Wirte fühlen sich alleingelassen

Initiative kritisiert: Für Öffnung der Lokale gab es keine Hilfestellung

+
Öffnung mit Hindernissen: 16 Gastwirte haben sich zusammengetan, um sich zu helfen und auszutauschen.

Wirte in Rodgau beklagen, dass eine Öffnung ihrer Lokale sich nicht rechnet. Von der Stadt fühlen sie sich alleingelassen.

Rodgau – Kurzfristige Änderungen der Vorgaben durch den Gesetzgeber, zusätzliche Kosten sowie ein hoher Personalaufwand für die Umsetzung der Hygieneregeln und vor allem viel Erklärungsbedarf: Wenn heute Rodgauer Lokale ihre Türen wieder öffnen, haben viele Gastwirte schlecht geschlafen.

Die zum Teil komplizierten Auflagen, unter denen die Geschäftsleute Gäste bewirten dürfen, machen ihnen zu schaffen. Vom Hotel- und Gaststättenverband als auch von der Stadt Rodgau fühlen sich die Unternehmer im Stich gelassen. „Da gab es keine Hilfestellung“, kritisiert Jürgen Herr vom Journal.

Nun haben sich erstmals 16 Betriebe zusammengetan, um diese schwierige Zeit besser überstehen zu können. Vor allem der Austausch und praktische Tipps sind allen wichtig. Sie haben eine Whatsapp-Gruppe gegründet, um in kurzer Zeit den Informationsfluss gewährleisten zu können, weil sich dauernd Vorgaben ändern.

Jürgen Herr zählt auf, was es zu beachten gilt: „Hygieneregeln einhalten, Abstand von 1,5 Metern gewährleisten, pro Gast müssen fünf Quadratmeter zur Verfügung stehen – drinnen wie draußen, außerdem muss Küchen- und Servicepersonal Mund- und Nasenschutz tragen.“ Darüber hinaus werden Besucher registriert, um sie bei einer Corona-Infektion benachrichtigen zu können.

Kein großartiges Geschäft für Wirte in Rodgau

Simone Döbert von Döberts Wirtshaus graust es davor, den Gästen immer wieder die Spielregeln erklären zu müssen, die nun für den Besuch eines Lokals gelten: Deswegen haben die beteiligten Wirte Verhaltensregeln entwickelt, um wenigstens einheitlich agieren zu können, und hoffen auf das Verständnis ihrer Kundschaft.

Markus Werner vom Mauds rechnet vor: von seinen 68 Sitzplätzen im alten Bahnhofsgebäude in Nieder-Roden bleiben jetzt 23 übrig, von 78 Freiluftplätzen nur 26. Klar sei es absehbar, dass sich unter diesen Bedingungen kein großartiges Geschäft machen lasse, meint auch Marcel Bischoff vom gleichnamigen Gasthaus und Hotel. Doch die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern mache es notwendig, die Lokale wieder zu öffnen.

Unter dem Motto: „Es bleibt uns nichts anderes übrig“ bestehe für die Wirte der Spagat nun zwischen der kaufmännischen Notwendigkeit, jeden Sitzplatz ein zweites Mal besetzen zu müssen, und der Gemütlichkeit, die sich jeder Gaststättenbesucher für seinen Aufenthalt wünsche, meint Küchenchef Jürgen Herr.

Und Markus Werner glaubt, das Ganze sei ein bisschen wie „jemand den Kopf abgerissen und Pflaster darüber geklebt“.

VON SIMONE WEIL

Viele Gastronomen fürchten, wegen der strengen Auflagen nicht wirtschaftlich arbeiten zu können. Einige Gaststätten sollen daher trotz Corona-Lockerungen erstmal geschlossen bleiben. Die Gastronomen in Hessen haben dabei Bauchschmerzen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare