Wegen Betruges vor Gericht

Prozess: Kundin kann Honorar an Beratungsstelle nicht zahlen

Rodgau/Seligenstadt - Hat ein Schuldner-Beratungsunternehmen die Hilflosigkeit einer hochverschuldeten Frau ausgenutzt und sie dazu gebracht, einen kostspieligen Beratungsvertrag abzuschließen. Von Michael Eschenauer

Oder hat die Frau die Dienstleistungen der Firma ausgenutzt, wohl wissend, dass sie die Beratung niemals würde zahlen können? Das Amtsgericht Seligenstadt wird sich am 1. Februar mit einem krassen Fall gescheiterten Schuldenmanagements befassen. Es geht um eine Strafanzeige wegen vorsätzlichen Betrugs gegen eine 52-jährige Rodgauerin. Beschwerdeführer ist die Adjulex Schuldnerberatung Rodgau, die nicht bezahltes Beratungshonorar in Höhe von rund 1400 Euro geltend macht.

Brisant wird die Sache durch die scharfe Kritik der Sozialen Schuldnerberatung vom Diakonischen Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau an der Beratungspraxis des Rechtsunternehmens. Die karitative Stelle hat die Betreuung der Frau übernommen, macht deren Sache zu der eigenen: „Endlich haben wir hier eine Anzeige in der Hand und können die Sache grundsätzlich klären lassen“, sagt Beraterin und Sozialarbeiterin Barbara Schöner. Die Beratungsstelle hat Prof. Dr jur. Dieter Zimmermann für die kostenlose Verteidigung der Klientin gewonnen. Grund: Man ist mit dem Verhalten des gewerblichen Schuldenregulierers ganz und gar nicht einverstanden. „Hier geht es um verzweifelte, überforderte Leute, die stehen am Limit“, so Schöner. Sie beschuldigt die Schuldnerberatung Adjulex mit Sitz in Frankfurt, Rodgau und Aschaffenburg, die Klientin über die Kosten ihres Service nicht ausreichend aufgeklärt zu haben. Es müsse beim ersten Kontakt geklärt werden, ob der Klient die Betreuung überhaupt zahlen könne, ansonsten müsse der gewerbliche Schuldenregulierer die Betreuung ablehnen. „Wenn man sieht, dass jemand am Existenzminimum lebt, darf man ihm nicht solche Verträge aus den Rippen leiern. Da wird die Not zur eigenen Bereicherung ausgenutzt“, ist sich Schöner sicher.

Im Übrigen sei bekannt, dass die Firma die eigenen Forderungen im privaten Insolvenzverfahren als „unerlaubte Handlung“ anmelde. Dies führe dazu, dass auch nach Abschluss des Verfahrens die hochbelastende Forderung weiter bestehe.

Matthias Klusmann, staatlich anerkannter Schuldnerberater bei Adjulex, weist die Beschuldigungen zurück. Jeder Klient werde bei zwei Beratungsgesprächen und in den Broschüren von Adjulex über die Kosten unterrichtet und müsse dies auch mit seiner Unterschrift bestätigen. Auch gebe es vor einer Anzeige – wie jetzt geschehen – mehrfache Mahnungen. „Wir weisen die Leute zudem vorher darauf hin, dass sie alternativ die kostenlosen Dienste gemeinnütziger Organisationen in Anspruch nehmen können, und auch diese Information ist Bestandteil des Vertrags“, so Klusmann.

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Im vorliegenden Fall habe die Klientin den Beratungsvertrag im vollen Bewusstsein unterschrieben, dass sie am Ende nicht zahlen können werde. Dies sei geplanter Betrug. Deshalb solle die Forderung aus dem Insolvenzverfahren herausgenommen werden. „Wer bei uns einen Vertag unterschreibt, der weiß, was er unterschreibt, und wer eine Leistung in Anspruch nimmt und nicht bezahlt, macht sich des Leistungskreditbetrugs schuldig“, so Klusmann. „Wenn es nicht stichhaltige Beweise für eine Straftat gäbe, hätte die Staatsanwaltschaft die Anzeige gar nicht angenommen“.

Rubriklistenbild: © dpa

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