Ein Traum von Feuerwehrauto

54 Jahre altes Löschfahrzeug sucht einen neuen Unterstand

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54 Jahre auf den Reifen, aber erst original 23840 Kilometer gelaufen: Winters Magirus.

Rodgau – Schon vor einigen Jahren hat sich Stadtbrandinspektor Andreas Winter einen Traum auf vier Rädern erfüllt. Zusammen mit Feuerwehrkollegen holte er aus Ex-Jugoslawien ein altes Löschfahrzeug zurück nach Jügesheim. Von Bernhard Pelka 

Dort hatte es bis zu seiner Ausmusterung und Überführung im August 1987 lebensrettenden Dienst getan. Jetzt sucht Winter für seinen Oldtimer eine neue Unterstellmöglichkeit, da er die bisherige Garage (eine Scheune in Dudenhofen) räumen muss.

Bullig steht er da, der Magirus 150 D 10 mit zehn Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. In den seitlichen Stauräumen für Geräte liegen hinter massiven Klappen noch alte Schläuche, Strahlrohe, ein Hitzeschutzanzug und weitere Ausrüstung aus den 60er Jahren. Die schweren Türen fallen satt ins Schloss, die Motorhaube ist bleischwer, die dicke Stoßstange eine echte Wucht. Das feuerrote Tanklöschfahrzeug 16 stammt eben noch aus einer Zeit, in der die Automobilindustrie mit Rohstoffen nicht gespart hat: 1965. Bleche waren damals nicht 0,4 Millimeter stark, sondern vier, der Lack nicht 0,02 Millimeter, sondern zwei Millimeter. Heute hat so ein Dinosaurier Seltenheitswert.

Stadtbrandinspektor Andreas Winter hat den Oldie im Februar 2005 mit Kollegen vom Hof der Zagreber Feuerwehr im Stadtteil Vukovina in einer abenteuerlichen Fahrt zurück nach Hause geholt. „Ich bin als Zwölfjähriger in der Jugendfeuerwehr mit dem Einsatzwagen groß geworden. Und auch beim letzten Einsatz habe ich hinten auf der Holzbank gesessen“, schildert der Leiter der Stabsstelle Feuerwehr seine besondere Beziehung zu dem TLF 16. Im Jahr 1965 war es bei Magirus in Ulm gebaut und an die damals noch selbstständige Gemeinde Jügesheim ausgeliefert worden. Bis August 1987 war es im Einsatz. Ein altes Fahrtenbuch schildert brenzlige

Andreas Winter hat noch viel mit seinem Oldtimer vor. 

Situationen: „Wiesenbrand Lange Straße, 4 Mann, 1 Stunde“, steht darin zu lesen. Und „Rohrbruch in der Hochstädter Straße 12, Keller ausgepumpt, 3 Mann von 9 bis 12 Uhr“. Oder „Alarm Volksschule Frankfurter Straße (heutige Kasseler Straße), 1 Stunde“.

2400 Liter Löschwasser waren an Bord. Für den Angriffstrupp und den Wassertrupp standen vier Atemschutzgeräte bereit. Das war damals noch nicht selbstverständlich. Eine Besonderheit ist auch die wuchtige Seilwinde an der Stoßstange. Das Windengehäuse aus Gusseisen ist wegen Überlastung zwar geplatzt. „Wir haben aber schon Originalersatz gefunden“, freut sich Winter. Generell ist der Wagen noch im Originalzustand – was unter Kennern als reizvoll gilt.

150 Pferdestärken und ein bäriges Drehmoment wuchtet der unverwüstliche Sechzylinder an die Kurbelwelle. Allradantrieb macht das Fahrzeug geländegängig. Bei Flächen- und Waldbränden war das von großem Vorteil.

Der letzte Einsatz führte den Magirus zum Brand eines Kinderzimmers in den Liebermannring. Wenige Tage danach überführten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Jügesheim das gute Stück in einem Konvoi nach Zagreb. Dort fanden im August 1987 die Olympischen Spiele der Studenten statt, die Universiade. „Es kam von dort ein Hilfeersuchen. Viele Feuerwehren im Kreis Offenbach sind dem gefolgt“, erzählt Winter. Die Offenbacher unterstützten die Zagreber Kollegen während der Spiele bei der Gefahrenabwehr. Und das TLF 16 aus Jügesheim blieb gleich dort – als Geschenk. Zuhause stand schon neuer Ersatz im Feuerwehrhaus am Ostring.

Die Beziehungen nach Jugoslawien rissen nie ab. Mit Donja Stubica besteht sogar eine Städtepartnerschaft. So kam‘s, dass der alte Eckhauber 2005 durch ein jüngeres Löschfahrzeug aus Rodgau abgelöst wurde – und zurückkehrte in seine Heimat.

Wie werde ich Werkfeuerwehrmann/-frau?

Feuerwehrautoliebhaber Winter besitzt zusammen mit Freunden noch ein weiteres Tanklöschfahrzeug dieses Typs. Die Besonderheit: Beide haben unmittelbar aufeinander folgende Fahrgestellnummern. In Mühlheim-Dietesheim leistete es bis zum Wechsel in Rodgauer Privathände gute Dienste. Im Fuhrpark befindet sich übrigens auch noch eine alte Drehleiter. Aber das ist eine ganz andere Geschichte...

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