Kommentar

Kitaplatz als Geschenk: Guter Wille ohne Weitsicht

Bernhard Pelka kommentiert den verschenkten Kita-Platz in Rodgau.

Gerade vor Weihnachten ist es etwas fürs Herz und eine anrührende Geste, dass die Stadt Rodgau einem Kind ausgerechnet einen der heiß begehrten Kitaplätze schenkt.

Rodgau - Schließlich sind Betreuungsmöglichkeiten in der größten Stadt des Landkreises Offenbach ein rares Gut. Gemäß Kita-Bedarfsplan fehlen 469 Plätze. Die Stadt hat bei ihrer Wunschbaumaktion einem Kind und dessen Eltern also quasi einen Sechser im Lotto verschafft. Das ist mehr als großzügig und spiegelt den guten Geist, der diese beispielhafte Gemeinschaftsaktion von Stadt und Kinderschutzbund beseelt.

Vor lauter gutem Willen ist die Sache in diesem einen Punkt allerdings aus dem Ruder gelaufen. Vielleicht haben sich die Beteiligten beim Wunsch nach dem Kitaplatz am sozialen Gewissen und ihrer Ehre gepackt gefühlt – und haben deshalb so entschieden. Weitsichtig war das nicht. Denn damit nährt die Rathausspitze ohne Not durch unglückliches Handling den Vorwurf, ungerecht gegenüber Eltern zu sein, deren Kinder auf einer Warteliste stehen. Werden sie deshalb auf die Barrikaden gehen?

Und: Wie will man jetzt verhindern, dass im nächsten Advent bei Wiederholung der Wunschbaumaktion dieselbe Bitte erneut geäußert wird? Die Verantwortlichen werden aus diesem Dilemma nur herauskommen, sofern sie sich bei der weihnachtlichen Geschenkaktion künftig an die selbst gesetzten Regeln halten. Und zwar ohne Wenn und Aber.

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