Kultur

Kinos bleiben trotz Corona-Lockerungen zu – aus gutem Grund

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Statt Filmplakaten hängen bekannte Filmzitate im Kino-Schaukasten.

Kino-Fans aus Rodgau müssen weiter waren: Die beiden Lichtspielhäuser in Jügesheim bleiben vorerst geschlossen. 

Jügesheim – Kinofans müssen in Rodgau nach der Corona-Pause weiterhin auf den Kinobesuch verzichten. Die beiden Lichtspielhäuser in Jügesheim dürfen zwar jetzt wieder öffnen, aber sie bleiben noch zu. Der Grund: Es gibt kaum aktuelle Filme. 

Die Verleihfirmen haben ihre Neustarts in den Spätsommer und Herbst verschoben. Auch viele Filme, die vor der Corona-Pause auf den Markt kamen, sind für die Kinos gestorben: Die Auswertung als DVD oder in Online-Kanälen wurde vorgezogen.

„Wir lassen das Kino noch zu, es lohnt sich nicht“, sagt Max Keck, der Geschäftsführer der Kronen-Lichtspiele. Mit „alten“ Filmen aus dem Repertoire lasse sich kaum Publikum ins Kino locken: „Die Leute sind nicht bereit, acht Euro für ein Ticket zu bezahlen, wenn sie diese Filme für 6,99 Euro im Monat bei Netflix schauen können.“ Auch Gesichtsmasken, Desinfektion und der Verzicht auf Popcorn seien nicht gerade dazu angetan, das Kinoerlebnis zu steigern.

Von den beiden Sälen mit 134 und 54 Plätzen sei derzeit ohnehin nur der große Saal bespielbar – mit höchstens 20 Besuchern, um den vorgeschriebenen Abstand einzuhalten.

„Wenn die Abstandsregeln sich ein bisschen ändern und die Leute nicht mit Maske reinmüssen“, will Keck den Betrieb wieder aufnehmen. „Im August, September kommen die ersten Filme heraus. Den neuen Bond haben sie auf November verlegt.“

Auch die Saalbau-Lichtspiele pausieren noch. „Was die Hygieneregeln angeht, sind wir gut dabei. Aber was uns fehlt, sind die Filme“, erklärt Harald Göbel, der das Kino gemeinsam mit seiner Schwester Katja Steckenreiter betreibt. Die Filmverleiher hätten ihre Neustarts reihenweise storniert, oft ohne einen neuen Termin zu nennen. Der Kinderfilm „Minions“ sei sogar um ein Jahr auf den Sommer 2021 verschoben worden. „Wir hätten gerne noch Filme aus den Osterferien gespielt. Aber die haben die Verleiher schon digital vermarktet.“

Trotz der guten Erfahrungen mit 20 Jahren Frauenfilmreihe hält es Göbel nicht für Erfolg versprechend, es mit einer Art Programmkino zu versuchen. Rodgau sei dafür zu klein. „Wir brauchen die Neugierde der Leute auf einen neuen Film, auf eine neue Geschichte – zusammen lachen, zusammen Spannung erleben . . .“

Die Ticket-Software ist bereits auf die Abstandsregeln programmiert. Das System vergibt die nummerierten Plätze automatisch im richtigen Abstand. Wenn die Besucher in Zweiergruppen kommen, passen etwa 70 Leute in den großen Saal und 40 in den kleinen. Für einen normalen Besucherandrang reicht das aus.

Der Stillstand sei kein wirtschaftliches Problem, betont Harald Göbel. Die laufenden Kosten seien überschaubar. „Wir haben die Zeit genutzt, die Maschinen warten zu lassen. Außerdem sind wir im Gespräch über eine neue Bestuhlung für Saal 1. Uns wird es definitiv weiter geben.“ Es sei ein schöner Vertrauensbeweis, dass viele Besucher bereits Gutscheine für die Zeit nach der Corona-Pause gekauft hätten: „Wir freuen uns alle darauf, weiterzumachen.“

Das kann man auch in den Schaukästen lesen. Statt eines Filmplakats grüßt dort der rosarote Panther: „Heute ist nicht alle Tage; wir kommen wieder, keine Frage.“

Von Ekkehard Wolf


Währenddessen hat die Stadt Offenbach für den Erhalt der Kultur eine große Spendenkampagne gestartet. So können Bürger ihren Lieblingskulturorten helfen.

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