Wilde Ritte und vorsichtige Träume

Kürbisfest macht Jügesheims Mitte zur Rodeo-Arena

Bockiges Geschenk: Geburtstagskind Jessi war von Freundinnen zum Ritt auf dem elektrischen Bullen eingeladen worden. Die Mädels filmten, was sie Smartphone-Speicherkarten hergaben. Foto: Löw
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Bockiges Geschenk: Geburtstagskind Jessi war von Freundinnen zum Ritt auf dem elektrischen Bullen eingeladen worden. Die Mädels filmten, was sie Smartphone-Speicherkarten hergaben.

Zum Kürbisfest im Western-Style hatte der Gewerbeverein Rodgau gestern ins Zentrum von Jügesheim gebeten. Und mit dieser Mischung offensichtlich den Geschmack des Publikums getroffen.

Jügesheim –  Schon lange vor der Kaffeezeit – dem klassischen Start des Sonntagsspaziergangs – war"s voll. Je weiter der Nachmittag fortschritt, desto mehr strömten die Leute.

Die Kürbisse waren der eher beschauliche Teil des Herbstfestes. Fürs Spektakel sorgten die Westernmomente. „Wer hält sich am längsten auf dem elektrischen Bullen?“ forderte Moderator Juan Martin-Gamo die Schaulustigen heraus. Ein Dutzend Cowboys und Cowgirls wagten den Ritt auf der bockigen Maschine. Vorjahressieger Björn Schröder verteidigte seinen Titel mit glatten 120 Sekunden auf dem ebenso glatten Sattel. Aber Erfahrung macht bekanntlich klug, deshalb trug er eine raue Lederhose. Pascal Behrenbruch, aus Weiskirchen stammender Zehnkampf-Europameister von 2012, hatte wie die anderen Reiter eine Jeans an, landete dagegen schon nach ein paar Sekunden auf der Matte und im Klassement unter ferner liefen.

Larissa Paul aus Weinheim gehörte zu einer Mädelstruppe, die ihre Freundin Jessi ins Rennen geschickt hatte. Die feierte gestern nämlich ihren 27. Geburtstag und hielt sich für jedes Lebensjahr fast eine Sekunde oben. Larissa machte es besser und gewann die Damenwertung in 70 Sekunden. „Anstrengender und wilder als gedacht“, meinte sie nach dem Abgang fröhlich. Schmerzhaft war"s auch, wie ein paar Hautabschürfungen an den Händen bewiesen. Jessis Geburtstagswein kühlte von innen.

Beim Kürbisverzieren ging"s gestern Nachmittag gemütlich-kreativ zu. Foto: Löw

Rund um St. Nikolaus-Kirche und Rathaus lässt sich"s prima bummeln und einkaufen. Die Jügesheimer Geschäftsleute präsentierten den Ortskern gestern Mittag von seiner besten Seite. Bardo Neuhäusel von der städtischen Wirtschaftsförderung bescheinigte dem Gewerbeverein um seinen Vorsitzenden Berthold Schüßler „eine tolle Arbeit“ und lobte damit auch ein Damen-Sextett. Renate Haller, Melanie Grimm, Christina Zimmermann, Susanne Spahn, Tanja Lehmberg und Antje Fisch hatten das Kürbisfest zusammen mit Juan Martin-Gamo auf die Beine gestellt. Verbunden war"s mit einem verkaufsoffenen Sonntag, an dem sich auch Geschäfte des Dudenhöfer Märktezentrums in der Hegelstraße beteiligten.

Jügesheim: Beachtliche Vielfalt an Geschäften

„Auch junge Leute sind dem Jügesheimer Einzelhandel gegenüber positiv eingestellt. Das sehe ich an den vielen Eltern mit Kinderwagen bei mir im Geschäft“, mochte Renate Haller, die Inhaberin des Bioladens in der Hintergasse, nicht ins Klagelied vom Ladensterben einstimmen.

Im Jügesheimer Ortskern gebe es noch eine beachtliche Vielfalt an Geschäften, meinte Melanie Grimm (Raumausstattung Grimm). Klar – mit der Schließung des Haushaltswarengeschäfts Eisen-Rupp fehlt ein Einzelhändler mit Strahlkraft. „Aber vielleicht wächst gerade deshalb hier etwas zusammen“, sagte Melanie Grimm mit Blick auf das Organisationsteam.

Schiere Größe ist ihrer Ansicht nach nicht das schlagende Argument, in Jügesheim einkaufen zu gehen. „Bei uns ist der Kunde noch Mensch und nicht einfach nur zum Bezahlen da“, nannte sie den wohl wichtigsten Pluspunkt. Schlechte Beratung könne sich da niemand leisten.

Jügesheim: Ein umweltfreundlicher Traum

Renate Haller gestattete sich eine Träumerei. Ihr schwebt ein umweltfreundlicher – sprich: mit Lastenfahrrad oder Elektroauto – Lieferservice mehrerer Geschäfte vor. Sozusagen der dezentrale Nahversorger, der als Supermarkt auf dem alten Feuerwehrparkplatz schon seit Jahren durch die städtebauliche Diskussion geistert. So etwas hat Renate Haller schon in Brandenburg gesehen. Die Stadt müsse Koordination und Personalkosten übernehmen, denn das übersteige die Kraft des Einzelhandels.

Währenddessen ist die Neuordnung der Parkplätze am Schul- und Sportzentrum Hainhausen schwieriger, als auf den ersten Blick gedacht.

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