Tanja Lehmberg zeigt ihre Sammlung

Button vom Prinzenpaar in der Rodgauer Kruschelschublade

Blick in die Schublade von Tanja Lehmberg.
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Ersatzmaske, Prinzenpaar-Button und Taschenventilator: Sammelsurium von Tanja Lehmberg.

Es gibt sie in fast jedem Rodgauer Haushalt. Dort landet alles, was kein festes Plätzchen hat, aber aufgehoben werden soll. Eine Kruschel- oder Krimskramsschublade ist die perfekte Lösung, wenn man nicht weiß, wohin mit Streichhölzern, Gummiringen, Staubtuch, Tütchen mit Blumenfrisch, dem Klingelschild aus der früheren Wohnung oder den zwei Fliesen aus Portugal.

Jügesheim – Auch das Tischkehrset fügt sich ein. Drinnen mag heilloses Chaos herrschen, doch von außen betrachtet, sieht die Wohnung ordentlich aus. Für viele ist es die Küchenschublade, in der alles landet. Bei anderen Menschen gibt es eine Verstaumöglichkeit im Flur, bei anderen im Arbeitszimmer. Selbst Ordnungsratgeber, die beim Organisieren helfen wollen, lassen eine Schublade dieser Art zu. Aber wohlgemerkt: nur eine.

In Tanja Lehmbergs Kruschelschublade in ihrem Laden Gipsart liegt ein buntes Sammelsurium nützlicher, aber auch weniger wichtiger Dinge: vom mobilen Geldkartenlesegerät, über einen Quittungsblock, Deo und Reißzwecken bis zum Handyladekabel findet sich vieles.

Mit dem Lippenstift im Modefarbton Koralle hat die Geschäftsfrau den richtigen Griff getan. Ganz in der Nähe weilt ein Button, der sie mit Mann Matthias als Prinzenpaar zeigt. Die hiesigen Narren haben die gelernte Hotelkauffrau vor fünf Jahren zur Fastnachtsprinzessin gekürt. Sie ist stolz auf ihre närrische Karriere, deswegen wird der Anstecker in Ehren gehalten. „Man kann sich nicht um dieses Amt bewerben, sondern wird gefragt, ob man es macht“, erklärt die Norddeutsche.

Richtig gut eingelebt hat sich die 49-Jährige, die am 10. 2020 ihren 50. Geburtstag feiert. Obwohl sie vom platten Land zwischen Bremen und Hannover stammt, ist sie längst heimisch geworden in Jügesheim Doch bis heute kann sich die Hoheit a. D. zumindest für zwei hiesige Spezialitäten nicht erwärmen: „Mayonaise mit grünem Rasen“ (damit meint sie Grüne Soße) und Apfelwein. Weil ihre Abneigung gegen das saure Getränk bekannt war, gab es für sie „Prinzessin-Schorle“, also Apfelwein mit Fanta.

Auch wenn es beim Gedanken an einen Süßgespritzten so manchem Hessen graust: Handkäs etwa liebt das Nordlicht. Über Arbeitsplätze in der Gastronomie und im Steigenberger Hotel in Bad Homburg war der Sprung nach Hessen gemacht. Der Liebe wegen zog es Tanja Lehmberg schließlich nach Giesem: Gatte Matthias Lehmberg betreibt dort sein Dentallabor.

Die Materialien, mit denen der Zahntechniker arbeitet, brachten seine Frau auf eine Idee: Nicht nur von Zähnen lassen sich 3D-Abdrücke fertigen, sondern auch von Babyfüßen und Kinderhänden. Aber auch Paarabdrücke sollen die Erinnerung an besondere Momente lebendig halten. Im Jahr 2009 gründete sie ihr Unternehmen Gipsart, 2013 eröffnete sie ihren Laden an der Vordergasse in Jügesheim.

In der Kruschelschublade im Geschäft befinden sich: ein Taschenventilator, ein Handyobjekthalter, ein USB-Stick in Form von Comic-Katze Tom aus Tom und Jerry, ein Teebeutelhalter, Ersatzschlüssel, Schere, Handcreme. Unter dem Krimskrams ist auch der Schlüssel für den rosafarbenen Waffelwagen, mit dem das Paar normalerweise bei Festen vertreten ist, um Waffeln am Stiel mit Glitzer und Soße zu verkaufen. „Nach 20 Jahren Ehe machen andere eine Therapie oder einen Tanzkurs, wir gehen Waffel backen“, witzelt Tanja Lehmberg.

Tanja Lehmberg Geschäftsfrau

Neben Kopfschmerztabletten liegt ein aktueller Duft und ein elastisches Klebeband: Das kommt übers Pflaster und hält super fest, weil sich die Fachfrau für Gipsabdrücke oft bei der Arbeit in der Werkstatt mit dem Skalpell verletzt. Ganz wichtig in ihrer Schublade ist aber auch die Vorlage fürs „Handlettering“, das Schönschreiben oder Gestalten von Schriften etwa auf Tafeln.

Sollten auch Sie über eine solche Schatzkiste verfügen, Humor besitzen, in Rodgau leben und der Redaktion einen Einblick gestatten, melden Sie sich: z 6106 66821-24 oder red.rodgau@op-online.de. Es ist nicht wichtig, dass sich etwas Besonderes in der Sammlung befindet, die bunte Mischung macht es! (Von Simone Weil)

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