Die Möglichkeit zum Schnelltest beruhigt

Lehrer aus Rodgau testen sich selbst auf Corona

30 Schnelltests (vorn Zubehör) machen Fabian Just, Beate Hoffbauer und Christoph Lehmann (von links).
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30 Schnelltests (vorn Zubehör) machen Fabian Just, Beate Hoffbauer und Christoph Lehmann (von links).

Mithilfe von Schnelltests kann man sich selbst in kurzer Zeit auf das Coronavirus testen. Lehrer von zwei Schulen in Rodgau machen bei einer Studie dazu mit.

Rodgau - Ganz fix selbst prüfen, ob man sich mit Corona infiziert hat: Das funktioniert mit dem Schnelltest eines Pfungstädter Unternehmens, den zurzeit 1 000 hessische Lehrer ausprobieren. In Rodgau machen Pädagogen aus zwei Schulen mit: von der Claus-von-Stauffenberg-Schule (CvSS) und der Georg-Büchner-Schule (GBS). Sie nehmen Teil an der „Safe-School-Studie“ des Landes Hessen, wissenschaftlich geleitet vom Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Die Studie soll eine Antwort geben auf die Frage, ob sich die Corona-Selbsttests in den Alltag bestimmter Berufsgruppen integrieren lassen und ob sie im Wettlauf mit dem Virus beim Faktor Zeit tatsächlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Test bringen. Daraus erhofft man sich wichtige Erkenntnisse für Teststrategien.

Hersteller des Schnelltests ist das Pfungstädter Unternehmen R-Biopharm AG. Es gehört weltweit zu den ersten Unternehmen, die eine Covid-19-Testung möglich machen. Die Studie soll klären, inwiefern Antigen-Schnelltests künftig die bislang überwiegend verwendeten PCR-Tests ergänzen können. Diese Verfahren erkennen genetisches Material des Virus. Der neue Antigentest reagiert dagegen auf Eiweißbausteine des Erregers.

„Eigentlich war eine Teilnahme an der Studie nur für Lehrer in Offenbach-Stadt gedacht“, erläutert GBS-Chef Volker Hildebrandt. Eine seiner Kolleginnen hatte davon aber Wind bekommen und meldete sich bei ihm mit der Bitte, sich auch testen zu dürfen. Ruck zuck hatte Hildebrandt per Mailaufruf an seiner Schule 30 Lehrerinnen und Lehrer zusammen, die er dem Kultusministerium als Testpersonen meldete.

Die Testlösung besteht aus zwei Reagenzien in den Fläschchen mit gelbem und blauem Deckel.

Seit Mitte September (ausgenommen die Herbstferien) steckt sich jetzt das halbe Kollegium der GBS jeden zweiten Tag zuhause morgens ein Wattestäbchen in beide Nasenlöcher – erst rechts, dann links – und führt über den Test genau Protokoll. Mit dabei sind von der GBS Fabian Just (Sport und Französisch), Christoph Lehmann (Mathe und Sport) und Beate Hoffbauer (Deutsch und Englisch), die teils auch an der CvSS unterrichten.

Der Corona-Schnelltest dauert gute 20 Minuten (Wartezeit inklusive). Der Abstrich aus der Nase kommt in eine zuvor aus zwei Reagenzien gemischte Lösung. Erscheint ein Strich, ist der Test negativ. Sind es zwei, muss sofort ein Alarmruf an das Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt abgesetzt werden. Binnen einer Stunde holen Experten die Probe dann ab, machen umgehend die Gegenprobe und leiten bei Bedarf Maßnahmen ein.

Reagiert der Antigen-Schnelltest nicht nur auf Coronaviren? Schulleiter Hildebrandt jedenfalls berichtet in einem Einzelfall von einem Falschalarm während der Testreihe, der allen Beteiligten einen gehörigen Schrecken in die Glieder hat fahren lassen. Eine Kollegin sei positiv getestet worden. Die Gegenprobe habe aber zweifelsfrei ergeben: Es handelt sich nicht um Corona! „Die Frau darf jetzt natürlich nicht mehr mitmachen. Das würde ja das Ergebnis verfälschen.“ Sonst wurde bisher noch keine GBS-Testperson positiv getestet. Die Rodgauer Lehrer sind sich einig darin, dass ihre Teilnahme ihnen persönlich, aber auch ihren Familien und den Schülern große Sicherheit verschafft. „Es ist ein beruhigendes Gefühl“, sagt Christoph Lehmann. „Und man hilft, die Frage sicherer Tests weiter voranzubringen“, ergänzt Fabian Just. Auch Beate Hoffbauer findet es „spannend, an einer wissenschaftlichen Studie teilnehmen zu können“. Für sie persönlich ist dabei besonders wichtig, sicher zu gehen, „dass ich das auf keinen Fall mit nach Hause oder in die Schule bringe“.

Die Studie wird vom Kultusministerium finanziert und fachlich vom Sozialministerium begleitet. Sie dauert noch bis 13. November. (Bernhard Pelka)

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