen kaputt“, versichert Sören Buchheim. Der Mann mit den vielen Talenten (er ist gelernter Bauschlosser, Kunstschmied und Drucker) hat die Übernahme der Kompostanlage von Anfang an begleitet. Unter privater Führung kam es immer wieder zu Selbstentzündungen und die Feuerwehr war Dauergast. Diese Zeiten sind vorbei, seit die Stadtwerke Regie führen. Zum Glück.

Von Bernhard Pelka

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