Langsames Internet 

Trotz Breitbandausbau: Mangel an schnellem Internet 

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Ratlos stehen Steffen und Martina Löw vor ihrem Haus an der Marburger Straße. Sie telefonieren und arbeiten per Mobilfunk, weil keine schnelle Festnetzleitung ins Internet verfügbar ist. 

Auch nach dem Ausbau des Breitbandnetzes in Rodgau sind schnelle Internetleitungen nicht überall verfügbar. Nicht einmal ein Bauplatz in einem ziemlich neuen Wohngebiet bietet die Garantie auf hohe Bandbreite.

Jügesheim - Davon können auch Martina und Steffen Löw ein Lied singen. Seit eineinhalb Jahren wohnen sie in ihrem Eigenheim an der Marburger Straße – und nun kämpfen sie mit der Telekom um einen zeitgemäßen Internetanschluss.

„Wenn man ein Haus baut, verlässt man sich darauf, dass man alle Anschlüsse bekommt“, sagt Martina Löw: Wasser, Abwasser, Strom, Internet. 800 Euro kostete der Anschluss ans Telekom-Netz. Die Überraschung kam hinterher: Die Bandbreite ist wesentlich geringer als erwartet.

„Eingezogen, alles gebucht, das ganze Wunschkonzert“, berichtet Martina Löw. Das Ehepaar bestellte das teuerste Paket, das die Deutsche Telekom anbietet. Kurz darauf kam die Nachricht: technisch nicht möglich.

Statt erhoffter 50 oder 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) kann die Telekom derzeit nur 6 Mbit/s bereitstellen – eine Bandbreite von vorgestern.

„Ein Nachbar, der vor fünf Jahren gebaut hat, hat eine 100er-Leitung“, weiß Martina Löw. Sie ärgert sich über die großen Unterschiede innerhalb eines Wohngebiets: „Wir sind nicht bereit, für etwas zu bezahlen, was uns nicht weiterbringt.“

Laut Telekom seien derzeit keine „Ports“ für schnelle Internetzugänge frei. Selbst ein sogenannter Hybrid-Anschluss, der die schmale Festnetz-Bandbreite bei Bedarf per Mobilfunk ergänzt, sei dort nicht möglich: Die nächsten LTE-Stationen seien zu stark ausgelastet.

Rodgau: Trotz Breitbandausbau nicht überall schnelles Internet 

Das Nadelöhr im Wohngebiet ist ein sogenanntes Querkabel, also ein Bündel aus Kupferkabeln, das einen herkömmlichen Kabelverzweiger mit dem DSL-Zugangsschrank (DSLAM) verbindet. „Das Querkabel ist voll belegt“, teilt die Pressestelle der Deutschen Telekom AG auf Anfrage mit. Zurzeit prüfe das Unternehmen, ob eine Erweiterung möglich und wirtschaftlich lohnend sei.

Das Wohngebiet „Auf den Bruchgärten“ (J 41) am westlichen Ortsrand Jügesheims ist eines der jüngsten Wohngebiete der Stadt. Seit Mitte 2013 wurden dort rund 60 Häuser errichtet, vorwiegend Einfamilien- und Reihenhäuser. Wie kann es passieren, dass es schon nach wenigen Jahren zu Engpässen kommt? „Die Kapazität des Querkabels entspricht dem damaligen Planungsstand“, teilt die Telekom mit: „Offenbar besteht inzwischen ein Mehrbedarf, der damals nicht abzusehen war.“

Auch Bernhard Schanze von der städtischen Wirtschaftsförderung will nicht von einem Planungsfehler sprechen: „Ich glaube, wir sind alle Getriebene einer Marktentwicklung in diesem Bereich.“ Sowohl die Technik als auch die Nachfrage habe sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Im Wohngebiet J 41 gebe es noch keine Glasfaserleitungen bis ins Haus: „So weit war die Technik damals noch nicht.“

Anders sah es vier Jahre später in Hainhausen-West (H 17) aus. Dank Glasfaser sind dort Bandbreiten von bis zu 1 000 Mbit/s möglich – ein Vielfaches von dem, was die Telekom dem Ehepaar Löw zwei Kilometer weiter südlich anbieten kann. Das Gebiet H 17 wurde aber auch erst 2017 erschlossen.

Langsames Internet in Rodgau - Telekom: „Mehrbedarf nicht abzusehen“ 

„Ich kann die Unzufriedenheit der Betroffenen verstehen“, sagt Wirtschaftsförderer Schanze. Er sehe den Netzbetreiber Telekom in der Pflicht und versuche, für Martina und Steffen Löw etwas zu erreichen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die Einzigen sind, die von diesem Engpass betroffen sind.“

Aus anderen Wohngebieten weiß Schanze von Problemen durch die sogenannte Nachverdichtung, also den Bau zusätzlicher Wohnungen. Der Breitbandausbau sei auf der Grundlage der früheren Wohnungsdichte geplant worden. Und jetzt? „An allen Ecken und Enden reichen die Ports nicht aus.“

Wann wird es im Wohngebiet „Auf den Bruchgärten“ genügend schnelle Internetanschlüsse geben? Diese Frage bleibt offen. Die Telekom hat Martina und Steffen Löw auf eine Warteliste gesetzt: „Wir werden in regelmäßigen Zeitabständen prüfen, ob die Leitung für den Kunden buchbar ist. Durch Kundenfluktuation (Umzug, Kündigung) werden gelegentlich Doppeladern frei, die dann genutzt werden können. Es tut uns sehr leid, dass wir hier aktuell keine andere Lösung anbieten können.“

Von Ekkehard Wolf

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