Passion und Therapie

Handarbeiten wiederentdeckt: „Kniddelfee“ Christine Wagner

Christine Wagner daheim beim Stricken: Socken gehen immer – vor allem in der S-Bahn.
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Christine Wagner daheim beim Stricken: Socken gehen immer – vor allem in der S-Bahn.

Ohne Strickzeug in der S-Bahn? Für Christine Wagner völlig undenkbar: Auf ihrer fast 40-minütigen Fahrt zum Frankfurter Arbeitsplatz ist ein Säckchen mit Wolle für Socken samt Stricknadeln immer im Gepäck.

Rodgau – Das lässt sich im Zug einfach toll mitnehmen, findet die 54-Jährige. „Wenn ich mal nichts in der Hand habe, werde ich gefragt, ob ich krank bin“, erzählt sie.

Schon seit ihrer Kindheit habe sie sich für Handarbeiten interessiert. Mit 14 hat ihr eine Großtante das Sockenstricken beigebracht. Daraus ist eine große Leidenschaft fürs Sticken, Stricken, Häkeln und Nähen entstanden. „Ich kann dabei toll entspannen, das macht mich einfach gelassener“, erzählt die Angestellte. Sie kann gut nachdenken beim Stricken und es kommt auch noch etwas Schönes dabei heraus. „Es hat fast etwas Therapeutisches“, findet der Wollfan.

Denn eigentlich hat die dunkelhaarige Frau ein Temperament, das sie kaum still sitzen lässt. Christine Wagner hat auch wenig Langmut. „Aber wenn ich handarbeite, habe ich alle Geduld der Welt“, erzählt sie. Ab und zu könne es trotzdem geschehen, dass mal etwas in die Ecke gefeuert werde.

Irgendwann waren zu viele Socken und Mützen gestrickt und so entstand schließlich die Idee, die entstandenen Wollwaren zu verkaufen. Seit fünf Jahren etwa nimmt die Mutter zweier erwachsener Kinder an Advents- und Ostermarkt teil und bietet ihre Waren auch per Online-Shop an. Von ihrem Mann stammt die Formulierung „Kniddel-Tante“ (vom englischen „to knit“ für stricken), die sie als Markenname in das freundlichere „Kniddelfee“ abgewandelt hat.

Bunte Mützen machen den Winter farbenfroh.

Inzwischen bietet Christine Wagner bei Märkten Kuscheltücher für Babys, lustige Kinderwagenketten mit bunten Figuren, Stulpen, Topflappen, Mützen, Schals, Handschuhe und immer wieder Socken in allen möglichen Größen an. Nicht immer sind alle Produkte vorrätig, können aber auf Wunsch bestellt und angefertigt werden. Neben den Wollwaren verkauft die Strickbegeisterte an Ostern auch selbst dekorierte Ziereier mit sogenannten Occhi-Spitzen.

Lustiges Spielzeug beschäftigt den Nachwuchs.

Gerne probiert die Handarbeiterin auch neue Techniken aus und achtet auf Qualität der Wolle. Auftrieb und neues Selbstbewusstsein hat ihr eine vorübergehende Tätigkeit als freie Handarbeits-Designerin für eine Firma gegeben, die Garne und Reißverschlüsse herstellte. Denn irgendwie haderte Christine Wagner selbst lange Zeit mit ihrem Hobby, das altbacken und angestaubt rüberkam. Das hat sich inzwischen völlig geändert und die „Kniddelfee“ freut sich unbändig auf Veranstaltungen wie das Leipziger Wolle-Fest.

Infos im Internet gibt es auf www.kniddelfee.de.

VON SIMONE WEIL

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